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324-Seiten-Wälzer: Buch zum Bergkapellen-Jubiläum: Da staunten selbst die Autoren

Von Das Buch „Versprochen ist versprochen – Die Geschichte der Hofheimer Bergkapelle“ erzählt aus der bewegenden Geschichte des Bauwerks. Es gibt Geschichten vom Beginn der Reformation in Hofheim bis zu den Jubiläumsfeierlichkeiten 2016 und dem Besuch des Bischofs am Gelobten Tag am 2. Juli dieses Jahres.
Roswitha Schlecker und Stephan Hauck freuen sich über ihr überraschend dickes Werk. Foto: Knapp Roswitha Schlecker und Stephan Hauck freuen sich über ihr überraschend dickes Werk.
Hofheim. 

Viele Geschichten ranken sich um die Wallfahrtskapelle, die die Hofheimer errichtet hatten, um dem schwarzen Tod zu entfliehen, der die Region nach dem 30jährigen Krieg heimgesucht hatte. Dreimal soll die Kapelle dort neu aufgebaut worden sein, erzählen manche.

Ein frisch gedrucktes Buch räumt nun mit diesem Mythos auf. Nur einmal nämlich sei das Gebäude abgerissen und neu aufgebaut worden, als es 1772 zu klein geworden war, um die vielen Wallfahrer zu fassen, erzählt Stefan Hauck, Germanist und Mitglied im Pfarrgemeinderat der St. Peter- und Paul-Gemeinde. Im Recyclingstil hatte man damals Balken und anderes Material abgetragen und damit eine Kapelle in der heutigen Hauptstraße Kelkheims errichtet. Auch diese steht nicht mehr, ein Foto davon ist in dem Buch zu sehen.

1856 sei das Gebäude dagegen nur innen renoviert worden. Dafür sprechen Rechnungen über die geleisteten Arbeiten. Es sei offensichtlich, dass der Pfarrer in seinen Bettelbriefen um Spenden so sehr übertrieben habe, dass man die Kapelle bei nachträglicher Lektüre als zerstört angesehen habe.

Auch hatten niemals Räuberbanden auf dem Berg gehaust, wie der zwischenzeitliche Name „Räuberberg“ statt des ursprünglichen Raupenbergs vermuten lässt. „Den hat wohl ein Pfarrer ins Spiel gebracht, um ein wenig zu dramatisieren.“

Das sind nur zwei von unzähligen Geschichten, die sich um die Anhöhe ranken, auf die noch Anfang des vergangenen Jahrhunderts Hunderte von Gläubigen pilgerten. „Manchmal kamen Züge voll Männer und Frauen aus Frankfurt.“

Eigentlich habe man nur ein kleines Heft verfassen wollen, ausgehend von den vielen Dokumenten und auch Fotos von Bürgern, die zum 350-jährigen Bestehen des geschichtsträchtigen Wallfahrtortes im vergangenen Jahr für eine Ausstellung zusammengetragen wurden. Herausgekommen sind 324 Seiten spannende Geschichte, herausgegeben von Hauck und Stadtarchivarin Roswitha Schlecker. Für einzelne Kapitel hatte man fünf Mitautoren an Bord geholt, zwei Jahre lang im Pfarrarchiv, Limburger Diözesan- und Hessischen Staatsarchiv Dokumente und Briefe durchforstet.

Keine leichte Übung. „Die Schreibweise hat man damals nicht so ernst genommen, man hat geschrieben, wie man gesprochen hat“, erzählt Hauck bei der Vorstellung des Werks. So habe man manchmal puzzeln oder Worte laut aussprechen müssen, um sie zu verstehen. Wie bei der „blechern Bix“, der Sammelbüchse fürs Kerzengeld.

Überraschend, dass man auch im eigenen Kirchenarchiv so viele uralte in Tapetenpapier eingebundene Hefte mit Abrechnungen gefunden habe. Interessant auch, wie die Kommunikation damals verlief. „Fast wie im E-Mail-Stil der Schriftwechsel zwischen Pfarrer und Königsteiner Oberförster.“ Auf einem Blatt Papier, hin und her, mal der eine, dann der andere. Um die Anpflanzung von 60 Fichten war es gegangen. Bäume, die heutzutage den Blick von unten auf das Kirchlein versperren. „Früher war es von weitem sichtbar.“

Auch inhaltlich hat die Autoren vieles erstaunt. So sei Hofheim vor dem Jahr 1603 ein paar Jahrzehnte lang protestantisch gewesen. In dieser Zeit habe erstaunlicherweise die letzte Hexenverbrennung stattgefunden. Herausgekommen ist eine Lektüre, die viel mehr umfasst als nur den Kapellenberg und alles andere als langweilig ist. „Prozessionen als Unruheherde“, „Bürger beklagen mangelndes Engagement der Pfarrer“, „Versammlungen werden beobachtet“: Schon die Überschriften zeugen von jeder Menge Zündstoff.

 

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