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Tierschutzverein verärgert: Der Tierschutzverein lebt

Von Von der Änderung des Vertrages zur Aufnahme von Fundtieren erfuhr der Hofheimer Tierschutzverein durch einen Bericht im Kreisblatt. Die Stadt hatte die Tierschützer zuvor nicht informiert. Nicht nur die Vorgehensweise des Magistrats sorgt für Unmut bei den Mitgliedern des Vereins.
Katerchen Cookie freut sich über so viel Besuch im Tierheim. Der Grund der Außerordentlichen Mitgliederversammlung des Tierschutzvereins war indes weniger erfreulich. Foto: Maik Reuß Katerchen Cookie freut sich über so viel Besuch im Tierheim. Der Grund der Außerordentlichen Mitgliederversammlung des Tierschutzvereins war indes weniger erfreulich.
Hofheim. 

Cookie heißt der neugierige kleine schwarze Kater, der als vierbeiniger „Hausmeister“ des Tierheims im Langgewann seine Aufgabe vortrefflich erfüllt und hocherfreut ist, dass er am Mittwochabend bei der Außerordentlichen Mitgliederversammlung des Tierschutzvereins Hofheim viele zweibeinige Gäste begrüßen kann. So quicklebendig wie die muntere Samtpfote ist auch der Verein – wenngleich Irritationen in den vergangenen Tagen bei vielen das Gegenteil vermuten ließ.

Grund dieser Irritationen ist eine Magistratsvorlage, die Bürgermeisterin Gisela Stang, wie berichtet, bei der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 20. April verlas. Inhalt des Papiers: Künftig sollen herrenlose Katzen und Kleintiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen, die auf Hofheimer Gemarkung aufgefunden werden, nicht mehr – wie bisher – beim Tierschutzverein Hofheim untergebracht werden. Stattdessen sollen diese Fundtiere vom 1. Juli an im Tierheim des Tierschutzvereins Bad Soden/Sulzbach am Arboretum aufgenommen werden. Der Hofheimer Magistrat hatte dies Wochen zuvor mit Agnes Haßler, der Vorsitzenden des Tierschutzvereins Bad Soden/Sulzbach, festgeklopft. Der betroffene Tierschutzverein Hofheim wurde nach Angaben des Vorstands „weder in die Gespräche einbezogen noch informiert.“ Stattdessen „haben wir davon am Freitag vergangener Woche aus dem Kreisblatt erfahren“, schildert Vereinschefin Renate Gebauer. Erst am Freitagabend – also zwei Tage nach der Sitzung des Stadtparlaments – lag ein offizielles Schreiben des Magistrats, unterzeichnet von Erstem Stadtrat Wolfgang Exner, im Briefkasten des Tierheims. Da hatte in Hofheim längst das Gerücht die Runde gemacht, „dass der Tierschutzverein am Ende ist.“ Diesen Eindruck nämlich vermittelte die Bürgermeisterin mit ihrer Aussage: „Die räumliche Situation des Tierheims ist sehr beengt, die finanziellen Mittel sind begrenzt. Die Zukunft des Vereins ist ungewiss.“

Kostenfrage

Der neue Vertrag mit dem Tierschutzverein Bad Soden / Sulzbach, der Fundtiere betrifft, die herrenlos auf Hofheimer Gemarkung gefunden werden, gilt ab 1. Juli dieses Jahres.

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Renate Gebauer, ihre Vorstandskollegen und die Mitglieder sind nicht nur empört über die Vorgehensweise des Magistrats, sondern vor allem über die Aussage bezüglich der Zukunft des Vereins, die den Eindruck erwecke, „dass wir vor dem Aus stehen.“ Renate Gebauer betont: „Das ist definitiv nicht der Fall. Der Tierschutzverein lebt und wir machen unsere Arbeit weiter wie bisher.“

Die Magistratsvorlage bezieht sich lediglich auf Fundtiere und nicht auf Tiere, die abgegeben werden und die von den Tierschützern gepflegt und vermittelt werden. „Weiterhin kann jeder vorbeikommen, der Interesse an einer Katze oder einem Kleintier hat.“

13 Katzen, zwei Meerschweinchen und fünf Hasen leben derzeit im Hofheimer Tierheim am Langgewann. Dass dies räumlich nicht optimal ausgestattet ist, ist seit langem bekannt. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist der Verein auf der Suche nach einem Grundstück für einen Tierheim-Neubau (wir berichteten mehrfach) – doch das ist ein anderes Kapitel.

Jetzt geht es den Hofheimer Tierschützern erst mal um Schadensbegrenzung: Die Auswirkungen der öffentlichen Aussage um eine vermeintlich ungewisse Zukunft hat für den etwa 110 Mitglieder starken Verein massive Folgen: „Das Telefon stand nicht mehr still. Die Leute, die den Artikel gelesen haben, nahmen an, wir geben auf. Das Gleiche haben auch unsere Sponsoren und diejenigen gedacht, die uns mit Sach- und Futterspenden sowie finanziell unterstützen“, schildert die Vereinsvorsitzende, die deshalb erneut betont: „Wir stehen keineswegs vor der Auflösung. Im Gegenteil – wir werden unsere Tierschutzarbeit weiterführen wie bisher und brauchen weiterhin die Unterstützung für unsere Arbeit. Besonders würden wir uns über Nachwuchs freuen.“

Gemeinsam formulierten die Hofheimer Tierschützer sowohl einen Brief an den Magistrat als auch an den benachbarten Tierschutzverein Bad Soden / Sulzbach, von dessen „nicht gerade kollegialem Verhalten wir ebenfalls sehr enttäuscht sind. Es wäre eigentlich ein Akt der Solidarität gewesen, uns zu informieren.“

Bereits vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung hatten einige Mitglieder des Hofheimer Tierschutzvereins ihrem Ärger Luft gemacht und sich sowohl per Facebook als auch per Brief an Gisela Stang gewandt. Besonders enttäuscht sind die Tierschüzer darüber, wie gering ihre ehrenamtliche Arbeit geschätzt wird. „Es ist schon traurig, dass wir überhaupt nicht kontaktiert wurden. Immerhin leisten die Kolleginnen schon seit 30 Jahren ,Drecksarbeit’. Sie sprechen mit Bauern oder Anwohnern, was nicht immer einfach ist, um streunende Katzen mit der Falle einzufangen, sie sorgen dafür, sie kastrieren zu lassen, Tierarztbesuche zu machen, damit es weniger Katzenleid gibt. Ich jedenfalls habe den Eindruck, dass das Ehrenamt von Ihnen nicht besonders geschätzt wird, obwohl immer wieder betont wird, was würden wir ohne die Ehrenamtlichen machen“, hat es Christa Braun, Schatzmeisterin des Tierschutzvereins, in ihrem Schreiben an Gisela Stang formuliert, das sie am vergangenen Sonntag in den Briefkasten des Rathauses geworfen hat. Auf eine Reaktion der Bürgermeisterin wartet sie ebenso wie ihre Vereinskollegin, die Stang Anfang der Woche per Facebook angeschrieben hat.

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