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Bildung in Oberursel: Wie der Oberstufen-Wunsch der IGS Schulen und Politik entzweit

Von Eigentlich hätte es kein großes Thema im Oberurseler Sozialausschuss sein sollen. Stattdessen löste eine möglicherweise kommende Oberstufe an der Integrierten Gesamtschule Stierstadt eine intensive Debatte aus.
Ist eine Profiloberstufe an der IGS sinnvoll oder nicht? Darüber wird derzeit diskutiert. Ist eine Profiloberstufe an der IGS sinnvoll oder nicht? Darüber wird derzeit diskutiert.
Oberursel. 

Über Schulpolitik lässt sich vortrefflich diskutieren bis streiten – in der Landespolitik, aber auch auf kommunaler Ebene. Das zeigte sich am Dienstagabend in der Sitzung des Sozial-, Bildungs- und Kulturausschusses. Wer dachte, dessen Mitglieder würden die Info des Magistrats, dass die Stadt die Einrichtung einer sogenannten Profiloberstufe an der Integrierten Gesamtschule Stierstadt (IGS) sowie deren Erweiterung auf bis zu acht Züge befürwortet, einfach so zur Kenntnis nehmen, der irrte. Aus Bedenken um die Zukunft der berufsbildenden Schulen wurde eine Grundsatzdiskussion über Bildungsgänge und Elternwille.

Aber der Reihe nach: Die beiden in Oberursel ansässigen Berufsschulen, die Hochtaunusschule und die Feldbergschule, lehnen die Einrichtung einer Oberstufe an der IGS ab, fürchten sie doch, salopp gesagt, dass ihnen Schüler abhanden kommen. Dr. Markus Büchele, kommissarischer Schulleiter der Hochtaunusschule, hat aus seinen Zahlen des laufenden Schuljahrs die Schüler rausgerechnet, die von der IGS gekommen sind: In der Stufe 11 sind es 18 von 110 Fachoberschülern und 5 von 46 im Beruflichen Gymnasium. Nicht nur, dass Büchele den Wegfall einer Klasse in der Fachoberschule befürchtet und die Existenz des Beruflichen Gymnasiums an seiner Schule bedroht sieht: Ohne die IGS-Schüler, so hat er ausgerechnet, würden ihm mit den jetzigen Schülerzahlen 69,3 Stunden und knapp drei Stellen verloren gehen. „Es ist unverantwortlich, die Schulen gegeneinander auszuspielen“, sagte Büchele zur TZ.

Auch sein Kollege von der Feldbergschule, Leiter Peter Selesnew, lehnt die IGS-Erweiterung ab. Eine, vielleicht zwei Klassen, würde die Feldbergschule im Beruflichen Gymnasium verlieren, meint er. Selesnew war als Zuhörer zur Ausschusssitzung gekommen und durfte dort seine Sicht der Dinge darstellen. Eine Erweiterung der Oberurseler Schullandschaft sieht er durch eine IGS-Oberstufe nicht.

„Kreis sieht keine Gefahr“

Ähnlich äußerte sich im Ausschuss Dr. Christoph Müllerleile (OBG), der dafür plädierte, das IGS-Projekt zurückzustellen und die berufsbildenden Schulen zu stärken. Unterstützung bekam Müllerleile von Wolfgang Burchard (SPD). Der frühere Lehrer an Hochtaunus- und Feldbergschule fürchtete gar, eine Schule würde geopfert. „Der Kreis sieht keine Gefahr für die berufsbildenden Schulen“, entgegnete Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne). Für die Stadt sei eine breite Schullandschaft positiv.

Klar ist: Der Konkurrenzkampf ist groß um Schüler, Stunden und Lehrer, um den Ruf und die Stellung der jeweiligen Schüler. Entsprechend viel wird dieser Tage diskutiert. Schulen suchen das Gespräch mit der Politik, schaffen Zahlen bei und stellen infrage. Büchele und Selesnew jedenfalls zweifeln daran, dass die IGS die für eine Oberstufe nötigen Schüler tatsächlich vorweisen kann.

Die IGS selbst ist weiter an einer guten Zusammenarbeit mit den Berufsschulen interessiert und will den Kontakt zu beiden suchen. Der stellvertretende Schulleiter Markus Herget zeigt sich optimistisch, dass trotz IGS-Oberstufe noch genügend Nachfrage nach den Bildungsgängen der Berufsschulen da wäre.

Eine Ansicht, die viele teilen, wird doch pro IGS auch mit den steigenden Bevölkerungszahlen argumentiert – und mit dem Ansturm aufs Gymnasium, das sich bekanntlich vor Schülern kaum retten kann. Auch dessen Leiter Volker Räuber plädiert für eine vielfältige Schullandschaft und befürwortet die IGS-Pläne, bekäme die Schule doch eine höhere Attraktivität. „Uns würde das in keiner Weise schaden, es ist eher noch hilfreich.“

Kann die IGS ihre Pläne wie gewünscht zum Schuljahr 2017/18 umsetzen, kann sie in der Sekundarstufe I von derzeit sechs auf acht Züge ausgeweitet werden. Also mehr Schüler aufnehmen, die dann auch noch bis zum Abitur bleiben könnten. Für viele Eltern ein wichtiges Kriterium. „Ich kann nicht begreifen, warum ein Wechsel in der Oberstufe was Schlechtes sein soll“, sagte hingegen Feldbergschulchef Selesnew. Befürworter der beruflichen Bildungsgänge werben, kurz gefasst, gern mit der Praxisnähe und damit, dass dort auch Schüler Chancen haben, die auf dem Gymnasium weniger gut mitkommen.

Allein, dessen war sich auch der Ausschuss bewusst: Am Ende zählt der Elternwille. Und käme die IGS-Oberstufe nicht, wäre wohl ein zweites Gymnasium die Alternative, sagte Kerstin Giger (CDU). Sie warb für eine Lösung, bei der auch die Erich-Kästner-Schule (EKS) nicht kaputtgehe – welche auch die Berufsschulen gern gestärkt sähen. Die EKS will noch keine Stellungnahme zu den Plänen abgeben, sagte Konrektor Jens Radzuwait.

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