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Aluminium-Müll: Aus Kaffeekapseln wird Kunst

Von Ulrike Heinemann und Werner Vahle produzieren keinen Müll. Im Gegenteil. Ihre Kunstwerke waren einmal Abfall. Daraus werden die schönsten Lampenschirme – zum Beispiel.
Ulrike Heinemann und Werner Vahle mit einem halb fertigen Lampenschirm: Das Stützgerüst ist eine Fahrradfelge, die dekorative Hülle besteht aus Kaffeekapseln. Foto: Petra Hackert Ulrike Heinemann und Werner Vahle mit einem halb fertigen Lampenschirm: Das Stützgerüst ist eine Fahrradfelge, die dekorative Hülle besteht aus Kaffeekapseln.
Dauborn. 

Vor der Haustür steht eine Vase mit frischen Blumen. Sie wirkt von weitem wie eine Tiffany-Arbeit. An der Tür ein Frühlingskranz. Blumen aus Metall zieren das Holzgebinde. Frappierend: Sie sind aus dem gleichen Material wie die Verzierung der Vase. Das waren einmal Kaffeekapseln.

„Was machst Du denn da?“ – „Ich mache Kapseln fertig.“ Dieser kurze Dialog ist jetzt anderthalb Jahre her. Ulrike Heinemann war gerade dabei, etwas plattzudrücken. Eine leere Kaffeekapsel, um genau zu sein. Ihr Lebensgefährte Werner Vahle wusste damals nichts damit anzufangen – noch nicht. Das hat sich erheblich geändert. Die beiden Dauborner sind mittlerweile gemeinsam in Produktion gegangen. Freunde, Bekannte, jeder, der es weiß, sammelt mit. Im Keller türmen sich 10 000 Kapseln. Die Behältnisse sind schon gereinigt, getrocknet, nach Farben sortiert und beschriftet in Kartons aufgehoben. Sie werden gebraucht, denn Ulrike Heinemann und Werner Vahle machen daraus etwas ganz Besonderes.

Fast schon professionell

Seit sieben Jahren hat die Chemielaborantin dieses Hobby. Ihr Lebensgefährte, der hauptberuflich im Wachdienst beschäftigt ist, teilt es jetzt. Mehr noch: Beide gehen es so intensiv an, dass man fast schon von professionellem Arbeiten sprechen könnte. „Nein, das bleibt unser Hobby“, sagen beide. Und: „Ich liebe meinen Beruf“, ergänzt die Chemielaborantin mit einem fröhlichen Lachen.

Kaffeekapseln aus Aluminium sind ökologisch umstritten. Bei Ulrike und Werner landen sie jedoch nicht im Müll. Bild-Zoom Foto: Petra Hackert
Kaffeekapseln aus Aluminium sind ökologisch umstritten. Bei Ulrike und Werner landen sie jedoch nicht im Müll.

Genau das ist es: Sie hat eine besondere Ausstrahlung, wenn sie von ihrem Beruf und ihrem Hobby erzählt. Vielleicht war Werner Vahle deshalb so schnell mit im Boot. Mittlerweile macht er sich intensiv Gedanken und trägt dazu bei, dass aus alten Kapseln etwas Neues, Schönes entsteht: kleine Engel für den Weihnachtsbaum, Schmuck oder Deko-Cupcakes, die täuschend echt aussehen – sie sind die neueste Kreation des Paares.

Tipps aus dem Internet

Doch das Größte hängt an der Decke. Die beiden fertigen nämlich auch Lampenschirme. Da hat sich Werner Vahle gleich richtig mit eingebracht. Uli Heinemann erzählt: Ursprünglich hatte sie selbst einmal die Kapseln, die übrigbleiben, sobald eine Tasse Kaffee gemacht ist, gesammelt und einer Bekannten weitergegeben. Die Daubornerin machte daraus Schmuck. Irgendwann beschloss sie, das auch einmal auszuprobieren. So fing sie an zu basteln. Sieben Jahre ist das nun her. In Internetforen tauschte sie mit anderen Kaffeekapsel-Bastlern Anregungen aus. Viele von ihnen sitzen in der Schweiz, erzählt Heinemann. Dort gebe es hervorragendes Bastelmaterial, das sie ebenfalls gerne verwertet. Wer etwas Besonderes suche, müsse manchmal weite Wege zurücklegen.

Uli und Werner sind ein Team, das sich perfekt ergänzt. Das wird besonders bei den Lampenschirmen deutlich. „Mein erster war krumm und bucklig“, erzählt die 50-Jährige. Dann steuerte ihr Lebensgefährte die zündende Idee bei: Warum nicht Fahrradfelgen als stützendes Gerüst verwenden? Gesagt, getan: Das Paar kauft nun Restbestände an Felgen in Fahrradgeschäften – nicht in Riesenmengen, aber genug, um fleißig basteln zu können. Denn ihr Hobby hat sich mittlerweile herumgesprochen. Vor Weihnachten gab es einen richtigen Lampen-Hype in ihrem Freundeskreis, erzählen sie. Jeder wollte eine haben. Die Produktion rollte und rollte . . .

Ein hübsches Gefäß für einen Frühlingsstrauß: Auch attraktive Blumenvasen – kunterbunt oder wie hier im Bild Ton in Ton – entstehen in der Bastelwerkstatt des Dauborner Paares. Bild-Zoom Foto: Petra Hackert
Ein hübsches Gefäß für einen Frühlingsstrauß: Auch attraktive Blumenvasen – kunterbunt oder wie hier im Bild Ton in Ton – entstehen in der Bastelwerkstatt des Dauborner Paares.

Werner Vahle zeigt, wie‘s geht: 43 Zentimeter Durchmesser hat das Fahrradgestänge, das er gerade in der Hand hält. Er braucht nicht alles. Die Speichen müssen noch raus, die Felge ist wichtig. In dieses Rund werden die plattgedrückten, miteinander verbundenen Kaffeekapseln wie ein Mantel gelegt. Diese Lampe soll kunterbunt werden. „Meine Lieblingsfarbe“, sagt der 52-Jährige. Bei den Kunden – denn die beiden haben mittlerweile viel auf Bestellung gearbeitet – kamen die bunten Lampenschirme ebenfalls besonders gut an.

Uli Heinemann liebt Rosé und Mauve-Töne, wie auch in der Wohnung gut zu sehen. Alles passt zusammen. „Das ist das Schöne daran. Die Kapseln gibt es in allen Farben, so dass wir die Lampen genauso machen können, wie wir sie brauchen.“ Dabei entstehen gerade im Dunkeln faszinierende Effekte: Mit wenig Licht erleuchtet, schimmern die Farben noch leicht durch. Wenn es ganz dunkel ist, sehen die kleinen Lichtstreifen aus wie Sterne, die über die Decke und den Boden streifen.

Kapsel-Deko im Café

Mittlerweile sind die Lampen der Dauborner sogar in einigen Cafés zu finden – und in einem Restaurant. Ihre Deko ebenfalls. „Ich hätte mich das gar nicht getraut“, sagt Uli Heinemann. Aber Werner Vahle hat einfach einmal gefragt, Fotos gezeigt, und schon war das Interesse an den Basteleien geweckt. Im weiten Umkreis sind so immer wieder kleine Kunstwerke der beiden zu sehen – je nachdem, welches Café man gerade besucht.

Könnte das Basteln doch einmal eine Hauptbeschäftigung werden? „Nein. Ich liebe meinen Beruf“, sagt Uli Heinemann noch einmal. Und ihr Hobby, das sie und ihr Lebensgefährte bei schönem Wetter auch draußen im Garten ausüben können. Die Kaffeereste landen im Blumenbeet. Das Wasser, mit dem die Kapseln ausgespült wurden, ebenfalls.

Weil das Hobby inzwischen so aufwendig geworden ist, hat das Paar übrigens ein Kleingewerbe angemeldet. Derzeit verhandelt es mit der Abfallwirtschaftsgesellschaft (ABW) wegen der Müllgebühren. Die geht nämlich davon aus, dass bei einem Gewerbe Müll anfällt, der abgerechnet werden muss. „Aber wir machen doch weniger Müll“, sagt Uli Heinemann. Sie hat die ABW angeschrieben und wartet noch auf Antwort. Schließlich ist hier der Müll der Rohstoff – Upcycling heißt das Zauberwort.

Kontakt

Wer sich für die Kaffeekapsel-Objekte von Ulrike Heinemann und Werner Vahle interessiert, findet Informationen im Internet unter capsuladesign.de.

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