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Ärger über Wohnbaugesellschaft: Traditions-Hutsalon in Bad Homburg wird schließen

Von Wer vom Rathausturm her in die Altstadt geht, kommt seit 1947 am „Homburger Hutsalon“ vorbei. Doch die Tage sind gezählt: Inhaberin Karen Diaz verlässt ihr Geschäft. Die Zukunft des traditionsreichen Ladens ist offen.
Hunderte selbst geschneiderter Kopfbedeckungen sind im „Homburger Hutsalon“ von Karen Diaz zu bewundern. Foto: Jochen Reichwein Hunderte selbst geschneiderter Kopfbedeckungen sind im „Homburger Hutsalon“ von Karen Diaz zu bewundern.
Bad Homburg. 

Instinktiv zieht man den Kopf ein, wenn man über die Schwelle des „Homburger Hutsalons“ tritt. Dicke schwarze Balken auf Augenhöhe, dunkler Holzboden, eine einladende Chaiselongue und geradeaus viel zu gucken. Hunderte bunter Hüte in allen erdenklichen Formen lagern hinter gläsernen Schranktüren; auf Kommoden liegen Krempen, Bänder, Quasten. Draußen rast die Zeit weiter; in dem vollgestopften Lädchen an der Rathausstraße scheint sie stillzustehen.

Das Fachwerkhaus in der Rathausstraße –  seit 1947 Sitz des Hutsalons – hat einen Wasserschaden. Derzeit wird es saniert. Bild-Zoom Foto: Jochen Reichwein
Das Fachwerkhaus in der Rathausstraße – seit 1947 Sitz des Hutsalons – hat einen Wasserschaden. Derzeit wird es saniert.

Doch die Tage des Geschäftes sind gezählt: Nur noch bis Ende August wird Putzmachermeisterin Karen Diaz ihr seltenes Handwerk hier ausüben. Dann muss sie die Geschäftsräume verlassen, in denen sich das Homburger Traditionsgeschäft seit 1947 befindet. Als Grund nennt sie das schlechte Verhältnis zum Vermieter, der Hochtaunus Baugenossenschaft: „Das halten meine Nerven nicht aus.“

Nicht kommuniziert

Zwar habe sie selbst den Schlussstrich gezogen, erklärt Diaz. Doch es wäre nicht so weit gekommen, erklärt sie, hätte die Genossenschaft vernünftig mit ihr kommuniziert. Aktueller Anlass ist die „Großbaustelle“ vor ihrer Tür: „Erst wurde 40 Jahre lang nichts gemacht an dem Gebäude“, sagt die 50-Jährige. Und nun erfahre sie sehr kurzfristig, wenn morgens die Handwerker an eine bestimmte Stelle im Haus müssten. „Neulich habe ich nachts den Keller freigeräumt.“

Mehrfach schon habe sie mit diversen Mitarbeitern „bis hin zum geschäftsführenden Vorstand“ das Gespräch gesucht, doch man habe sie abblitzen lassen. „Es gibt Vermieter und schwierige Vermieter“, resümiert Diaz.

Die Hochtaunus Baugenossenschaft will sich in der Angelegenheit nicht äußern. „Wir können dazu nichts sagen“, erklärt Prokuristin Martina Pels auf Nachfrage dieser Zeitung.

Die Genossenschaft bringt man vor allem mit Mehrfamilienhäusern aus Nachkriegszeiten in Verbindung; das markante Fachwerkhaus in der Altstadt hat sie von der Stadt übernommen. Das Grundstück gehöre dieser noch immer, weiß Karen Diaz.

Seit Januar bestehe die Baustelle rund um das Fachwerkhaus; seit etwa sechs Wochen ist es eingerüstet. Die Zisterne im Haus hat einen Wasserschaden verursacht; dieser wird derzeit beseitigt, die Fassade wird neu verputzt, und die Holzbalken bekommen einen neuen Ölanstrich. Die Schaufensterrahmen werden ausgebessert, und am Ende wird noch das Dach gemacht.

Ein Stück Stadtgeschichte

Mit Grauen erinnert sich Diaz daran, als vor ein paar Jahren schon einmal Schäden am Haus beseitigt wurden. „Das hat sechs Jahre gedauert.“

Mehrere Mitarbeiterinnen habe sie damals verloren. Jetzt habe sich ihr Geschäft erholt, es laufe ganz gut – doch seitdem das Haus hinter einem grünen Staubschutz verborgen ist, fänden sie viele Kunden nicht mehr, erklärt die Hutmacherin.

Zumindest scheinen viele Nachbarn aus der Altstadt hinter ihr zu stehen, die ihren Wegzug bedauern. Und auch OB Alexander Hetjes (CDU) findet Worte des Bedauerns. „Aus Sicht der Stadt ist es extrem traurig, dass der Laden nicht weiter in diesen Räumen bestehen wird“, sagt er. „Er ist gelebte Homburger Tradition und auch ein Stück Stadtgeschichte.“

Nicht nur ist das Geschäft seit mehr als 70 Jahren hier, am Eingang der Altstadt, anzutreffen; auch entwickelte die langjährige Inhaberin Gisela Rosemann in der Rathausstraße in den 1990er Jahren den „Homburg für die Dame“. Der berühmte Homburg-Hut selbst, hergestellt von der damaligen Firma Möckel in der Dorotheenstraße 8–10, war vor über 100 Jahren weltweit ein Verkaufsschlager, nachdem der englische Thronfolger und Politiker wie Konrad Adenauer ihn trugen.

Der Schriftzug am Haus erinnert an den einstigen Familienbetrieb, der 1899 in Schlesien gegründet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er in diesem Gebäude weitergeführt. Karen Diaz lernte ihr Handwerk bei Gisela Rosemann. Der Schriftzug soll bleiben – „auch wenn künftig wohl kein Hutsalon mehr hier drin ist, das habe ich dem Denkmalschutz auch gesagt“, so Diaz. Die Homburgerin ist nun auf der Suche nach innenstadtnahen neuen Räumen mit Schaufenster. „Ich mache weiter“, sagt sie. „Ich suche, bis ich etwas gefunden habe.“

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