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FKK-Stammgäste bemängeln Missstände: Ärger im Nacktbade-Paradies am Langener Waldsee

Von Spanner, die mit Smartphones ungeniert nackte Frauen filmen. Halbstarke, die mit pubertärem Gehabe andere Besucher provozieren. Angezogene Badegäste, die am Kiosk für den Nacktbadebereich anstehen, um schneller bedient zu werden. Diese mutmaßlichen Missstände haben den nackten Zorn einer Gruppe von Nudisten am Langener Waldsee auf sich gezogen. Sie schlagen Alarm – doch die Stadt hält den Ball flach.
Arthur Kirstein vor dem Eingang zum FKK-Bereich. Viele Besucher ignorierten das Fotografierverbot, sagt er. Arthur Kirstein vor dem Eingang zum FKK-Bereich. Viele Besucher ignorierten das Fotografierverbot, sagt er.
Langen. 

Im Wasser treibt ein Mann tief entspannt auf seiner Luftmatratze, weiter hinten zieht eine Entenfamilie ihre Bahnen. Der Wind pustet von irgendwoher schläfrige Reggae-Rhythmen aus einem Radio herüber, und selbst die Kiesbagger am gegenüberliegenden Seeufer scheinen nur in Zeitlupe zu schaufeln. Alles könnte so schön sein hier im Badeparadies am Waldsee an einem sonnensatten Nachmittag bei 30 Grad im Schatten. Doch die Idylle trügt. Das sagen jedenfalls Arthur Kirstein und seine Freunde.

Ausgerechnet diese Gruppe eingefleischter FKK-Freunde, für welche die Nacktbadewiese am „hessischen Mittelmeer“ seit Jahren ein zweites Zuhause geworden ist, die fast jede Stunde ihrer Freizeit hier verbringt, um der Freikörperkultur zu frönen, sieht sich in ihrem Bedürfnis nach Entspannung empfindlich gestört.

„So schlimm wie noch nie“

Arthur Kirstein war schon als Teenager Anfang der 1970er Jahre dem Reiz des Nacktbadens am Waldsee verfallen, hat seither viel erlebt und glaubt, dass „mittlerweile die Vorfälle extreme Ausmaße angenommen haben“. Konkret bemängelt er zum einen, dass angezogene Gäste aus dem Textil-Bereich am Kiosk der FKK-Zone bedient würden. Und er moniert die „täglichen Besichtigungstouren angezogener Badegäste durch den FKK-Bereich“. In beiden Fällen, sagt Kirstein, erwarte er, dass die Einhaltung der Badeordnung stärker kontrolliert werden müsse.

Er habe selber wiederholt die schwarzen Schafe auf ihre Verstöße hingewiesen, „obwohl das ja nicht Aufgabe der Badegäste sein kann. Und dafür wurde ich auch noch unflätig beschimpft“. Bereits vor zwei Jahren habe er die gehäuften Regelverstöße angemahnt, „aber so schlimm war es noch nie“. Damals habe es irgendwann regelmäßige Lautsprecherdurchsagen gegeben, die darauf hinwiesen, dass Bekleidete nicht in den FKK-Bereich dürfen – die wünscht er sich zurück.

Nacktbadefreundin Anke schildert das pubertär anmutende Verhalten einiger Halbstarke, die immer wieder versuchten, die FKK-Freunde zu provozieren: „Die schwimmen über die Linie drüber, ziehen ihre Hosen im Wasser aus, halten die dann in der Hand.“ Dabei prahlten sie mit der Länge ihrer Geschlechtsteile, kämen mit dann wieder angezogener Hose in den FKK-Bereich an Land und „provozieren dort so lange, bis man auf sie eingeht“. Normalerweise begegneten die Nudisten derlei unreifem Gebaren mit Spott und Humor, berichtet Anke. „Aber irgendwann nervt das halt auch mal.“

Backpfeife für Spanner

Kürzlich eskalierte eine Situation, wie Nudist Peter erzählt: Ein bekleideter Badegast habe auf dem Areal für die Nacktbader die Freundin eines Mannes „so lange angeglotzt, bis der ihm eine schallerte“. Der dreiste Voyeur habe daraufhin das Weite gesucht.

„Die zwei bis drei für das Waldseebad zuständigen Bademeister machen regelmäßig Kontrollgänge und haben immer ein offenes Ohr für die Nöte der Badegäste“, erklärt Sabine Dexheimer, Pressesprecherin der Stadt Langen, von dieser Zeitung auf die Beschwerden der FKK-Freunde angesprochen. „Wenn sich jemand belästigt oder beobachtet fühlt“, appelliert sie, „sollte er sofort den Schwimmmeistern Bescheid geben.“

Denn immer wieder wendeten sich Badegäste erst abends an die Aufpasser, um von Vorfällen zu berichten, die bereits Stunden zurücklägen – zu spät. Fälle von Spannern oder Provokateuren hätten sich nach Auskunft der Bademeister in jüngerer Zeit allerdings nicht gehäuft. „Wohl auch, weil die Menschen für das Thema sensibilisierter sind als noch vor Jahren.“

Zu den Ausflügen angezogener Badegäste auf das Nacktbade-Territorium sagt Sabine Dexheimer: „Natürlich kann sich kein Schwimmmeister an die Schleuse stellen, um das zu kontrollieren.“ Zumal sie, wie sie ergänzt, ja auch die Sicherheit im Badebetrieb gewährleisten müssen. Und die gehe klar vor.

Für die Kioskangestellten wiederum sei es unmöglich, bei dem Besucherandrang zu erkennen, wer aus dem Textilbereich herüberkomme. „Zumal selbst die FKK-Freunde aus Hygienegründen oft etwas anhaben“, so Dexheimer.

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