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Dringend tatverdächtig: Mord an Hilde Schlitt: Wird Pakistani nach Deutschland ausgeliefert?

Von Es ist genau dreieinhalb Jahre her, dass die ehemalige Gastwirtin Hilde Schlitt in Frickhofen erschlagen wurde. Nun besteht doch wieder Hoffnung, dass der dringend tatverdächtige Pakistani nach Deutschland ausgeliefert wird.
In einem Anbau der Gaststätte in der Ortsmitte wurde die Wirtin erschlagen. Archivfoto: Häring Foto: Klaus-Dieter Häring In einem Anbau der Gaststätte in der Ortsmitte wurde die Wirtin erschlagen. Archivfoto: Häring
Frickhofen. 

Betroffenheit und Trauer statt fröhlicher Narretei in Frickhofen. Die Einwohner sind schockiert über den Mord an der 92-Jährigen Hilde Schlitt. Alle im Dorf kannten die Frau, die jahrzehntelang gemeinsam mit ihrem Bruder Jupp das Gasthaus Schlitt neben der Kirche geführt hatte.

Das war am 16. Februar 2015, auf dem Höhepunkt der Karnevalskampagne. Seitdem sind dreieinhalb Jahre vergangen – Hilde Schlitt und das Verbrechen in Frickhofen aber noch nicht vergessen. Bei den Strafverfolgern schien der Fall dagegen abgehakt zu sein.

Tatsache ist, dass der dringend tatverdächtige Pakistani sich schnell in seine Heimat abgesetzt hat. Die Polizei Limburg hatte den Asylbewerber, mit dem Hilde Schlitt an jenem Sonntagabend in ihrer Wohnung ferngesehen hatte, sofort zur Fahndung ausgeschrieben und gleichzeitig die Bundespolizei um Mithilfe gebeten. Die Staatsanwaltschaft Limburg erwirkte am 20. Februar 2015 einen internationalen Haftbefehl wegen Mordes, im September 2015 wandte sie sich an die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit der Bitte, ein Auslieferungsverfahren einzuleiten. Danach ist in dieser Sache wohl nicht viel unternommen worden, weil es kein Rechtsabhilfeabkommen zwischen Deutschland und Pakistan gibt.

Dass Straftäter trotzdem in Pakistan gestellt und ausgeliefert werden können, hat gerade die Limburger Staatsanwaltschaft bewiesen. Dank enormer Beharrlichkeit und der Unterstützung durch das Bundeskriminalamt und das Auswärtige Amt gelang ihr ein spektakulärer Fahndungserfolg: Ein Pakistani, der 2002 in Limburg seine Lebensgefährtin erstochen hatte, wurde im Mai 2017 ausgeliefert und im Februar 2018 in Limburg verurteilt. Es war erst der zweite Fall mit diesem erfolgreichen Ende.

Nun kommt auch in das lange ruhende Verfahren um den Tod von Hilde Schlitt Bewegung. „Derzeit werden zur Vorbereitung eines Auslieferungsersuchens die hierfür erforderlichen Unterlagen ergänzt beziehungsweise aktualisiert“, teilte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Alexander Badle, auf Anfrage dieser Zeitung mit. „Auslieferungsverfahren sind stark formalisiert und ihr Erfolg hängt unter anderem ganz maßgeblich davon ab, dass die länderspezifischen formalen Voraussetzungen erfüllt werden“, erläutert Badle.

Nach seinen Angaben hätten zunächst „auslieferungsrechtliche Bedenken“ bestanden, die aufgrund jüngerer Entwicklungen überholt sein könnten. Deshalb werde derzeit erneut geprüft, ob das Auslieferungsersuchen an Pakistan doch gestellt werden kann. „Diese Prüfung dauert noch an“, so der Oberstaatsanwalt.

 

Streit um Geld

 

Der damals 36-Jährige ist in seiner Heimat dem Vernehmen nach auf freiem Fuß. Er war Mieter der Getöteten und wohnte im Nachbarhaus. Er soll häufiger Kontakt zu ehemaligen Wirtin gehabt haben. Zuletzt soll es Streit wegen der Rückzahlung einer Mietkaution gegeben haben.

In der Tatnacht vom 15. auf den 16. Februar 2015 soll der Pakistani mit der alten Frau bis kurz vor Mitternacht in deren Wohnzimmer ferngesehen haben. Der 94-jährige Bruder, der in der Region als Musiker bekannte und wenig später verstorbene Jupp Schlitt, fand sie dort um 0.15 Uhr mit schweren Kopfverletzungen auf dem Boden liegend und alarmierte den Rettungsdienst. Hilde Schlitt wurde zunächst ins Limburger Krankenhaus eingeliefert und wenig später in die Gießener Universitätsklinik verlegt, wo sie morgens verstarb.

Die beiden alten gehbehinderten Leute wohnten gemeinsam in einem Anbau des Lokals in der „Lange Straße“. Die Gaststätte in der Ortsmitte war seit längerer Zeit geschlossen, das Gebäude stand ein Jahr lang leer und war kurz vorher verkauft worden. Der neue Besitzer hat es zu einer Unterkunft für Asylbewerber umgestaltet.

Die „Soko Hilde“ mit Beamten der Polizeidirektion Limburg-Weilburg und des Polizeipräsidiums Westhessen nahm die Ermittlungen auf und kam schnell auf die Spur des Asylbewerbers, der direkt nach dem Verbrechen verschwunden war. Tathergang und mögliche Hintergründe gaben jedoch Rätsel auf. Anfangs war auch von einem Raubmord die Rede, bis sich herausstellte, dass aus den Räumen nichts gestohlen worden war.

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