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Schlüssel in Alufolie verpacken: Was gegen professionelle Autodiebe hilft

Von Die Zahl der Autodiebstähle und Diebstähle aus Autos hat in den vergangenen Jahren wieder zugenommen. Die Polizei warnt vor technisch gut gerüsteten Tätern und setzt ihrerseits auf Experten.
Symbolbild: Imago Foto: imago stock&people Symbolbild: Imago
Hochtaunus. 

Mitte der 2000er Jahre gingen die Zahlen der Pkw-Diebstähle schlagartig nach unten. Erst 1998 war damit begonnen worden, die elektronische Wegfahrsperre serienweise zu verbauen – für Automarder ein schwerer Rückschlag. Doch mittlerweile haben sich die Täter auf die neuen Gegebenheiten eingestellt und sind wesentlich professioneller aufgestellt, weiß der Kripochef im Hochtaunus, Viktor Lekic: „Wir haben es mit hochprofessionellen Banden aus Osteuropa zu tun.“ Waren die Fallzahlen „schwerer Diebstähle in/aus Kfz“ im Jahr 2013 auf 348 gesunken, ging es in den vergangenen drei Jahren wieder „bergauf“: 2014: 549 Fälle, 2015: 444 Fälle, 2016: 505. Die letzte Zahl gliedert sich in 69 Diebstähle von und 436 Einbrüche in Fahrzeuge – wobei es die Diebe dabei häufig auf Navigationssysteme abgesehen haben.

Bei den Diebstählen von Fahrzeugen kommen zwei Probleme zusammen – ein allgemeines und ein taunusspezifisches. Letzteres liegt darin begründet, dass es in den Villenvierteln in Bad Homburg, Kronberg oder Königstein jede Menge gute Gelegenheiten gibt. Lekic: „Es gibt in unserer Region viele hochwertige Fahrzeuge.“ Das Problem ist aber, dass häufig der Zweitwagen der Frau in der Garage stehe, während das teure Firmenauto auf der Straße abgestellt werde. Wie heißt es so schön: Gelegenheit macht Diebe.

Funksignal auslesen

Das andere Problem ist eine technische Neuerung: Keyless-Go. Dahinter verbirgt sich ein System, um ein Fahrzeug ohne aktive Benutzung eines Autoschlüssels zu entriegeln und durch das bloße Betätigen des Startknopfes zu starten. Ermöglicht wird das durch einen Keyless-Go-Schlüssel mit Chip, den der Fahrzeuglenker mit sich führt. Längst sind moderne Autodiebe in der Lage, das ständig sendende Funksignal dieser Schlüssel abzufangen und auszulesen. Denn gerne werden Haus- und/oder Autoschlüssel in der Nähe der Haustür deponiert. Da reicht den Kriminellen ein kleiner Laptop, um das Signal zu empfangen. „Und am Laptop sitzen hoch spezialisierte Techniker“, sagt Lekic.

Ähnlich gehen die Täter übrigens auch beim Ausspähen von Kreditkarten vor. Die kriminellen Experten sind in der Lage, die Karten in der Geldbörse oder im Rucksack auszulesen.

Zurück zum Auto, ist das erst mal per Funksignal geöffnet, wird noch schnell die Navi-Einheit getrennt und ab geht es Richtung polnische Grenze. Dabei fallen die Fluchtfahrer, so Lekic weiter, nicht selten durch ein rücksichtsloses Fluchtverhalten auf. Dabei seien die noch die „ärmsten Würste“, bekommen pro Fahrt gerade mal 100 bis 200 Euro. „Bei Beginn der Flucht wissen die Fahrer meistens gar nicht, wohin die Reise führt“, ergänzt die Chefin der Polizei im Hochtaunus, Antje van der Heide. Die Kommunikation zwischen den Hintermännern und den Fahrern läuft über Handys.

So schützt man sich

Doch wie lässt sich das Ausspähen des Autoschlüssels vermeiden? Die Polizei hat da drei Tipps parat:

Alufolie: Den Autoschlüssel in Alufolie einwickeln, so werden die Funkwellen blockiert.

Abstand: Den Schlüssel oder die Karte nicht direkt neben der Haustür deponieren, sondern mindestens drei Meter im Wohnungsinneren.

Metallkiste: Den Schlüssel im Haus in einer Metallkiste aufbewahren. Auch so können die Funkwellen abgeschirmt werden.

Garage: Wenn möglich, hochpreisige Fahrzeuge in der Garage abstellen.

Mit dem Anstieg der Fallzahlen sank zeitgleich die Aufklärungsquote. Wurden 2013 rund 40 Prozent aller Fälle aufgeklärt, waren es in den Folgejahren nur noch 23,1 (2014) und 19,6 Prozent (2015). Das hatte bereits Ende 2014 zur Gründung der ressortübergreifenden Arbeitsgruppe Pkw geführt. „Ein Erfolg“, erklärt Lekic. Die aktuellen Zahlen geben ihm recht. 2016 schnellte die Aufklärungsquote auf beachtliche 61,8 Prozent hoch. Getoppt wurde dieser Wert nur im Jahr 2010, als die Quote bei 65,3 Prozent lag. Damals profitierte man allerdings durch die Klärung einer Tatserie von einem Einmal-Effekt. Der Polizei war eine Gruppe Litauer ins Netz gegangen, die es auf Navis abgesehen hatte.

Ähnliche Effekte verzeichnete die AG Pkw auch im vergangenen Jahr – allerdings kam sie durch akribische Arbeit gleich mehreren Tätergruppen auf die Schliche. Mittlerweile hat die AG durch die Zusammenarbeit mit Polizeistationen aus anderen Landkreisen ein ganzes Netzwerk geschaffen. Nicht zuletzt deshalb kündigte Lekic bereits an, dass die in Oberursel angesiedelte AG nicht nur bestehen bleibt, sondern in absehbarer Zeit als feste Einheit ein eigenes Kommissariat erhalten soll.

Dass man sich bei der Polizei im Hochtaunuskreis mit Aufklärungsquoten von 19 oder 23 Prozent so unzufrieden zeigt, ist übrigens Meckern auf hohem Niveau. Zwischen 1997 und 2006 lag die Quote noch zwischen bescheidenen 4,5 und 13,7 Prozent.

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