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Sondermüllkippe: Bürger wegen Deponie in Sorge

Von Von der Sondermülldeponie in Offheim geht keine Gefahr für die Gemeinde Elz aus. Das sagt Bürgermeister Horst Kaiser (CDU). Aber wie gefährlich ist diese Müllkippe? Die Sorge in der Bevölkerung bleibt bestehen – und die Betreiberfirma schweigt.
Ein hoher Zaun macht das äußerlich idyllische Sondermülldeponie-Gelände in Offheim unzugänglich. Ein hoher Zaun macht das äußerlich idyllische Sondermülldeponie-Gelände in Offheim unzugänglich.
Elz/Offheim. 

Es sieht aus wie ein Postkartenidyll: Auf den sanften Hügeln, die sich nordöstlich von Offheim nahe der Verbindungsstraße nach Niederhadamar wölben, stehen ein paar Rehe, knabbern am Gras und springen davon. Bei genauerer Betrachtung verliert die Szenerie indes ihre Gemütlichkeit.

Das etwa sieben Hektar große Areal ist mit Maschen- und Stacheldraht eingezäunt. Rund 1,5 Milliarden Kubikmeter Sondermüll werden hier gelagert. Benzol, Cyanid, Schwermetalle, verschiedene Kohlenwasserstoffe und Reste von Hausmüll. Von 1967 bis 1985 wurde der teilweise hochriskante Abfall hier entsorgt. Dann wurde die Oberfläche abgedichtet. 1993 begann der Betreiber, die Westdeutsche Deponie GmbH (WDG) aus dem Frankfurter Industriepark Höchst, mit der Rekultivierung. Seither wird „die Deponie regelmäßig durch Kontrollen und Messungen auf der Deponie selbst und in der Umgebung überwacht“, sagt Oliver Keßler, Pressesprecher beim Regierungspräsidium Gießen. Auch das Grundwasser werde untersucht, der aktuelle sowie der vorherige Jahresbericht sind einsehbar. „Alles technisch Machbare wird dafür getan, die Deponie abzusichern und die Umwelt vor Gefahrstoffen zu bewahren“, sagt auch Horst Kaiser (CDU), Bürgermeister von Elz.

„Ewigkeitsproblem“

Nur gibt es daran immer wieder Zweifel in der Bevölkerung. Zuletzt hatte Petra Sander (SPD) in der Gemeindevertretung berichtet, dass Mitglieder ihrer Fraktion auf vermeintliche Häufungen von Krebsfällen in einzelnen Bereichen der Gemeinde Elz angesprochen worden seien. Elz liegt etwa 50 Höhenmeter unterhalb von Offheim. Zwar betont Kaiser, dass „auch Messungen in Brunnen im Elzer Gartengebiet zu keiner Zeit irgendwelche Schadstoffe nachweisen konnten, die von der Deponie kommen können“. Doch die Befürchtung, das Grundwasser könnte belastet sein, bleibt. Das Gremium der Gemeindevertreter hatte daher den Gemeindevorstand beauftragt, beim Hessischen Krebsregister eine Auswertung der für Elz bekannten und registrierten Krebsfälle anzufordern. Die Angst wegen der Sondermülldeponie lasse sich nicht endgültig abschütteln. Tatsächlich hatte Dr. Dirk Brehm vom Büro für Geohydrologie und Umweltinformationssysteme, das die Anlage bereits 2012 untersuchte, in seinem Gutachten von einem „Ewigkeitsproblem“ gesprochen. Die Pumpen, die das Sickerwasser aus der Deponie abschöpfen, werden ewig laufen müssen, mindestens aber so lange, wie Menschen in der Region leben. „In der Deponie haben wir eine erhebliche Belastung und zudem eine unklare Mischung von Schadstoffen“, hatte Brehm damals eingeräumt.

Weniger Schadstoffe

Bürgermeister Kaiser hält dagegen. Dass immer wieder Fragen aufkämen, die einen Zusammenhang zwischen der Sondermülldeponie und verschiedenen Erkrankungen in Elz herstellen, „ist verständlich“. Aber: „Eine Zunahme der Schadstoffbelastung kann nicht festgestellt werden, es ist eher eine stetige geringe Reduzierung erkennbar.“ Ein System aus Schächten, Drainagen und Pumpen sorgt für die kontinuierliche Ableitung des belasteten Sickerwassers. Das Wasser aus dem Inneren der Deponie wird gesammelt und per Lkw in eine Chemie-Kläranlage nach Frankfurt-Höchst gebracht. Die Kontrolle übernimmt das RP Gießen. „Im Rahmen der umfangreichen Überwachung werden Grundwasser, Deponiesickerwasser, Gasemission, Abschöpfbetrieb und Standsicherheit überprüft. Weiterhin ist eine Sicherung des Grundwassers im Abstrom der Deponie installiert“, erklärt Sprecher Oliver Keßler. Darauf verlässt sich auch die Stadt Limburg. Ansonsten habe man mit der Deponie nichts zu tun, bestätigt deren Sprecher Johannes Laubach.

Ein Vertreter der Betreiberfirma WDG steht für Auskünfte nicht zur Verfügung. Unter der Telefonnummer der Deponie in Offheim meldet sich niemand. Auch ein Gespräch mit WDG im Industriepark Höchst kommt nicht zustande. Rückrufe erfolgen nicht. Was bleibt, sind ungeklärte Fragen, etwa über einen möglichen Rückbau oder die Abtragung der Müllkippe. Die letzte Äußerung hierzu datiert aus dem Jahr 2012. Der damalige WDG-Sprecher Horst Herzog hatte auf die Unterhaltung der Anlage, die jährlich 1,5 Millionen Euro kostet, hingewiesen und deutlich gemacht, dass die Kosten für eine Abtragung „unabsehbar“ seien. Der Sondermüll bleibt. Die Unsicherheit auch.

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