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Begrüßungskaffee für Flüchtlinge in Eppenrod: Willkommen im Dorf

Die Gemeinde reagiert schnell: Am Donnerstag ziehen sechs allein reisende Flüchtlinge aus Syrien abends in eine Wohnung an der Hauptstraße ein, am Sonntag werden die Männer im Rathaus empfangen – zum Begrüßungskaffee.
Begrüßungskaffee im Rathaus: Zum gegenseitigen Kennenlernen luden Orts- und Kirchengemeinde sechs Flüchtlinge aus Syrien zum gemeinsamen Nachmittag ein. Begrüßungskaffee im Rathaus: Zum gegenseitigen Kennenlernen luden Orts- und Kirchengemeinde sechs Flüchtlinge aus Syrien zum gemeinsamen Nachmittag ein.
Eppenrod. 

Umgeräumt werden muss. Tische werden verschoben, Stühle herbeigeschafft – es ist eng geworden im Sitzungssaal des Rathauses. Der Andrang, und darüber freut sich Ortsbürgermeister Oliver Lankes besonders, ist größer als erwartet. Die Einladung von Orts- und Kirchengemeinde, mit dem Treffen das gegenseitige Kennenlernen von Flüchtlingen und heimischer Bevölkerung zu fördern, wird angenommen. Schließlich soll erörtert werden, wie den Neubürgern geholfen werden kann – etwa durch Fahrdienste, Kleiderspenden oder Begleitung in die Vereine. Weitere Helfer werden ohnehin gesucht.

Gekommen, sagt der Ortsbürgermeister, „sind sie mit einem Koffer, mehr nicht“. Sie sprechen kein Deutsch, nur etwas Englisch, wohnen zusammen, teilen sich Wohnzimmer, Bad und Küche und zu zweit ein Zimmer. Ziel müsse es nun sein, „Hilfe zu leisten und die Flüchtlinge in die Gemeinschaft zu integrieren“, ruft Lankes zu gemeinsamen Anstrengungen auf.

Kein einfacher Weg. Ja, einer, der bei allen gut gemeinten Absichten schnell etwas peinlich werden könnte, für alle Beteiligten. Die ersten Besucher haben es sich im noch leeren Saal hinten eingerichtet und wirken ungewollt wie ein Publikum, das einer Vorführung entgegen sieht. Dann aber wird es voll, so voll, dass die Ankunft der von Pfarrerin Irene Vongehr begleiteten Männer fast unbemerkt vonstatten geht.

Dem „Sehen, wer bei uns wohnt“ folgt bei Kaffee und Kuchen in ziemlich lockerer Runde ein „Hören, wie sie zu uns gekommen“ sind. Von Syrien aus führte der Weg einen 18-jährigen Studenten in die Türkei, weiter nach Griechenland und schließlich mit dem Bus nach Österreich. Nach Deutschland musste er laufen. Die anderen, ein Bauer, ein Schneider, ein Arzthelfer, ein Student und der Mitarbeiter eines Stromversorgers, weisen als weitere Stationen ihrer Flüchtlingsroute den Libanon, Irak, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Ungarn und Österreich aus. Die Familien der Männer (der älteste ist 53) blieben entweder im Heimatland oder sind verstreut. Frau und Tochter von Samir R. zum Beispiel leben in der Türkei, zwei Söhne wohnen in Rostock. Vom Aufnahmelager in Trier kamen sie nach Eppenrod, werden dort bis zum Jahresende von Hassam Yassar bei alltäglichen Problemen betreut. Die Mietwohnung wurde von der Verbandsgemeinde grundausgestattet, eine Bedarfsliste soll Aufschluss darüber geben, was noch fehlt. Schon in der nächsten Woche beginnt im Hof von Holland ein Deutschkurs – jeden Tag fünf Stunden Intensivunterricht bis zum 5. Februar.

Nicht überall ist der Zuzug gut angekommen. Der Vermieter musste sich von Anrufern Profit-Denken vorwerfen lassen und sah sich sogar der Anschuldigung ausgesetzt, was er Eppenrod da antue. Beirren lässt er sich davon nicht. Mit drei Flüchtlingsfamilien groß geworden, möchte er helfen, die Männer betreuen und, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, über Verbindungen zum Handwerk für Arbeit sorgen.

(hbw)
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