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Prozess am Amtsgericht: Rentner muss 100 Arbeitsstunden leisten

Von Weil er seinem Bruder die Schuld daran gab, dass er seinen Führerschein verloren hatte, versuchte ein Rentner aus Löhnberg den Geschäftsmann zu erpressen. Doch der Bruder zahlte nicht, er zeigte ihn an. Jetzt musste sich der Rentner vor einem Limburger Schöffengericht verantworten.
Eine Statue der Justitia. Foto: David Ebener/Archiv Eine Statue der Justitia.
Löhnberg. 

Er benötige den Führerschein, um mit einem Auto weiter soziale Kontakte zu pflegen, sagte der Angeklagte. Und daran, dass er nun schon seit 17 Jahren ohne Führerschein leben müsse, sei nur einer schuld: sein Bruder. Um 3000 Euro habe er ihn im August 2017 erpressen wollen, weil er sich ausgerechnet habe, dass eine Fahrerlaubnis etwa so viel kosten würde, sagte der 55-Jährige vor dem Limburger Schöffengericht. „Außerdem ist drei meine Glückszahl.“

Trotzdem wurde der einschlägig vorbestrafte Rentner wegen des Versuchs einer räuberischen Erpressung zu einer Bewährungsstrafe und 100 Arbeitsstunden verurteilt. Der Angeklagte berichtete, er habe nach dem Verlust des Führerscheins eine Alkoholtherapie gemacht und dann das Problem gehabt, zusätzlich die MPU, gemeinhin als Idiotentest bekannt, machen zu müssen. Sein Geld habe jedoch nicht gereicht. Also sei er auf die Idee gekommen, das Geld von seinem Bruder zu fordern – mit Hilfe des Internets und von Beleidigungen und Bedrohungen. „Ich wollte meinem Buder aufs Maul hauen, er ist mein größter Feind“, sagte der Angeklagte. Außerdem berichtete er von einer schweren Kindheit. Er und sein Bruder waren unter anderem bei Pflegeeltern und in einem Pflegeheim aufgewachsen.

Der Bruder des Angeklagten, ein selbstständiger Geschäftsmann, sagte, er habe das Ganze erst ignoriert, dann aber seinen Bruder angezeigt, auch wenn er die Erpressung per Internet nicht ernst genommen habe. Da er jedoch mehrfach aufgefordert worden sei, Geld zu zahlen, habe er die Polizei alarmiert. Die Bewährungshelferin des Angeklagten sagte, der 55-Jährige sei förmlich besessen von Autos und der nicht vorhandene Führerschein sei zentrales Thema seines Lebens.

Minderschwerer Fall

Die Staatsanwältin forderte für die versuchte räuberische Erpressung und Beleidigung eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten und 100 gemeinnützige Arbeitsstunden. Sie ging von einem minderschweren Fall aus, der – wie das Geständnis und die schwierigen Familienverhältnisse–, strafmildernde Wirkung haben sollte.

Verteidiger Stefan Reusch zweifelte die Ernsthaftigkeit des Erpressungsversuchs an und stellte den Tatvorwurf infrage. Andererseits empfand er den Strafantrag der Staatsanwaltschaft angemessen. Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Bettina Kilian folgte der Staatsanwältin.

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