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Sonderausstellung: Von Tretauto bis Schienenzeppelin

Alles was rollt: Spielzeug-Autos, Modelleisenbahnen und historische Fahrräder sind im Seulberger Heimatmuseum zu bestaunen. Sogar zwei Mini-Dampfmaschinen stehen in einer Vitrine.
Mercedes-Tretauto von 1957. Mercedes-Tretauto von 1957.
Seulberg. 

Ein Mann in Frack und Zylinder fährt auf einem Hochrad ein Stück durch Alt Seulberg. Sein Ziel ist das Heimatmuseum. Dort eröffnete Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich am Sonntagnachmittag die neue Wechselausstellung „Abgefahren! Spiel und Spaß auf Rädern“. Schöne alte Roller, Tretautos und Modelleisenbahnen sind da zu bewundern.

Sogar zwei kleine Dampfmaschinen stehen in einer Vitrine. Seit 1920 wurden sie gebaut und trieben unter anderem Dampfschiffe und Lokomotiven an. „Das Kinderspielzeug spiegelt die Erwachsenenwelt“, berichtete Dr. Dittrich. „In Friedrichsdorf hatten Zwiebackfabrikanten und die Nudelfabrik Haller Dampfmaschinen im Einsatz.“ Und vor dem ersten Weltkrieg habe die Stadt eine wirtschaftliche Blütezeit erlebt. „Vier Automobile gab es hier, zwei davon besaß die Zwiebackfabrik Stemler.“

Das Gordon-Bennett-Rennen durch den Taunus im Jahr 1904 habe den Anstoß zur Rennauto-Begeisterung gegeben. „Kinder haben die Autos nachgebaut, daraus hat sich später das Seifenkisten-Rennen entwickelt. Deshalb steht auch eine schnittige schwarz-gelbe Seifenkiste in der Ausstellung, eine Leihgabe des Vortaunusmuseums Oberursel. Eine andere Leihgabe kommt aus der Central-Garage Bad Homburg: Das knallrote Mercedes-Tretauto aus dem Jahr 1957 lässt die Augen älterer Herr leuchten. Central-Garage-Gründer Dieter Dressel hatte als kleiner Bub das Gefährt unterm Weihnachtsbaum gefunden – wie ein Schwarz-Weiß-Foto über dem Wagen beweist.

Letzte Fahrkarten

Ganz im Stil der 1920er-Jahre gekleidet, mit Knickerbocker und Schirmmütze kam der Friedrichsdorfer Frank Böttcher (49), der die meisten der rollenden Spielsachen zur Verfügung gestellt hat. Er sammelt alles, was historisch ist und rollt. Und zum Glück machen seine Frau Daniela und die beiden Kinder Nele (6) und Till (9) begeistert mit. Marc Schmidt (42), der seine stattliche Modelleisenbahn-Sammlung zur Ausstellung beigesteuert hat, fachsimpelte vor den Vitrinen mit begeisterten Besuchern über die Märklin-Lok von 1935 und den Schienenzeppelin, einen Triebwagen, der als Spielzeug von 1932 bis 1938 gebaut wurde. Passend zu den Miniatur-Zügen ist ein Foto des Seulberger Bahnhofsgebäudes – das schon längst nicht mehr steht – zu sehen, und sogar die letzten drei dort ausgegebenen Fahrkarten, datiert am 31. Mai 1977.

Für die Friedrichsdorfer Nudel-, Zwieback-, Leder-, und Hut-Fabrikanten war die Bahnstrecke so wichtig, dass sie sogar bereit waren, die Anbindung aus eigener Tasche zu zahlen, berichtete Dittrich. Am 13. Juli 1901 wurde die Bahnstrecke von Friedberg nach Homburg eröffnet, einziger Halt des Schnellzugs war in Friedrichsdorf.

Und der Mann mit dem Hochrad? Das war Hans Rügener (60), der zur Ausstellungseröffnung aus Frankfurt gekommen war. Er war schon Hochrad-Weltmeister und zeigte jetzt im Museumshof, wie man auf so ein Gefährt aufsteigt, im Kreis fährt – auch mit den Füßen auf dem Lenker. Und wie man das Rad vorsichtig mit der Löffelbremse zum Stehen bringt – und dann freihändig steht. Höchstgeschwindigkeit sei 35 Kilometer pro Stunde, im Durchschnitt fahre er mit 20 Kilometer pro Stunde. „Hochräder gab es nur von 1878 bis 1888, wegen der vielen Unfälle“, berichtete er. „Gebaut wurden sie nach Körpergröße.“ Zu Hause hat er ein echtes vom 1880, nach Seulberg war er mit einem Nachbau gekommen.

 

Die Ausstellung „Abgefahren! Spiel und Spaß auf Rädern“ im Heimatmuseum, Alt Seulberg 46, ist bis Sonntag, 3. Juli, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind mittwochs und donnerstags 9 bis 12 Uhr sowie sonntags 14 bis 17 Uhr. Gruppen können Führungen buchen, für Kindergärten und Schulklassen gibt es ein spezielles Programm. Informationen unter Telefon (0 61 72) 7 31 31 20 (mittwochs und donnerstags 9 bis 12.30 Uhr), 7 31 31 00 (montags bis freitags 9 bis 16 Uhr), E-Mail erika.dittrich@friedrichsdorf.de, Internet: www.heimatmuseum-seulberg.de.

 

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