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Gewerkschaft: Was ist los bei der Bäckerei Schäfer?

Von Einen Blumenstrauß bekommen Gewerkschaftsfunktionäre offenbar nicht, wenn sie die Zentrale von „Schäfer, dein Bäcker“ in Limburg betreten wollen. Im Gegenteil: Sie dürfen angeblich gleich wieder gehen. Noch immer steht der Vorwurf im Raum, die Bäckerei zahle Mitgliedern der Gewerkschaft nicht den ihnen zustehenden Tariflohn. Das Unternehmen schweigt beharrlich.
Symbolfoto: © travelguide - Fotolia.com Symbolfoto: © travelguide - Fotolia.com
Limburg. 

Bei „Schäfer, dein Bäcker“ herrschen seit Kurzem neue Umgangsformen. Der Chef persönlich, Johannes Schäfer, bot allen Mitarbeitern das Du an und wünschte sich in einer schriftlichen Mitteilung an alle Mitarbeiter, „dass wir uns im Unternehmen alle gegenseitig duzen und mit dem jeweiligen Vornamen ansprechen“. Das klingt nach einem gedeihlichen Miteinander. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sieht das anders.

Zwei Mal versuchte der Geschäftsführer der NGG in Frankfurt, Peter-Martin Cox, mit Mitarbeitern von „Schäfer, dein Bäcker“ in der Zentrale Im Elbboden in Limburg in Kontakt zu treten. Zwei Mal scheiterte er nach eigenen Angaben. So lange nur ein Mitarbeiter Mitglied in der Gewerkschaft sei, habe er das Recht, ein Unternehmen zu besuchen, sagt er.

Des Platzes verwiesen

Beim ersten Mal habe er an Fahrzeugen auf dem Parkplatzgelände der Zentrale Gewerkschaftsflyer hinter die Scheibenwischer klemmen wollen. Daraufhin sei er des Platzes verwiesen worden. Beim zweiten Mal habe er sich mit seinem Wagen neben einen Imbiss gestellt – mit Erlaubnis des Besitzers –, um mit den Fahrern der Bäckerei ins Gespräch zu kommen. Nach seiner Darstellung habe sich daraufhin jemand von der Geschäftsführung mit seinem Wagen direkt neben ihn gestellt. „Keiner der Fahrer hat deshalb angehalten“, sagt Cox.

Die Beziehung zwischen der Bäckerei und der Gewerkschaft scheint nicht die beste zu sein. Das bestätigen in einem Gespräch mit dieser Zeitung auch Mitarbeiter. Wer offen zugebe, Mitglied in der Gewerkschaft zu sein, müsse aufpassen und bekomme Ärger mit der Geschäftsführung, behaupten sie. Einen Betriebsrat gibt es in der Bäckerei nicht; beschäftigt sind dort mehr als 800 Mitarbeiter. Wenn man den Mitarbeitern Glauben schenken darf, ist es auch besser, bei der Bäckerei das Wort „Betriebsrat“ gar nicht erst in den Mund zu nehmen.

Die Gewerkschaft NGG behauptet, der tariflich vereinbarte Lohn werde in dem Unternehmen nicht gezahlt. Diese Zeitung hat mit zwei Mitarbeitern der Bäckerei gesprochen. Der eine sagt, ihm fehlten drei Euro brutto zum tariflich vereinbarten Stundenlohn, ein anderer kommt auf „gut zwei Euro“, die ihm fehlen.

Mitglied im Verband

Theoretisch steht der Tariflohn nur Mitarbeitern zu, die Mitglied in der Gewerkschaft sind, die die Tarifverhandlungen führt. Und zwar dann, wenn der Betrieb in einem Arbeitgeberverband ist, der bereit ist, nach Tarif zu zahlen. Bei „Schäfer, dein Bäcker“ ist das nach Angaben der Gewerkschaft NGG der Fall. Das Problem: Nach Angaben der Gewerkschaft passiert das in dem Unternehmen trotzdem nicht.

„Es bedient Dich gerne“

Praktisch findet diese Unterscheidung allerdings kaum Anwendung. Arbeitgeber, die Tariflohn zahlen, zahlen diesen in der Regel auch den Mitarbeitern aus, die nicht in der Gewerkschaft sind. Es gibt Menschen, die behaupten, dies geschehe auch deshalb, um den Gewerkschaften nicht scharenweise Mitglieder in die Arme zu treiben.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ist jedenfalls bestrebt, bei „Schäfer, dein Bäcker“ einen Betriebsrat zu gründen. Arbeit gebe es für einen Betriebsrat offenbar genug: Anfang November sorgte intern eine Mitteilung der Geschäftsführung für einiges Aufsehen, dass sich alle Mitarbeiter untereinander duzen sollen; also auch Vorgesetzte, die man vielleicht schon seit vielen Jahren siezt.

Die alten Namensschildchen der Bäckereifachverkäuferinnen wurden ausgetauscht, auf denen die Kunden noch gesiezt werden. Jetzt steht dort „Es bedient Dich gerne“: Dann folgen Vor- und Zuname der Verkäuferin. Einige ältere Mitarbeiterinnen sollen ein Problem damit haben, von Kunden plötzlich geduzt werden zu können; einige jüngere Mitarbeiter sollen ein Problem mit der vollen Namensnennung in Kombination mit dem vertraulichen Du haben. Sie befürchten, die Hemmschwelle, über Facebook kontaktiert zu werden, werde dadurch geringer.

Kein Kommentar

Diese Zeitung wollte natürlich wissen, was die Unternehmensleitung zu den Vorwürfen sagt. Eine E-Mail an den Senior-Chef Johannes Schäfer blieb unbeantwortet – sowohl was Fragen zum Tariflohn als auch den Vorwurf betrifft, wer als Mitarbeiter von „Schäfer, dein Bäcker“ offen zugebe, in der Gewerkschaft zu sein, bekomme Ärger. Schon telefonische Anfragen waren unbeantwortet geblieben.

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