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Fremde Früchte: Von süßen Früchtchen und der Sache mit dem Mundraub

Von Mundraub – bei diesem Wort denkt man sofort an Wanderer, die am Wegesrand einen Apfel vom Baum mopsen. So nostalgisch-nett das Bild ist – ein Kavaliersdelikt ist das mitnichten, auch wenn der Mundraub als Straftatbestand 1975 abgeschafft wurde. Es gibt allerdings Gegenden, in denen man unbehelligt Obst ernten darf – auch in Bad Homburg.
In der Urseler Straße gab's im Sommer Brombeeren satt. Geerntet werden die Früchtchen aber nur selten von Passanten. TZ-Volontärin Janina Raschdorf allerdings konnte nicht widerstehen - und hier ist »Obstklau« sogar erlaubt. Foto: Yvonne Späne In der Urseler Straße gab's im Sommer Brombeeren satt. Geerntet werden die Früchtchen aber nur selten von Passanten. TZ-Volontärin Janina Raschdorf allerdings konnte nicht widerstehen - und hier ist »Obstklau« sogar erlaubt.
Bad Homburg. 

Brombeeren, Quitten, Pflaumen – derzeit erinnern viele Gärten ein bisschen an das Paradies, so voll sind die Bäume und Sträucher mit Obst. Aber während man sich im Paradies einfach gütlich tun darf, ist das hierzulande natürlich nicht der Fall. Wer nicht widerstehen kann und sich im Vorbeigehen einen Apfel stibitzt, begeht nämlich Mundraub. Auch wenn der juristisch als Straftatbestand schon lange abgeschafft ist – erlaubt ist die Sache dennoch nicht; zumindest nicht überall.

Für die Landwirte jedenfalls „ist der Obstdiebstahl fatal“, weiß Fred Biedenkapp, Vorsitzender des Vereins „Interessengemeinschaft Kirdorfer Feld“ (IKF). Teilweise würden ganze Obstbäume leer gepflückt. Das sei Diebstahl.

Auf einigen Parzellen allerdings sei das anders. Weil es nämlich auch Grundstücksbesitzer gebe, die sich nicht um ihre Bäume kümmerten, habe sich die IKF mit ihren 300 Mitgliedern dem Schutz verwahrloster Streuobstwiesen verschrieben. Im Gegenzug dürfe die IKF die daraus geernteten Früchte behalten. „Daraus machen wir dann Apfelwein und Konfitüre“, sagt der IKF-Vorsitzende.

Doch es gibt in Bad Homburg auch Landstriche, wo Früchte wachsen, um deren Ernte sich niemand kümmert. Entlang der Urseler Straße und auf dem Platzenberg etwa wachsen massenweise Brombeeren. Zwar dürften die Spaziergänger hier ungestraft zulangen – tun es aber nicht.

Nur wenige Kilometer entfernt gibt es die schwarzen Beeren im Supermarkt zu kaufen, für um die 1,50 Euro pro 100 Gramm. Auch auf dem Homburger Wochenmarkt stehen die Kunden Schlange, sind bereit, drei Euro für 250 Gramm Brombeeren zu zahlen. Warum denn nicht mit einem Körbchen zum Platzenberg radeln? „Ich bin berufstätig und habe keine Zeit, die Früchte selbst zu pflücken“, erklärt die Bad Homburgerin Maria Klöckner, während sie ihr Schälchen entgegennimmt. „Früher war ich dazu allerdings oft im Wald “, erinnert sie sich.

Auch die Kundin Lisa Steinmüller bevorzugt mittlerweile den Gang zum Supermarkt. Sie erklärt: „Das ist doch viel zu aufwendig. Der Appetit auf Beeren überkommt mich spontan. Da mache ich mich doch nicht erst auf die Suche.“ Das ist aber auch gar nicht nötig. Denn Dank der Organisation „mundraub.org“ gibt es im Internet eine webbasierte Karte, die Standorte mit Obst- und Kräuteraufkommen abbildet, die keinem gehören, also zum freien Verzehr bereitstehen. Über 25 000 Menschen nutzen die Plattform, um die von ihnen entdeckten Obst-Paradiese publik zu machen.

So weist etwa die Nutzerin „Ixa“ darauf hin, dass es im Bad Homburger Schlosspark etliche Esskastanienbäume gibt. Ausdrücklich ergänzt sie allerdings: „Der angrenzende Obstgarten darf nicht zum Pflücken genutzt werden“. Obgleich der Name der Organisation vielleicht darauf hindeutet, stiftet „Mundraub“ nämlich keineswegs zum Obstklau an. In einer langen Liste von Regeln fordert die Organisation alle Nutzer ausdrücklich auf, sich nur über Obstbaumbestände zu informieren, die nachweislich auf öffentlichem Grund stehen. „Ich kann mir aber kaum vorstellen“, erklärt IKFler Biedenkapp, „dass die Besitzverhältnisse so leicht zu klären sind.“

„Wir überprüfen die Angaben weitestgehend“, versichert Pressesprecherin Andie Arndt – soweit das bei mittlerweile 17 000 Einträgen eben möglich sei. Auf Nachfrage erklärt Schlossgärtner Peter Vornholt jedenfalls, dass auch das Ernten der Esskastanien offiziell nicht gestattet sei. „Wir sind da ja grundsätzlich aufgeschlossen“, erklärt er. „Aber viele gehen sehr rabiat mit den Bäumen um.“ Die Sammler würden an den Zweigen zerren und Äste und Steine nach den Früchten werfen.

Auf die Mitteilung reagiert Arndt sofort. „Danke für den Hinweis, wir kümmern uns darum“, sagt sie.

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