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Marokkanische Großfamilie in Kelkheim: Die Lahyanis sind mittendrin und nicht bloß dabei

Von Vier Mitglieder einer marokkanischen Großfamilie arbeiten rund ums Rathaus; ein fünfter Lahyani war 25 Jahre im Bauhof und ist jetzt im Ruhestand.
Bestens integriert: Die vier Mitglieder der Familie Lahyani (von links) Sofia, Mohamed, Abdelhafid und Omar. Foto: Knapp Bestens integriert: Die vier Mitglieder der Familie Lahyani (von links) Sofia, Mohamed, Abdelhafid und Omar.
Kelkheim. 

Wenn’s ein Problem mit den Wasserleitungen gibt – ein Lahyani ist zur Stelle. Fragen zur Jugendarbeit? Nicht verzagen, Lahyani fragen. Muss eine öffentliche Grünfläche gepflegt werden? Na klar, ein Lahyani kann weiterhelfen. Und wenn eine Lotsin beim städtischen „Du-und-Ich-Tag“ gesucht wird – auch da sind Lahyanis mittendrin statt nur dabei.

Der Name ist längst Programm in Kelkheim (Main-Taunus-Kreis). Gleich vier Mitglieder der Großfamilie Lahyani aus Marokko sind direkt oder indirekt im Rathaus engagiert, ein fünfter Angehöriger war 25 Jahre beim Bauhof beschäftigt und ist jetzt im Ruhestand.

Grund genug für diese Zeitung, diese außergewöhnliche Familie zu treffen und ihre Integrations-Geschichte zu erzählen. Zumal mit Mohamed und Adbelhafid Lahyani zwei Brüder seit 25 Jahren im städtischen Bauhof beschäftigt sind und zuletzt ausgezeichnet wurden. So ist der Betriebshof am Wald auch der ideale Treffpunkt für das Lahyani-Interview.

1972 nach Deutschland

Dabei gebe es für das bei der Stadt angestellte Trio wenig Berührungspunkte, sagt Omar. Er ist Kelkheims Integrationsbeauftragter sowie in der Jungenarbeit aktiv und sieht seine Onkel im Berufsalltag kaum. „Aber wir wurden schon voneinander angezogen.“ Jeder habe die Stadt als guten Arbeitgeber dem Familienmitglied weiter empfohlen. „Da war es nahe liegend, dass es in diese Richtung geht.“

Omars Vater Hassan war der erste Lahyani auf dem Bauhof in Diensten der Kommune. Sein Bruder Mohamed kam 1972 nach Deutschland, der Vater hatte zu den letzten Gastarbeitern gehört. Zunächst in Mainz-Kastel heimisch, fassten die Lahyanis erst in verschiedenen Bereichen am Flughafen Fuß, kamen dort in Kontakt mit dem Wäschereibetrieb einer Kelkheimerin.

Nach dem Konkurs der Firma bewarb sich Mohamed, der sieben Geschwister, drei Söhne und zwei Enkel hat, bei der Stadt – und bekam den Job in der Gärtnerei. Dort ist er geblieben. Immer gerne, wie er betont. Selbst wenn es hin und wieder Kritik gebe. Nächstes Jahr geht er in Rente und will häufiger in die Heimat reisen.

Wobei: Alle Lahyanis haben inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft, fühlen sich da allerdings manchmal hin und hergerissen. „Das ist das Phänomen des doppelten Herzens“, weiß Omar. Der 38-Jährige ist mit einer Deutschen verheiratet und hat zwei Töchter im Alter von fünf und fast zwei Jahren.

„Man verliert nie die Wurzeln. Spätestens, wenn man in den Spiegel schaut“, können ihm seine beiden Onkel da nur zustimmen. Dass sie ein Musterbeispiel für Integration von beiden Seiten sind – das müssen sie nicht betonen. Bei seinem Vater sei das noch etwas Besonderes gewesen, da sei er als einer der wenigen Ausländer auf der Straße von Polizisten angesprochen worden, ob er Hilfe brauche, erinnert sich Omar.

Für ihn und seine ebenfalls in Deutschland geborene Cousine Sofia wiederum war das alles normal. Beide waren Besucher der Jugendtreffs, für Omar ein Erlebnis mit Signalwirkung: Ein Jugendarbeiter motivierte ihn, mit Hip-Hop beim Newcomer-Festival in Lorsbach aufzutreten. Wegen einer Panne musste die Gruppe dorthin laufen, der Jugendarbeiter begleitete sie. Dieses Engagement hatte Omar derart fasziniert, dass er Sozialarbeiter werden wollte und ihm das über einen kleinen Umweg gelang. Sein Bruder Mohamed ist ähnlich engagiert, gibt für die Stadt Breakdance-Kurse und leitet den Mitternachtsfußball.

Lieber geblieben

Sofias Vater Abdelhafid wiederum hatte es nicht ganz so leicht. 1980 kam er mit seiner Mutter, acht Jahre nach Bruder Mohamed, nach Deutschland. Er sprach „nur“ Französisch, meisterte aber einen Schulabschluss. Der heute 52-Jährige machte eine Lehre zum Werkzeugdreher, wechselte zu einer Spezialfirma in Bremthal.

Als diese nach Hoyerswerda umsiedeln wollte – just in jener Zeit, als 1991 dort Flüchtlinge angegriffen wurden – blieb Abdelhafid lieber in Kelkheim. „Die Anschläge haben mich erschrocken“, sagt der Vater von drei Kindern. Er fand sein berufliches Glück ebenfalls bei der Stadt – im Wasserwerk waren seine Maschinenkenntnisse bestens aufgehoben.

Auch wenn Abdelhafid im Bauhof anfangs etwas zu kämpfen hatte, so blicken die Lahyanis doch auf eine sehr reibungslose Eingliederung zurück. Sie alle sind dankbar für die Chance, die ihnen das Rathaus eröffnet hat. Und da ist Sofia Lahyani eingeschlossen: Denn die 23-Jährige engagiert sich beim „Du-und-Ich-Tag“ der Kommune, hat zudem ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Eichendorffschule gemacht und studiert nun Wirtschaftsrecht.

Sie findet es wichtig, dass Menschen in Kelkheim zusammenkommen. In Sachen Integration sei die Stadt sehr gut aufgestellt, die Bürger seien sehr engagiert, lobt ihr Cousin Omar. Dazu haben auch die Onkel einen Teil beigetragen, wie er weiß. Denn immer wieder komme Lob von außen für eine Stadt Kelkheim, die so schön grün und sauber sei. Und ein Lahyani hatte da ganz bestimmt seine Finger mit im Spiel.

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