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Siegfried und die Nibelungenentzündung

Von Man soll nicht alles glauben, was in den Geschichtsbüchern steht, oder man wäre hinterher bitter enttäuscht; oder glaubt es. Dann muss man aber das Darmstädter Kikeriki-Theaters zum Thema „Siegfried und die Nibelungenentzündung“ meiden. Dort nämlich erfährt das geneigte Auditorium nämlich, wie es wirklich war.
Die Geschichte mit dem Drachen war in Wirklichkeit ganz anders, zeigt das Kikeriki-Theater.	Foto: Schneider Die Geschichte mit dem Drachen war in Wirklichkeit ganz anders, zeigt das Kikeriki-Theater. Foto: Schneider
Weilrod-Hasselbach. 

Kaum zu glauben, aber Siegfried, der blonde Recke, Unbesiegbare und Urvater aller Bodybuilder war nichts anderes als ein verblondeter Maulheld mit Sonnenbrille. Von wegen Sieg über den Drachen mit anschließendem, lebensversicherndem Blutbad – nein, der Drache lebt, der Held ist tot.

Tatsache, der blonde Siggi war nur ein Schwätzer. Und der Drache? Nun ja, grün war er, und schwul. Er wollte nur schmusen. Siegfried hat ihn auch nicht erschlagen, schon gar nicht in seinem Blut gebadet. Die beiden hatten eine Affäre und badeten gemeinsam in Tannenöl...

Dass Siggi trotzdem mausetot ist, hat er sich selbst zuzuschreiben. Er könnte noch leben, hätte er nicht so gierig von des Zwergen Alberichs Zaubertrunk genippt. Sorry, Siegfried-Fans – der Typ war ein Junkie und hat sich quasi selbst den goldenen Schuss gesetzt. So kann’s gehen. Wohlmeinende Zeitungen hätten damals vermutlich berichtet, der Schönling sei von einer Lungenentzündung überraschend und viel zu früh dahingerafft worden.

Ausgeschüttet vor Lachen

Besser als mit „Siegfrieds Nibelungenentzündung“ kann man Geschichte(n) kaum verkaufen. Und verbiegen. Dreimal war der Saal des Kulturforums am Wochenende pickepacke voll, die Luft zum Schneiden, aber das machte nichts. Das Publikum war hinterher ganz leer. Es hatte sich ausgeschüttet vor Lachen. Organisiert hatte die Aufführung der MGV Liederkranz. Das Ensemble des „sagenhaften Blechspektakels“ bestand aus Stockpuppen aus Blechdosen, Schrott und Accessoires, die den Figuren Charakter gaben: Siegfried mit der Sonnenbrille, die Brunhild mit der Peitsche, Zwerg Alberich, Hagen, der Einäugige unter den Blinden, und wie sie alle hießen. Schreiend komisch in Szene gesetzt wurden sie von Roland Hotz, Bernd Körner und Detlev Kühner sowie Steffen Stütz am Piano.

Natürlich lebte das Stück von der verschlimmbesserten Interpretation der Nibelungensage, aber auch vom Umgang mit Sprache. Es wurde der Beweis erhoben, dass breitestes Dammstädder Platt ganz schön spitz sein kann. So dumm war es denn auch nicht, dass Roland Hotz Bernd Körners Kurzfassung des Nibelungenliedes als Ge-bärdendolmetscher übersetzte, schließlich hätten ja auch Offenbacher im Saal sitzen können. In der Tat konnte sich, wer des Dialekts nicht ganz mächtig war, in diesem Verbal-Slapstick etwas verloren vorkommen. Aber wozu gab’s verständige Nachbarn. Wie die Protagonisten mit der Sprache jonglierten, à la bonheur.

Wortspielereien

Von „einer Haut wie Leder“ auf „Vileda“ zu kommen und dann festzustellen, „dass die damals noch net emal Fenster hatte“, das war schon großes Kino. Auch dass Roland Hotz von Euo sprach, erschloss sich dem Publikum sofort: „Ei bei Mack hab’ isch’s r doch aach weggelasse.“ Klar, das macht Sinn. Im Kikeriki-Thater wird nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Die Konversation war mitunter recht deftig, ja, auch schlüpfrig und die Gürtellinie wurde auch ein ums andere Mal unterquert. Aber es blieb im Rahmen und man konnte immer noch herzlich drüber lachen.

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