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Klaus Sperling hilft Tieren in Not: Operation gelungen, Patient gerettet

Von Nicht selten bekommt Tierarzt Klaus Sperling echte Notfälle auf den OP-Tisch. Dieses Mal war es ein angeschossener Graureiher.
Das Gröbste ist überstanden: Zusammen mit seiner Frau Karin kümmert sich    Klaus Sperling um den verletzten und frisch operierten Graureiher.	Fotos:  Postl Das Gröbste ist überstanden: Zusammen mit seiner Frau Karin kümmert sich Klaus Sperling um den verletzten und frisch operierten Graureiher. Fotos: Postl
Langen/Egelsbach. 
Die Röntgenaufnahme zeigt, wie das Bleigeschoss in der Mitte den Flügelknochen des Vogels zerschmettert hat. Bild-Zoom
Die Röntgenaufnahme zeigt, wie das Bleigeschoss in der Mitte den Flügelknochen des Vogels zerschmettert hat.

Fast eine Stunde lang hat Klaus Sperling operiert und wischt sich nun den Schweiß von der Stirn. „Die Operation ist geglückt, jetzt liegt es an ihm, ob er weiterleben will“, sagt der Egelsbacher Tierarzt und zeigt auf seinen besonderen Patienten – es ist ein Graureiher. Wichtig ist, ob das schwer verletzte Tier, nachdem es aus der Narkose erwacht ist, auch das ihm vorgesetzte Fressen annimmt. Denn anstatt leckerer Frösche, Mäuse oder frischen Fischs gibt es nur aufgetaute Küken. Dass Fische ganz oben auf seiner Speisekarte stehen, wurde dem Vogel zum Verhängnis – eine Luftgewehrkugel hat ihn vom Himmel geholt.

Graureiher sind neben den wesentlich selteneren Störchen die größten Vögel in heimischen Gefilden. Solange sie in freier Natur an Gewässern oder auf den Wiesen stehen und mit unendlicher Geduld auf Beute warten, werden sie bewundert. Landet ein Graureiher aber an einem Gartenteich, der für ihn ebenfalls ein natürliches Gewässer darstellt, so wird aus der Freundschaft schnell Feindschaft – und es wird nicht immer so gehandelt, wie es möglich wäre. Anstatt etwa Drähte mit flatternden Fähnchen zu spannen, die dem Vogel mit recht großer Spannweite signalisieren, dass er hier nicht landen kann, greift so mancher Teichbesitzer zu unerlaubten Mitteln.

 

Feuerwehr im Einsatz

 

Jüngst ging bei Klaus Sperling wieder ein Hilferuf aus Langen ein, dass ein verletzter Graureiher im Garten sitze. Der Anrufer aus der Walter-Rietig-Straße hatte zuvor den Tierschutzverein Langen kontaktiert und war von diesem an den Egelsbacher Tierarzt verwiesen worden. Sperling riet dem Anrufer, die Feuerwehr zu verständigen, damit diese den Vogel einfange und dann zu ihm bringen möge.

„Ein am Flügel verletzter Reiher saust beim Versuch, ihn zu fangen, wie wild durch den Garten und verletzt sich möglicherweise noch mehr“, erklärt der Tierarzt. Ratsam sei es aber auch, sich vor dem spitzen Schnabel zu schützen. „Wenn man den Graureiher gefangen hat, ist es ganz wichtig, sofort den Schnabel zuzuhalten und einen Gummischlauch über dessen Spitze zu stülpen“, beschreibt Sperling das ideale Vorgehen. Die Freiwillige Feuer Langen brachte ihm das verletzte Tier zwar wohl verpackt, doch ohne Schnabelschutz.

„Mir fiel die Verletzung des Flügels sofort auf, doch um zu sehen, wie ich diesen wieder herstellen kann, musste ich das Tier röntgen“, erklärt Klaus Sperling. Umso überraschter war der Tierarzt, als er auf dem Röntgenbild ein Bleigeschoss entdeckte, das den Flügelknochen des Reihers zerschmettert hatte. Einen solchen Fall gab es vor zwei Jahren schon einmal – ebenfalls in Langen. „Mit so einer schweren Verletzung kann der Reiher nicht mehr weit fliegen“, konstatiert der Tierarzt. Entweder, er wurde kurz vor dem umzäunten Grundstück abgeschossen, oder der Reiher wurde beim Ansitzen am Teich angeschossen und dann über den Zaun geworfen – so die beiden möglichen Szenarien, wie der Reiher in den Garten des Finders gelangt sein könnte.

 

Mit Nagel stabilisiert

 

Anhand eines Flügelskeletts erklärt der Egelsbacher Tierarzt sein Vorgehen. „Ich werde das Retrograd-Verfahren anwenden“, so Sperling. Hierbei führt er über die Bruchstelle einen langen Stahlnagel in den hohlen Flügelknochen ein und durchbohrt diesen am Ende des Gelenkes, so dass er rund fünf Zentimeter herauskommt. So wird der Knochen an der Bruchstelle zusammengeführt und stabilisiert. Zwei bis drei Monate dauert es, bis der Knochen wieder zusammengewachsen ist. Danach muss der Vogel wieder Fliegen lernen.

Bis dahin wird er aber noch eine schwere Zeit durchmachen. „Entscheidend wird sein, ob der Reiher das Fressen annimmt“ betont der Tierarzt. Ganz wichtig war aber auch, dass es Klaus Sperling gelungen ist, das Bleigeschoss aus dem Körper des Tieres zu entfernen, sonst wäre der Reiher an einer schleichenden Bleivergiftung elend eingegangen. „Solches Leid fügen Menschen – völlig unnötig – den Tieren zu“, verurteilt der Veterinär ein solches Vorgehen.

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