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Musiker verarbeitet traumatisches Erlebnis auf seinem neuen Album: Mark Protze im Interview: Schicksalsschlag als Inspiration

Er war beim Supertalent, tritt regelmäßig live auf und hat jetzt ein neues Album herausgebracht: Der Neu-Isenburger Musiker Mark Protze hat darauf einen schweren Schicksalsschlag verarbeitet. Reporter Christian Weihrauch hat mit ihm darüber gesprochen.
Mark Protze live in Aktion: Der Neu-Isenburger Musiker hat auf seinem neuen Album  einen Schicksalsschlag verarbeitet. Mark Protze live in Aktion: Der Neu-Isenburger Musiker hat auf seinem neuen Album einen Schicksalsschlag verarbeitet.
Neu-Isenburg. 

Mark Protze ist Musiker aus Leidenschaft. Es ist seine Berufung, für ihn kommt kein anderer Job in Frage. Deshalb war es umso schlimmer für ihn, als seiner Karriere wegen eines Schicksalsschlags das Aus drohte. Im Interview erzählt er von der schweren Zeit und wie er diese auf seinem neuen Album verarbeitet hat.

Sie haben ein neues Album herausgebracht. Wie kam es zustande, Herr Protze?

MARK PROTZE: Die Herangehensweise war dieses Mal etwas anders als bei den anderen Alben. An ihnen habe ich permanent ein halbes Jahr lang gearbeitet. Bei der neuen CD war es so, dass ich immer nebenbei etwas aufgenommen habe. Wenn Ideen kamen, dann waren die Songs auch relativ fix fertig. Ich habe dieses Mal alles alleine gemacht und nach und nach die Tracks gemixt.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

PROTZE: Es gibt im Endeffekt 10 000 Wege, einen Song zu schreiben. Es gibt nicht einen richtigen Weg. Ich verarbeite den Alltag in meinen Kompositionen. Ich hole mir meine Inspiration zum Beispiel im Wald. Wenn ich irgendwo spazieren gehe, wo es wirklich ruhig ist, kann ich einen klaren Gedanken fassen.

Welche alltäglichen Erlebnisse haben Sie zu Liedern auf Ihrem neuen Album „Phönix from the Ashes“ inspiriert?

PROTZE: Der Song „The Warrior“ spiegelt zum Beispiel unsere aktuelle Weltsituation wieder. Dass es so aussieht, als könnte es bald einen großen Knall geben, weil einige da draußen durchdrehen. Der Titeltrack „Phönix from the Ashes“ ist nach den Vorfällen auf dem Wäldchestag entstanden.

Das neue Album von Mark Protze

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Drei Männer haben Sie dort angegriffen und zusammengeschlagen. Sie hatten eine Hirnblutung.

PROTZE: Genau. Ich war drei Wochen aus dem Verkehr gezogen, wusste nicht, wie es weitergeht. Ich wusste nicht einmal, ob ich wieder Gitarre spielen konnte, weil meine Hand so schwer verletzt war. Es gab eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Kopf in den Sand stecken oder kämpfen. Ich habe weitergemacht, den Titeltrack des neuen Albums komponiert und mit dem Keyboard eingespielt. Darin habe ich die Erlebnisse verarbeitet. Jeder hat dafür seinen eigenen Weg. Der eine muss zum Psychiater, ich habe eben meine Musik. Ich sehe ein Lied auch als Visitenkarte. Das bleibt einem für immer, das kann einem niemand mehr nehmen.

Wie empfinden Sie heute den Vorfall?

PROTZE: Für mich war auch die Tatsache schlimm, dass Leute jemand zusammenschlagen und -treten, sich dann aus dem Staub machen und am nächsten Tag ohne Probleme in den Spiegel schauen können. Sie nehmen in Kauf, dass sie jemandes Existenz, Karriere oder Leben kaputtgemacht haben. Ich kann nicht verstehen, dass so eine Aggression und Respektlosigkeit vorhanden ist.

Die Täter, die Sie angegriffen haben, sind noch immer auf der Flucht.

PROTZE: Die Polizei hat sie nicht bekommen. Es war dunkel, sie sind sofort abgehauen. Bis die Polizei da war, waren sie schon über alle Berge. Auf das Täterprofil passen 300 bis 500 Leute. Es ist fast unmöglich, dass sie die Täter finden. Sie werden sich ja nicht selbst stellen. Die Täter wissen, dass sie so schnell nicht zu finden sind und ich denke, sie werden es wieder machen.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie gehört haben, dass Sie vielleicht nie wieder Gitarre spielen können? Haben Sie sich schon Alternativen überlegt?

PROTZE: Alternativen? Alternativen gibt es für mich keine. Ich wollte schon mein Leben lang Musik machen. Das mache ich seit 1990, ich wollte nie etwas anderes machen. Ich hatte natürlich schon Panik, ob ich je wieder Gitarre spielen könnte, bin aber davon ausgegangen, dass es wieder klappt.

Können Sie alleine vom CD-Verkauf leben? Wie schwer oder leicht ist es heutzutage, als Musiker zu überleben?

PROTZE: Nur von CD-Verkäufen zu überleben, ist in der heutigen Zeit fast unmöglich geworden. Man muss es so sehen: Wenn eine Band bei Spotify beispielsweise 30 bis 32 Millionen Mal angeklickt wird, bekommt sie dafür realistisch gesehen 2000 bis 2500 Euro. Davon kann keiner leben. Deshalb komponiere ich noch Videomusik. Es gibt viele Menschen, die bei Youtube etwas hochladen wollen, aber keine gemafreie Musik haben. Das ist eine Marktnische. Entweder komponiere ich für die Leute eigene Lieder, die sie gemafrei nutzen können, oder Jingles.

Sie treten aber auch auf?

PROTZE: Genau, Cover-Musik läuft ziemlich gut, vor allem 80er Jahre. Ich spiele in einer Band, die „Bon Jovi“, „Europe“ und viele andere covert. Im Sommer sind wir immer auf zahlreichen Stadtfesten zu Gast. Ansonsten habe ich noch ein Duo mit einer Sängerin. Ein weiteres Standbein ist Unterrichten. Ich kenne eigentlich niemanden, mit dem ich studiert habe, der keinen Unterricht gibt. Man braucht als Musiker vier bis fünf Standbeine in der heutigen Zeit.

Welche Projekte stehen bei Ihnen noch an?

PROTZE: Meine Vision ist, meine Lieder, die sehr orchestral sind, mit einem großen Orchester aufzuführen. Aber das sprengt den finanziellen Rahmen. Ein komplettes Orchester zu bezahlen, ist fast unmöglich.

Sie waren 2016 beim Supertalent. Hat Ihnen der Auftritt einen Schub verpasst?

PROTZE: Das war für mich kostenlose Werbung. Ich konnte meinen Bekanntheitsgrad dadurch enorm steigern. Mir war es nicht bekannt, dass jemand etwas rockiges klassisches aufführt – ich habe Vivaldi auf einer E-Gitarre rockig gespielt. Ich bin aus Spaß hingegangen und dann auch gleich weitergekommen. Hinter den Kulissen sind schon ein paar Sachen gelaufen, dazu darf ich aber nichts sagen, weil ich entsprechende Verträge unterschrieben habe.

Wie haben Sie gemerkt, dass sich Ihr Bekanntheitsgrad durch die Sendung gesteigert hat? Haben Sie mehr CDs verkauft? Wurden Sie öfter engagiert?

PROTZE: Ich wurde von vielen Menschen, die es gesehen haben, darauf angesprochen. In der Schule ging es wie ein Lauffeuer herum. Die Schüler haben jeden Samstag vorm Fernseher gesessen und geschaut, ob ich zu sehen bin, oder nicht. Aber dass ich dadurch mehr CDs verkauft habe, das war eher nicht der Fall. Es war aber eine gute Plattform, um Aufträge zu bekommen – seien es Auftritte oder auch Studioaufträge.

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