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„Eine Zeit, die ich nicht missen möchte“

So ein Jahr geht viel zu schnell vorüber – auch und gerade für ein Königsteiner Burgfräulein. Im Gespräch mit TZ-Redakteur Stefan Jung zog Königsteins scheidende Lieblichkeit Nora I. schon einmal Bilanz eines besonderen Jahres.
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Nora – Deine Vorgängerin Carolin hatte das Ende ihrer Amtszeit mit einem „Abschied aus einer anderen Welt“ verglichen. Teilst Du ihre Einschätzung, nun, da sich Deine Regierungszeit dem Ende nähert?

NORA: Ja, absolut. Der Vergleich passt gut. Es ist wirklich eine andere Welt, in die man eintaucht, wenn man erst einmal die Krone auf dem Kopf hat.

Was ist so anders an dieser Welt?

NORA (lacht): Einiges. Das beginnt bei Kleinigkeiten – wie zum Beispiel, dass man als Burgfräulein auf dem Burgfest nicht ohne Begleitung zur Toilette gehen darf – und reicht bis zu Majestäten, die bei ihrer Verabschiedung in Tränen aufgelöst sind, weil sie ihre Krone ablegen müssen.

Ist es leicht, sich in dieser Welt zurechtzufinden?

NORA: Nicht immer. Da lauern doch manchmal Fettnäpfchen an Stellen, wo man sie gar nicht erwartet hätte. Man braucht schon etwas Zeit, um sich da zu orientieren. Deshalb bin ich auch dankbar, dass mir in solchen Fällen Ursula Althaus-Byrne den einen oder anderen wirklich guten Tipp gegeben hat.

Du hast von den in Tränen aufgelösten Kolleginnen gesprochen – hast Du eine Erklärung dafür, wieso dieser Moment für manche Majestäten so emotional ist?

NORA: Für einige Majestäten ist so ein Amtsjahr doch ein sehr intensives Erlebnis. Das ist schon mehr als „Kleid an und Krönchen rauf“. Da gibt es Castings, bei denen es sich zu qualifizieren gilt, und ist das geschafft, stehen bis zu 100 Termine in einem Jahr an. Für uns Burgfräuleins sind es in der Regel dagegen gerade mal etwa halb so viele. Im Unterschied zum Königsteiner Burgfräulein, das fast immer seinen Hofstaat und damit seine Freunde um sich hat, sind die anderen Majestäten zudem sehr oft allein unterwegs. Das schweißt diese „Kolleginnen“ untereinander enger zusammen, es entstehen neue Freundschaften und daraus erwächst dann vermutlich auch ein größerer Abschiedsschmerz.

Wirst Du auch ein Tränchen verdrücken, wenn es an Deine Verabschiedung geht?

NORA: Ich weiß natürlich noch nicht, wie ich mich am Abend des Abschieds fühlen werde. Aber im Moment denke ich nicht, dass Tränen fließen werden. Ich sehe dafür auch keinen Grund. Die Freude darüber, dass ich es gemacht habe, dass ich Burgfräulein war und dabei viel Spaß hatte, überwiegt bei mir eindeutig. Es war eine gute Zeit, die ich auf keinen Fall missen möchte, und jetzt freue ich mich für meine Nachfolgerin Isabelle, dass sie dieselben Erfahrungen machen kann.

Auto-Scooter im Ornat

Apropos „Erfahrungen“ – wovon wirst Du noch Deinen Enkeln erzählen, wenn Du ihnen einmal von Deiner Zeit als Burgfräulein berichtest?

NORA (lacht): Vermutlich von diesen lustigen, skurrilen Dingen, die man so erlebt, wenn man als Burgfräulein unterwegs ist. Zum Beispiel das Tanken im vollen Ornat am Kreisel oder der Versuch, mit Kleid und Krone Auto-Scooter auf dem Bad Vilbeler Markt zu fahren. Eine Hand an der Krone, das Kleid zur Hälfte aus dem Wagen raushängend – das ist schon eine Herausforderung,

Das gilt wahrscheinlich auch für das Kleid ...

NORA: Das stimmt. Da können wir Burgfräuleins froh sein, dass wir Inga Ernst und die anderen Damen der Nähstube an unserer Seite haben, die immer mit Nadel und Faden parat stehen, wenn es dann doch mal ein Problem mit unseren Gewändern oder denen unseres Hofstaates gibt.

Ohne diese Unterstützung geht es nicht – oder?

NORA: Garantiert nicht. Ich bin wirklich dankbar, dass ich vom Start weg so viel Hilfe und Unterstützung erfahren habe. Wenn ich nur an den Einsatz von Gert Pfaff und Rüdiger Grölz beim Wagenbau für den Festzug denke – ich glaube, ohne deren Hilfe wäre ich wohl nur auf einem Traktor durch die Stadt gefahren (schmunzelt). Dann ist da mein Hofstaat – Alexandra, Helen, meine kleine Hofdame Aurelia und mein Junker Jonas – der ein großes Dankeschön verdient hat. Das war schon ein super Team. Und natürlich meine Eltern, die mich, wo sie nur konnten, unterstützt haben.

Kórnik leider verpasst

Gibt es etwas während Deiner Amtszeit, das Du bedauerst?

NORA: Ich wäre sehr gerne mit zum Fest der Weißen Dame in unsere Partnerstadt im polnischen Kórnik mitgefahren. Aber an diesem Wochenende fand gleichzeitig Europas größte Meisterschaft im Cheerleading statt, für die ich sehr viel trainiert hatte. Außerdem konnte ich mein Team von Eintracht Frankfurt nicht im Stich lassen.

Jetzt hättest Du in diesem Jahr wieder Zeit, das Burgfest in Zivil zu genießen, und dann fällt der Burgfestmontag aus. Was sagst Du zu der Entscheidung des Präsidiums?

NORA: Ich denke, eigentlich ist dazu alles gesagt. Die vom Präsidium vorgebrachten Kostengründe sind absolut nachvollziehbar. Letztlich geht es um den Fortbestand des Festes. Das muss über allem stehen. Natürlich ist es schade, dass der Burgfestmontag wegfällt. Aber dann müssen wir Königsteiner eben den Sonntagabend zu unserem Abend machen. Eigentlich sollte ja jeder Burgfesttag ein Tag der Königsteiner sein.

Abgesehen vom „eigenen“ Burgfest – Welche Termine hast Du am liebsten wahrgenommen?

NORA: Immer die in der eigenen Stadt und hier vor allem die mit Kindern. Es ist schon immer wieder etwas Besonderes, wenn man in die großen Augen blickt, die das Burgfräulein anschauen und bestaunen. Einen witzigen Auftritt hatte ich an Fassenacht in Kronberg. Meine gereimte Rede brachte mir so viel Zuspruch ein, dass ich sogar gefragt wurde, ob ich im nächsten Jahr eine richtige Büttenrede dort halten will. Mal sehen ...

Es waren sicher auch einige Termine dabei, die eine 18-Jährige „freiwillig“ nicht unbedingt besuchen würde. Wie stellt man sich darauf ein?

NORA: Indem man möglichst offen für alles ist. Ich bin in vielen Fällen sehr positiv überrascht worden. Gerade auch, was das Leben und die Veranstaltungen der Vereine in Königstein angeht. Obwohl ich hier aufgewachsen bin, habe ich die Stadt doch aus einer ganz neuen Perspektive kennen und noch etwas mehr schätzen gelernt.

Stadt hat was zu bieten

Inwiefern?

NORA: Ich bin zwar nach wie vor der Meinung, dass grundsätzlich zu wenig für junge Leute in Königstein angeboten wird. Allerdings gibt es doch viele Veranstaltungen in der Stadt, die durchaus auch für junge Leute interessant sind. Das habe ich bei meinen Terminen gemerkt und ich denke, die eine oder andere Veranstaltung werde ich auch besuchen, wenn ich mal nicht mehr die Krone trage.

Ein Beispiel?

NORA: Da gibt es einige. Aber bestimmt wird man mich auf dem Ritterturnier wieder sehen. Da war ich als Kind ein paar Mal und dann jetzt wieder als Burgfräulein. Ich kann nur sagen – das ist eine tolle Veranstaltung für Leute jeden Alters.

Wenn Du die Krone und den Mantel abgelegt hast, wie geht es dann weiter?

NORA: Langweilig wird mir sicher nicht. Da ist meine große Leidenschaft für das Cheerleading, die weiterhin viel Training erfordert, Reisepläne gibt es auch einige und dann muss ich ja auch mal meinen beruflichen Weg finden.

Wo soll der denn hinführen?

NORA: Wenn ich das wüsste. Ich befinde mich im Moment noch in der Findungsphase, studiere Deutsch in Frankfurt, könnte mir aber vorstellen, das zu ändern. Mein Problem ist, dass ich immer alles ausprobieren möchte und mich nicht gerne festlege (lacht). So gesehen, bin ich froh, dass ich Burgfräulein sein durfte, dass es mir Spaß gemacht hat und ich jetzt etwas Neues ausprobieren kann.

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