Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Hilfe für seelisch kranke Menschen: Verein "Perspektiven": Menschen in Arbeit bringen

Von 30 Jahre wird der Oberurseler Verein Perspektiven in diesem Jahr alt. Die Angebote des freien, gemeinnützigen Trägers sind heute fester Bestandteil der psychosozialen Versorgung in der Region. Die Zahl der betreuten Menschen ist seit 2012 deutlich gestiegen.
Mitarbeiterin Sandra Röske füllt im „Lädchen für Alles“ das Gemüseregal auf. Mitarbeiterin Sandra Röske füllt im „Lädchen für Alles“ das Gemüseregal auf.
Hochtaunus. 

Rund 900 Menschen wurden 2016 durch den Oberurseler Verein Perspektiven kurz- und langfristig betreut, beraten oder begleitet – und auch, wenn die jetzt vorgelegten Zahlen einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr bedeuten: Der Bedarf an Hilfen für Menschen mit seelischen Erkrankungen steigt langfristig an, das belegt die Arbeit des seit 1987 bestehenden Vereins.

Vor fünf Jahren etwa lag die Zahl der Klienten noch bei 785. Von einer Trendwende lässt sich im Jubiläumsjahr also mitnichten sprechen. Im Gegenteil: Ursprünglich von Mitarbeitern des Waldkrankenhauses Köppern und der Frankfurter Klinik Bamberger Hof gegründet, um Wohn-, Arbeits- und Freizeitinitiativen zu fördern, sind die Angebote des freien, gemeinnützigen Trägers heute fester Bestandteil der psychosozialen Versorgung im Hochtaunuskreis und in Frankfurt.

Und während man sich in den Anfangsjahren vor allem dem Betreuten Wohnen und Tagesstätten für seelisch Erkrankte und für Menschen mit Abhängigkeitserkrankung widmete, ist das Angebotsspektrum heute breitgefächert: So werden in Oberursel und Umgebung ambulant betreutes Wohnen angeboten, Tagesstätten und psychosoziale Kontakt- und Beratungsstellen unterhalten, außerdem Präventionsprojekte wie die Fachberatung „Perspektiven für Kinder“. An insgesamt acht Standorten sind rund 60 Mitarbeiter beschäftigt, und zu den Klienten zählt außer psychisch beziehungsweise Suchterkrankten und deren Angehörigen auch eine kleine Gruppe körper- und sinnesbehinderter Menschen.

Auch das Engagement im Bereich Arbeit und Beschäftigung spielt mittlerweile eine große Rolle, wie Perspektiven-Geschäftsführerin Ulrike Schüller-Ostermann im Gespräch mit der Taunus Zeitung berichtet. So unterstützt der Integrationsfachdienst (IFD) Rhein-Main in Bad Homburg Menschen mit Schwerbehinderung dabei, einen geeigneten Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden, zumeist im Auftrag des kommunalen Jobcenters oder der Agentur für Arbeit. 30 Klienten, ein knappes Drittel der Zugewiesenen, konnten 2016 vermittelt werden, eine gute Zahl, sagt Schüller-Ostermann.

Tendenz steigend

Splittet man die Klienten nach Erkrankungsart auf, liegen seelische Erkrankungen der Schwerbehinderung mit Abstand am häufigsten zugrunde, Tendenz steigend

„Mit anerkannter Schwerbehinderung hat man es generell schwer auf dem Arbeitsmarkt – unsere Klienten mit seelischer Erkrankung aber haben es besonders schwer“, weiß Schüller-Ostermann. Sie brauchten spezielle Unterstützung: Denn die Vorurteile, mit denen die Klienten zu kämpfen hätten, seien groß.

Ehrenamtliche Helfer gesucht

Vor bald drei Jahren hat der Verein Perspektiven das gemeinnützige Integrationsunternehmen „tegut . . . Lädchen für Alles“ in Kronberg-Schönberg aus der Taufe gehoben: Dort finden Kunden auf rund

clearing

„In der Gesellschaft ist eine deutliche Stigmatisierung vorhanden.“ Gegen sie geht Perspektiven seit fast drei Jahren auch mit dem gemeinnützigen Integrationsunternehmen „tegut . . . Lädchen für Alles“ in Kronberg-Schönberg an (siehe weiteren Text) – und so bezieht sich darauf auch einer der Geburtstagswünsche: Perspektiven hofft auf höhere Umsätze, werden doch von 2020 an laut Schüller-Ostermann bis zu 30 000 Euro im Jahr fehlen, da die Förderung der Aktion Mensch ausläuft, die bislang 70 Prozent der Personalkosten für die Marktleitung deckt, außerdem wird die Werbung übernommen. „Wir werden alles tun, was uns möglich ist, um den Laden langfristig weiterzuführen“, betont sie.

Großer Wunsch

Darüber hinaus hofft die 65-Jährige, die seit zehn Jahren im Amt ist, dass der Generationenwechsel, vor dem der Verein steht, gut über die Bühne geht. Der Wunsch nach ausreichend bezahlbarem Wohnraum zur Anmietung durch den Verein beziehungsweise die Klienten, hat sich bislang nicht erfüllt. Auch ein geeignetes Grundstück für das Haus mit Einzelappartements, das man selbst bauen möchte, sei nach wie vor nicht gefunden.

„Wir haben den Wunsch aber nicht aufgegeben“, so Schüller-Ostermann, die sich mehr Engagement vonseiten der Politik wünscht. „Die Wohnungsnot trifft unsere Klienten besonders, aber auch unsere Mitarbeiter.“ Das neu angemietete Haus in der Bad Homburger Innenstadt, eine betreute WG, die noch auf sieben Plätze ausgeweitet werden soll, sei da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auf Grün stehen die Zeichen indes für ein neues Projekt, und zwar die Traumaberatung für Geflüchtete: Die Förderung durch die Aktion Mensch sei gesichert, im kommenden Monat gehe es los. Geplant seien Außensprechstunden, die die Mitarbeiter in den Unterkünften abhielten, aber auch eine Anlaufstelle am Vereinssitz in der Alberusstraße.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse