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Hilfe von Pferden: Erst Zurückhaltung, dann behutsames Beschnuppern

Der kleinwüchsige Jonathan Kremer leidet an einer beidseitigen Hüftdysplasie und Beinfehlstellung. Eine Reittherapie könnte dem Zweijährigen helfen. Doch dafür muss er erst einmal seine Angst vor Pferden überwinden.
Simone hält Jonathan, der zum ersten Mal in seinem Leben ein Pony streichelt. Der große Bruder Marvin ist an seiner Seite und macht’s vor. Bilder > Simone hält Jonathan, der zum ersten Mal in seinem Leben ein Pony streichelt. Der große Bruder Marvin ist an seiner Seite und macht’s vor.
Dauborn. 

Ein milder, warmer Sommerwind weht durch den alten Stall. Die grau gepunktete Stute Luna steht gelassen auf ihrem Putzplatz. „Sie ist meine Bank“, sagt Besitzerin Christiane Hentsch. Durch die gerade mal ein 68 Zentimeter hohe Luna soll der zweijährige Jonathan Kremer seine Scheu vor Pferden verlieren.

Jonathan ist schwerbehindert und leidet an einer extrem seltenen Form der Kleinwüchsigkeit. Darüber hinaus hat er eine beidseitige Hüftdysplasie und eine Beinfehlstellung. Das heißt, er hat starke X-Beine und kann die Knie nicht komplett strecken. Ändert sich daran nichts, wird Jonathan vermutlich nie laufen lernen. Eine Reittherapie könnte helfen. „Durch sie erhoffen wir uns eine deutliche Besserung der kompletten Problematik“, sagt Mutter Simone Braunsdorf-Kremer. Sie ist deshalb ganz gespannt, wie ihr kleiner Sohn auf das Zusammentreffen mit Luna reagieren wird. „Eigentlich liebt er Tiere. Zu Hause liegt er oft vor dem Meerschweinchenkäfig und beobachtet sie“, erzählt sie.

Ein Anfang

Auch an diesem Nachmittag beäugt Jonathan die kleine Stute zunächst aus sicherer Entfernung und von Papas starkem Arm aus. Dann nähern sich die Zwei langsam. Interessiert reckt Luna ihren Kopf. Bläht die Nüstern. Schnuppert. Geheuer ist das dem Zweijährigen nicht. Er quietscht ängstlich. „Für ihn müssen selbst diese Amerikanischen Miniaturpferde riesig sein“, vermutet Mutter Simone, während sie Luna beruhigend tätschelt. Doch das Pferd steht still. Nur die Ohren bewegen sich aufmerksam.

„Gib ihn mir mal“, ruft der große Bruder Marvin. Behutsam nimmt der Elfjährige Jonathan auf den Arm und geht mit ihm wieder zu Luna. „Schau mal, die tut Dir nichts“, flüstert er ihm ins Ohr und streicht Luna über die Flanke. Doch Jonathan ist immer noch nicht überzeugt. Erst auf dem Arm von Mama streicht er schließlich einmal über den Rücken von Luna. Ein Anfang. „Das wird noch“, hofft die Mutter.

Große Bereitschaft

Ende August hat die Familie mit Jonathan einen Schnuppertermin in einem Frankfurter Therapiereitzentrum. Den konnte sie dank des Spendenaufrufs in unserer Zeitung Mitte Juli vereinbaren. „Wir sind so dankbar. Wir könnten uns das ohne die Spenden gar nicht leisten“, sagt die Mutter. Die Kosten von bis zu 300 Euro im Monat für eine Reittherapie werden von der Krankenkasse nämlich nicht übernommen.

Überhaupt habe sich seit diesem Spendenaufruf viel getan, erzählt die Mutter. Gerade erst hat der FC Steinbach Trikots zugunsten von Jonathan verkauft und gemeinsam mit dem FC Waldbrunn einen Teil des Eintrittsgeldes vom Spiel gestiftet. Mehr als 1000 Euro sind dabei zusammen gekommen. Und jetzt wird der Dart-Club Babylon Linter am 30. September ein freies Dart-Turnier zugunsten von Jonathan veranstalten. Schon jetzt liegen 100 Anmeldungen vor.

„Uns erreicht wirklich eine Welle der Hilfsbereitschaft“, kommentiert der elfjährige Marvin.

Weniger Ängste

Ab und zu klingelten jetzt auch Nachbarn und sprächen ihnen ihre Unterstützung zu. „Die Berichte haben Berührungsängste abgebaut. Das ist genau das, was ich erreichen wollte“, sagt die Mutter sichtlich bewegt.

In der kommenden Woche wird die Familie Besuch vom Hessischen Rundfunk bekommen. Er wird eine Homestory mit der vierköpfigen Familie drehen.

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