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Rundgang durch Flüchtlingsunterkunft: „Eine sehr gelungene Einrichtung“

Schritt für Schritt soll die neue Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen SEB-Schulungszentrum belegt werde. Gestern lud der Kreis zu einem Rundgang durch das Haus ein. Was dabei deutlich wurde: Eine Frage zum Thema Kosten ist noch nicht geklärt.
Kreis- und Kommunalpolitiker sahen sich gestern die Zimmer an, in denen die Flüchtlinge untergebracht werden. Bilder > Foto: Jochen Reichwein Kreis- und Kommunalpolitiker sahen sich gestern die Zimmer an, in denen die Flüchtlinge untergebracht werden.
Oberursel. 

Es ist das Erste, was ins Auge fällt: Ein orangefarbenes Pappschild, auf dem mit Hand geschrieben „Welcome“ steht. Jeder, der das ehemalige SEB-Schulungsgebäude an der Hohemarkstraße betritt, muss daran vorbei.

Willkommen sollen sich die Menschen fühlen, die im langgestreckten Gebäudekomplex untergebracht werden. 44 Flüchtlinge sind es seit dieser Woche, „vor allem Familien“, berichtet Sozialarbeiterin Maren Ampt vom Caritasverband Hochtaunus. Gemeinsam mit zwei Kollegen kümmert sie sich um die Asylsuchenden aus Afghanistan, Pakistan, Iran, Irak und Somalia.

Vorgesehen ist, 140 bis 150 Flüchtlinge in den beiden oberen Geschossen des Hauses unterzubringen (TZ berichtete). Rund 70 Zimmer jeweils mit Bad stehen dort zur Verfügung. Sie sind mit einem Stockbett ausgestattet. Die Einbauelemente (Nachttisch/Schrank) aus der Zeit des Schulungszentrums sind geblieben. Bei Bedarf wird ein Babybett in den Raum gestellt, auch ein Kühlschrank gehört zur Ausstattung. Gekocht wird in Gemeinschaftsküchen. Pro Stockwerk steht ein großer Raum mit sechs Herden und ebenso vielen Spülbecken zur Verfügung. Zudem gebe es auf jeder Etage zwei kleinere Küchen, erläutert Ampt.

Für vier Jahre gemietet

Wie berichtet, stand das 1984 errichtete Gebäude seit etwa zwei Jahren leer. Zuletzt hatte es die deutsche Tochtergesellschaft der Skandinaviska Enskilda Bank (SEB) als Schulungszentrum genutzt. Mittlerweile gehören Haus und Gelände dem Bauunternehmer Dietmar Bücher, der mittelfristig eine Bebauung mit Mehrfamilienhäusern (Eigentumswohnungen) dort plant. Von ihm hat der Kreis das Haus auch gemietet. Der Vertrag läuft über vier Jahre.

Die Kosten für die Anmietung muss der Kreis aus dem Pauschalbetrag, den er vom Land für die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen erhält (940 Euro pro Person und Monat), finanzieren. Reicht das nicht aus, übernimmt er die Differenz.

Wie berichtet, soll das Erdgeschoss in einem zweiten Schritt umgebaut werden, damit dort weitere 60 Flüchtlinge untergebracht werden können. Die Kosten für diese Arbeiten übernimmt ebenfalls der Kreis. Was insgesamt in den Umbau des Hauses investiert werden muss, diese Frage kann Kreisbeigeordnete Katrin Hechler (SPD) gestern ad hoc nicht beantworten. Sie spricht beim Rundgang von einer „sehr gelungenen Einrichtung“. „Das ist hier eine rundum positive Geschichte“, meint auch Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD). Das Haus habe einen sehr, sehr guten Standard.

„Es wäre eine Schande gewesen, wenn dieses Gebäude weiter leer gestanden hätte“, sagt Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne), der wie einige Mitglieder der Oberurseler Stadtverordnetenversammlung und des Kreistags am Freitagnachmittag die Gelegenheit nutzt, sich in der Unterkunft umzusehen. Wobei Caritas und Kreis die Privatsphäre der Flüchtlinge schützen – die Besucher dürfen also nur in den Teil des Hauses, in dem noch keine Zimmer belegt sind.

Auf dem Weg dorthin hält Isa Berisa den Gästen die Tür auf. Er ist Hausmeister im Gebäude und kam einst selbst als Flüchtling nach Deutschland. Mit Hilfe des Internationalen Vereins Windrose war es 2015 gelungen, dass Berisa und seine Familie Aufenthaltsrecht in Deutschland bekommen (TZ berichtete).

Hilfe bei Anträgen, Amtsgängen und Ähnlichem erhalten die Flüchtlinge in der neuen Unterkunft von den Mitarbeitern der Caritas, die Montag bis Freitag im Gebäude sind. „Zur Not verständigen wir uns mit Händen und Füßen“, sagt Bernd Fehrenbach. Aber bei wichtigen Sachen seien immer Dolmetscher dabei. „Das Erste, nach dem die Menschen fragen, sind Deutschkurse und Plätze in Kindergärten und Schulen“, berichtet seine Kollegin Maren Ampt. Die Hälfte der Flüchtlinge, die derzeit im Haus lebten, seien Kinder und Jugendliche.

Noch nicht geklärt ist laut Brum, ob die Stadt einen Teil der Kosten für die sozialpädagogische Betreuung, die von der Caritas geleistet wird, übernehmen muss. Dazu werde es Vorgaben des Landes geben, so der Rathauschef.

Unterstützung erhalten Ampt und ihre Kollegen von ehrenamtlichen Helfern. Deutschunterricht, ein Handarbeitskreis und noch einiges mehr seien geplant, sagt Gabriela Wölki, Koordinatorin des Netzwerks Flüchtlingshilfe. Wer sich engagieren möchte, erhält beim Netzwerk Bürgerengagement Oberursel weitere Infos, Rufnummer (0 61 71) 5 02-1 80. „Helfer werden immer gebraucht“, so Wölki.

Kommenden Montag soll die nächste Gruppe Flüchtlinge ankommen. Auch sie werden als erstes „Welcome“ lesen, wenn sie das alte SEB-Gebäude betreten.

(mj)
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