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Landwirtschaft: Bernd Schäfer vom Kreisbauernverband verteidigt den Einsatz von Glyphosat

An vielen Stellen wird über ein Glyphosat-Verbot nachgedacht. In der Landwirtschaft ist das kein Thema. Katja Mielcarek wollte von Bernd Schäfer, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisbauernverband, wissen, was das Mittel so wichtig macht.
Bernd Schäfer, stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauern-verbandes Foto: Julian Stratenschulte (dpa) Bernd Schäfer, stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauern-verbandes
Limburg-Weilburg. 

Auf kommunalen Flächen ist der Einsatz von Glyphosat in Hessen verboten. In der Landwirtschaft, wo es um Nahrungsmittel geht, ist es erlaubt. Können Sie verstehen, wenn das einigen nicht logisch erscheint?

Bernd Schäfer: Auf den ersten Blick mag das vielleicht so sein. Aber wer sich ein bisschen auskennt, weiß, dass es um völlig verschiedene Voraussetzungen geht. Auf kommunaler Ebene geht es vor allem um Bereiche wie Kopfsteinpflaster oder andere versiegelte Bereiche. Von dort wird das glyphosathaltige Mittel vom Regen abgeschwemmt und gelangt in die Kanalisation – und theoretisch auch ins Trinkwasser. Landwirtschaftliche Böden mit ihren verschiedenen Schichten dagegen haben eine ganz intensive Filterwirkung. Sie enthalten auch Mineralien, die das Glyphosat abbauen, so dass nichts davon im Trinkwasser landet.

Wäre es Ihnen lieber, wenn es ein Mittel gäbe, das die Vorteile von Glyphosat hätte, aber weniger Nachteile?

Schäfer: Es gibt ja andere Mittel, aber deren Nebenwirkungen sind ungleich stärker. Wenn man die Fachliteratur verfolgt, weiß man, dass es nur wenige Studien gibt, die schwerwiegende Folgen durch Glyphosat in den Raum stellen, und wesentlich mehr, die keine Gefahr sehen, so die von ECHA und EFSA, die Glyphosat als nicht krebserregend einstufen. Vor wenigen Monaten wusste kaum jemand, wie man das Wort Glyphosat schreibt, heute fühlt sich jeder als halber Fachmann und spricht über die Nebenwirkungen.

Was sind denn aus landwirtschaftlicher Sicht die Vorteile von Glyphosat?

Schäfer: Es ist relativ günstig und hochwirksam, da es die ganze Pflanze angreift. Das ist wichtig bei Unkräutern, die sich über die Wurzeln vermehren. Wenn wir die umpflügen, was ja eine Alternative zum Einsatz von Glyphosat wäre, sorgen wir für eine noch stärkere Vermehrung. Wir dürfen glyphosathaltige Mittel nur in einer relativ kurzen Periode außerhalb der Wachstums- und Erntezeit anwenden. Alles andere machte aber auch keinen Sinn, denn Glyphosat unterscheidet nicht zwischen Unkraut und Nutzpflanzen. Grundsätzlich wollen wir die pfluglose Bewirtschaftung, mit ihren Vorteilen erhalten und hierfür ist der Einsatz von Glyphosat manchmal notwendig. Wenn ein deutschlandweites- oder EU-weites Glyphosatverbot kommen sollte, müsste auch ein Importverbot für Lebens- und Futtermittel erlassen werden, bei deren Anbau weiterhin Glyphosat eingesetzt wurde.

Es gibt den Vorwurf, dass durch die radikale Vernichtung des Unkrauts Insekten die Futtergrundlage entzogen wird.

Schäfer: Das stimmt nicht. Zum einen gehören die Unkräuter auf unseren Feldern nicht zu den bevorzugten Futterpflanzen der Insekten. Zum anderen achten die Landwirte heute darauf, dass durch Zwischenfrüchte auf den Feldern oder auf den Blühstreifen ausreichend Futterpflanzen für Insekten vorhanden sind.

Wäre das Pflügen nicht eine gute Alternative zum Einsatz von Unkrautmitteln?

Schäfer: Pflügen hat eine ganze Reihe von Nachteilen: Zum einen wird ein großer Teil des Bodenlebens in der obersten Bodenschicht zerstört. Viele Insekten und Bakterien vertragen es nicht, von oben nach unten oder andersherum verlagert zu werden. Und viele unserer Felder haben eine über Jahre oder Jahrzehnte gewachsene Bodenstruktur, die wichtig und gesund ist. Der Boden lebt – und auch das würden wir durch das Pflügen zerstören. Ganz abgesehen davon wird der Pflug von einer Maschine gezogen, die Treibstoff verbraucht und Abgase ausstößt. Und nicht zuletzt sorgt das Pflügen dafür, dass im Boden gebundenes CO2 gelöst wird und in die Atmosphäre entweicht.

Das klingt jetzt so, als wäre auch die Biolandwirtschaft mit Glyphosat besser dran.

Schäfer: Nein, es handelt sich bei der ökologischen und der konventionellen Landwirtschaft um zwei unterschiedliche Bewirtschaftungssysteme. Beide haben das Ziel, die Erträge zu sichern durch gute Bodenfruchtbarkeit, Bodenstruktur und Bodenleben.

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