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Lindner gibt den Lässigen: Was der FDP-Chef von Merkel, Schulz und Co. hält

Von Kronberg war am Mittwoch für zwei Stunden Hauptquartier der FDP: Christian Lindner kam zwar 45 Minuten zu spät, hatte aber gleich die Lacher auf seiner Seite.
Gestenreich versuchte Christian Lindner seine gut 500 Zuhörer davon zu überzeugen, warum die FDP wieder in den Bundestag einziehen sollte. Foto: Sven-Sebastian Sajak Gestenreich versuchte Christian Lindner seine gut 500 Zuhörer davon zu überzeugen, warum die FDP wieder in den Bundestag einziehen sollte.
Kronberg. 

Christian Lindner, liberale Lichtgestalt, eilte mit 45-minütiger Verspätung federnden Schrittes aufs Podium: Grauer Anzug, weißes Hemd, rosa Schlips („Damit Sie mich erkennen“). Letzterem entledigte er sich sogleich, als wolle er den 500 Menschen auf dem Berliner Platz sagen: „Jetzt wird’s gemütlich.“ Er deponierte den rosa Binder, wenig farbharmonisch, auf einem Würfel in Gelb-Magenta. Ansonsten aber herrschte Harmonie auf und vor dem Podium.

Lindner gab sich lässig, erst nur zum Anschauen, später dann aber auch zum Anfassen. Geduldig stand er seinen längst nicht nur weiblichen und auch längst nicht nur älteren Fans für Selfies Modell, signierte Flyer und sogar gemopste Wahlplakate, worüber Kronbergs FDP-Chef Holger Grupe großzügig hinwegsah. Derweil schaute Lindners Fahrer bereits auf die Uhr, man wollte schon in Frankfurt sein. Dort wartete, ausnahmsweise am Mittwoch, die „Montagsgesellschaft“ auf den Politstar.

Guter Bildungsurlaub

Die Wartezeit wurde den Besuchern in Kronberg nicht lang, erst gab es Livemusik, dann sagten Bettina Stark-Watzinger, Bundestagskandidatin für den Wahlkreis 181, sowie FDP-Landeschef Dr. Stefan Ruppert, warum die FDP-lose Zeit in Berlin zu Ende gehen müsse. Ruppert meinte launig, der der FDP beim letzten Mal verordnete Bildungsurlaub habe der Partei gut getan, sie habe sich erholt, könne heute viel deutlicher für ein Deutschland eintreten, in dem mündige Bürger ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, ohne Bevormundung. Auch Stark-Watzinger sprach von der Chance, nach über 1400 Tagen wieder liberale Politik im Bundestag zu verankern. Das TV-Duell Merkel/Schulz mit ungestellten Fragen und weichgespülten Antworten sei wenig spannend gewesen, „von Bildung und Digitalisierung, den Hauptanliegen der FDP, keine Spur“. Mündige Bürger gebe es nur durch Bildung. Das Digitalste an Schule sei der Schulhof, nicht der Unterricht.

Ganz ähnlich äußerte sich später auch Lindner. Überhaupt passte zwischen ihn, Ruppert und Stark-Watzinger kaum ein Blatt Papier. Er ließ das Publikum abstimmen: „Finger hoch, wer fand das Duell langweilig?“ und „wer hätte lieber Tatort geguckt?“ Es wurden ihm Finger zuhauf entgegengereckt. Auch der „digitale Schulhof statt digitalem Unterricht“ fand sich in seiner Rede. Stichwort Diesel: Er war bei Anne Will, wo Oppermann (SPD), Kauder (CDU) und Weidel (AfD) sich „bar jeden Sachverstandes“ an Stickoxiden abgearbeitet hätten, „von sozialer Marktwirtschaft keine Spur“. Politische Gesetze ließen sich ändern, physikalische nicht, sagte Lindner.

Launig, aber ernst gemeint auch das: Die Annektierung der Krim sei völkerrechtswidrig, statt aber mit Putin zu reden, redeten beim G7-Gipfel die sieben Guten nur darüber, wie böse der Achte doch sei. Beim Türkei-Referendum habe er große Hochachtung für seinen niederländischen Kollegen und sein Einreiseverbot für türkische Wahlkämpfer empfunden. Zur Rente mit 63 meinte er, es sei aberwitzig, Arbeitnehmern eine „Stilllegungsprämie“ zu zahlen, damit sie aufhören, zu arbeiten: „Wir lassen sie früher gehen, obwohl wir wissen, dass wir sie länger brauchen.“ Stichwort Einwanderung: Menschen in Not dürften kommen, müssten sich, mindestens durch Spracherwerb, aber integrationswillig zeigen und in ihr Land zurückkehren, sobald dort wieder Frieden herrsche.

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