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Bürgerbegehren zum alten Pfarrzentrum: Der Paukenschlag: 4484 Unterschriften

Von Bei der Übergabe der Unterschriften macht der Chef des Museumsvereins einen mutigen Vorschlag: Die Politik sollte ihr Votum zurücknehmen und auf den Bürgerentscheid verzichten.
Da staunt selbst der Bürgermeister über die rote Zahl auf dem roten, prall gefüllten Ordner: Hiltrud Bracht, Wolfgang Zengerling, Reinhard Herr, Christa Wittekind und Thomas Zellhofer (von links) übergeben die Unterschriften zum Bürgerbegehren an Albrecht Kündiger. Foto: Knapp Da staunt selbst der Bürgermeister über die rote Zahl auf dem roten, prall gefüllten Ordner: Hiltrud Bracht, Wolfgang Zengerling, Reinhard Herr, Christa Wittekind und Thomas Zellhofer (von links) übergeben die Unterschriften zum Bürgerbegehren an Albrecht Kündiger.
Kelkheim. 

Nur ein kurzes „Oh“ kommt Albrecht Kündiger spontan über die Lippen, als er den Zettel aus dem Umschlag zieht. Wie viele Unterschriften haben die gut 40 Helfer im Bürgerbegehren zum Erhalt des Pfarrzentrums Feldbergstraße gesammelt? Das war seit Ostern das bestgehütetste Geheimnis. Nun hat es der Bürgermeister gestern Mittag gelüftet: die Zahl „4484“ steht das in roten Lettern auf dem Papier. Fast aus allen Nähten platzt der Ordner dazu, den Kündiger in Empfang nimmt. „Meinen Respekt dafür, dass sie es geschafft haben in so kurzer Zeit. Das ist eine gewaltige Zahl“, hat er schnell die passenden Worte wieder gefunden. Er habe eigentlich die komplette Prüfung der Namen durch die Stadt für heute zusagen wollen – das stelle er nun in Frage. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass nicht 2215 Wahlberechtige dabei sind.“

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Kommentar

Am Tag vor der Übergabe hat mich Thomas Zellhofer noch schätzen lassen: Na ja, geschafft haben sie es. Da werden vielleicht 2500 Namen auf den Listen stehen, habe ich mal überschlagen.

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Nun „sachlich“ weiter

So viele müssen es sein, damit das Stadtparlament einen Bürgerentscheid zulassen wird. Ziel der nun mehr als doppelt so vielen Namen ist der Erhalt des ehemaligen Pfarrzentrums an der Feldbergstraße samt Umzug des Stadtmuseums dorthin. „Dass Bürger sich so engagieren, kann man als Bürgermeister nur begrüßen“, sagt Kündiger. Dieses Begehren sei „ein Musterbeispiel“ dafür, was die Hessische Gemeindeordnung (HGO) vorsieht. Er wünscht sich nun, dass die Diskussion auf „sachliche und konstruktive Art“ weitergeführt wird. Denn wie berichtet hatte es Ärger um gestreute Gerüchte gegeben, die politische Mehrheit aus UKW und FDP wolle auch den Kindergarten abreißen, den Mühlgrund bebauen und Hochhäuser errichten lassen.

„Es geht um die Sache“, betont Mitinitiator Thomas Zellhofer. „Um die Erhaltung, Sanierung und Aufwertung von Kelkheim.“ Dass es durch „irgendwelche Kommunikationsketten“ zu den Gerüchten und Vorwürfen an die Unterschriftensammler kam, habe die „Ehrenamtlichen getroffen, das haben sie nicht verdient“. Denn er hebt noch einmal die Leistung der Gruppe hervor: In nur 42 Tagen, was laut Zellhofer nicht mal der Hälfte des laut HGO möglichen Zeitfensters entspreche, haben die Spätstarter die Namen gesammelt. An Ostern hielten sie sich zurück. Den Stein ins Rollen brachte Elisabeth Jost aus Hornau mit ihrem Anruf bei Wolfgang Zengerling, CDU-Mann und aktiver Bürger. Danach ging alles schnell, eine Initiative bildete sich, Namen wurden aus allen Stadtteilen zusammengetragen. Alleine in Münster kam Reinhard Herr auf rund 800, in Fischbach waren es 450, bei Christa Wittekind liefen 750 zusammen. Der Großteil kam aus Kelkheim und Hornau. Gerade die Nachbarschaft des Gebäudes habe sich gefreut, weiß die fleißige Sammlerin Hiltrud Bracht.

„Wir haben mit diesem Ergebnis nicht gerechnet“, sagt Zellhofer. Die Hürde war schon vor mehr als einer Woche genommen – die Zahl gab die Gruppe nicht preis, damit sich keiner auf den Lorbeeren ausruhen kann. Von einer „grandiosen Leistung“ spricht Jürgen Moog bei der Übergabe. Er ist Vorsitzender des Museumsvereins, der sich beim Bürgerbegehren offiziell rausgehalten hatte. Doch jetzt redet Moog wieder Klartext: Er fordert ein Umdenken von der Politik. Der Beschluss von UKW und FDP müsse nun vom Stadtparlament „kassiert“ werden, mindestens eine der Fraktionen also ihre Entscheidung zurücknehmen. Sonst fürchtet er reine Parteipolitik im Vorfeld des Bürgerentscheids, vermutlich am 28. Oktober. Kündiger habe damals „keine Lobby“ für den Gebäude-Erhalt und das Museum gesehen – nun spreche die Zahl eine andere Sprache. Vielleicht könne auf dem Gelände durch An- oder Umbauen auch das Thema bezahlbarer Wohnen untergebracht werden, überlegt der Vorsitzende.

Das Netzwerk stärken

Die Initiatoren finden Moogs Vorschlag, der auch rechtlich möglich wäre, ebenfalls gut. Sie werden als Belohnung erstmal vom Museumsverein zur neuen Chagall-Ausstellung eingeladen und wollen ihr Netzwerk auf jeden Fall weiter stärken. „Wie Pech und Schwefel halten wir zusammen“, kündigt Hiltrud Bracht schon mal an.

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