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Hexensitzung in Oberstedten: Zeigt der Mann Bein, kreischt die Frau

Die Taunushalle in Oberstedten war am Freitagabend in Frauenhand. Doch auf der Bühne waren Männer durchaus willkommen, schließlich gaben sie alles.
Ein Traum in Pink: Nicht nur kleine Mädchen verkleiden sich gern als Prinzessin. Bilder > Foto: Yvonne Späne Ein Traum in Pink: Nicht nur kleine Mädchen verkleiden sich gern als Prinzessin.
Oberstedten. 

Man hört ja so einiges von Damensitzungen im Karneval. Von Alkohol bis zum Abwinken, Frauen-Gekreische beim Anblick nackter Männerbeine, Riesenstimmung und Schunkel-Marathons. Das mit dem Alkohol-Exzessen können wir streichen, wenn es um die Orscheler Hexensitzung in der Taunushalle geht. Alles andere stimmt. Ein Saal voller Frauen, die für fünf Stunden mal ausblenden, dass sie den Rest des Jahres Arbeitnehmerinnen, Ehefrauen, Mütter und noch tausend andere Dinge sind. Was spricht dagegen? Eben!

Leena Erwe und ihre Mädels kommen seit Jahren. „Weil’s einfach so viel Spaß macht“, erklärt sie schlicht. Die 19 Frauen haben auch diesmal wieder lange darüber nachgedacht, mit welchem Kostüm sie zum Jubiläum – 20 Jahre – der Hexen erscheinen sollen. Als Rappelwecker zogen sie viele Blicke auf sich. „Wir haben sogar eine WhatsApp-Gruppe gegründet, um uns miteinander auszutauschen“, verrät Leena Erwe.

„Oberhexe“ Birgit Zumbroich begrüßt die Damen im Saal, und schon geht’s los. Mit frenetischem Applaus wird die Maxi-Garde des CV Stierstadt auf der Bühne willkommen geheißen. Als „Candys“, also als Bonbons, wirbeln die Mädchen drauflos. Eine richtig tolle Show. Doch dann wagt es ein Mann, in die Nacht der Frauen zu platzen – Glück für ihn, dass er einen Wortbeitrag dabei hat.

Bewährungsprobe BH-Kauf

Thomas Poppitz vom BCV lässt alle teilhaben „an der Zeit, in der Eltern schwierig werden“. Gemeint ist natürlich die Pubertät. „Mein Mädchen, mein kleiner Sonnenschein, fällt schon morgens in den Farbtopf rein“, muss der geplagte Vater feststellen. Tja, wenn das mal alles wäre, aber auf den gestressten Daddy warten noch andere Bewährungsproben wie BH-Kauf mit Tochter oder das Betreten des Jugendzimmers ohne Atemschutz.

Elementarer Bestandteil einer Damensitzung und absoluter Stimmungsaufheller ohne Nebenwirkungen sind Männerballetts. Ganze fünf hat das Programm zu bieten. Der Name „Sixpack on Tour“ des Männerballetts aus Wernborn macht neugierig. Die acht Herren gehen auf Städtereise und nehmen alle Mädels im Saal gleich mit. Spätestens zum Titel „Moskau“ sind nicht nur die Jungs in Fahrt. Während auf der Bühne die Beine fliegen, springen die ersten Damen auf die Stühle und feuern die Herren der Schöpfung an. Wenn, ja wenn, die knackigen Männerwaden nicht in weißen Kniestrümpfen gesteckt hätten, die auch wirklich bis zum Knie hochgezogen wurden, wer weiß, ob sie nicht immer noch für die Orscheler Närrinnen tanzen müssten.

Gäbe es einen Pokal in der Kategorie „perfect imperfection“, die „Dalles Dreamboys“ aus Oberhöchstadt hätten ihn an diesem Abend abgeräumt. Nicht, dass das Playback sie einmal im Stich gelassen hat, nein es erschallt mindestens fünf Mal wie in Endlos-Schleife „Mr. Bombastic“. Macht es irgendwem was aus? Nicht wirklich. Sie können nicht nur Showtanz, sondern auch improvisieren. Und die Frauen im Saal helfen bereitwillig mit und singen den Song „I Like To Move It“, der eigentlich vom Band hätte laufen sollen, selbst. Aber auch die Daalbachnixen vom „Kappen Klub Kronberg“, die Bulltown Girls des CV Stierstadt und die Bachstelzen des CluGeHu sollen nicht unerwähnt bleiben.

Tanzendes Wartezimmer

Die Frohsinn-Brassband heizt nach der Pause noch mal so richtig ein. Besonders viel Applaus bekommen die „Swinging Mothers“ des CluGeHu für ihren Showtanz „Im Wartezimmer“. Als klapprige Omas kommen sie auf die Bühne geschlurft, aber wie heißt es so schön: Stille Wasser sind tief. Oder anders gesagt: Wer liest schon die Apotheken-Umschau, wenn er die neueste Ausgabe der „Dream Boys“ haben kann?

„It’s magic“ haben die Maxis vom BCV ihren Showtanz genannt, und sie haben wirklich Magie auf die Bühne gebracht. Tolle Kostüme, talentierte Tänzerinnen und eine peppige Choreographie – grandios. Übrigens, Orange ist keine Farbe, sondern eine Lebenseinstellung, findet jedenfalls Olga Orange alias Travestiekünstler Thomas Rau.

Ihr Auftritt ist gespickt mit Lebensweisheiten. Zum Beispiel, dass man es nicht leicht hat als fettes Schneewittchen im Kindertheater, wahre Schönheit zwar von innen kommt, aber nur hilfreich ist, wenn man einen Urologen datet und Hypnose tatsächlich was bringt, wenn man seinen Kuchen-Konsum einschränken will. Aber ist ein Leben ohne Kuchen sinnvoll? Das wäre ja wie Fastnacht ohne Damensitzung – und wer will das schon?

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