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Sucht: Dominik Forster entkam dem Drogensumpf

912 Tage Haft, harter Drogenkonsum und Obdachlosigkeit: Ein Ex-Drogensüchtiger erzählt vor 140 Schülern der 9. und 10. Klasse des Privatgymnasiums Dr. Richter seine Lebensgeschichte über Auslöser, Absturz, Knast, fehlgeschlagene Resozialisierung und seine neue Lebensaufgabe. Drogenprävention mal ganz anders.
Dominik Forster leistet mit seinen Vorträgen Drogenprävention: Jetzt sprach er vor Schülern in Kelkheim. Dominik Forster leistet mit seinen Vorträgen Drogenprävention: Jetzt sprach er vor Schülern in Kelkheim.
Kelkheim. 

„Mein Leben war eine Wolke aus Sternenstaub, ich war wie eine Rakete, die gen Himmel fliegt.“ Mit diesem Satz steigt Dominik Forster in seinen Vortrag ein. „Doch was passiert mit einer Rakete? Irgendwann explodiert sie – und das was übrig bleibt, ist ein großer Haufen Scheiße.“ Die Worte sitzen, sie schlagen ein und erfüllen damit genau ihren Zweck. Denn so schaut das Konzept des Ex-Drogensüchtigen aus: Mit Sprache und Offenheit die Jugendlichen abzuholen. „Man muss eine Sprache sprechen, die bei den Kindern ankommt, die sie verstehen“, weiß er aus seiner nunmehr fünfjährigen Arbeit an Schulen. „Die Kids fassen zu mir vertrauen, weil ich ihnen gegenüber offen und ehrlich bin.“ Eine Öffnung der Schüler erfolge dabei meist erst im Nachhinein über soziale Netzwerke. Zwischen 10 bis 20 Mails erhalte er pro Tag, so der 30-Jährige.

Viele Vorträge

Und auch die Nachfrage von den Schulen nach alternativer Drogenprävention wachse: „Letztes Jahr hatte ich bis Juli drei Vorträge. Dieses Jahr sind es schon dreißig.“ Dabei sei es erst einmal gar nicht so einfach mit seinem Konzept an Schulen heranzutreten. „Es heißt immer: ,Was hast du studiert?’. Meine Antwort lautet dann: ,Nichts. Ich saß im Knast.’“ Und das zu Recht, wie er rückblickend empfindet.

Mit 17 abgerutscht

Doch wie konnte es so weit kommen? Die Familie habe viel Pech und jeder sein eigenes Päckchen zu tragen gehabt, erzählt Dominik Forster. In der Schule lief es nicht gut und stets ging ihm die Frage durch den Kopf: „Wie werde ich zum Coolsten?“. So sei er mit 17 in die Drogenszene abgerutscht. „Es war cool, Drogen zu nehmen. Die Leute haben das gefeiert.“ Mit fatalen Folgen: Im Alter von 21 Jahren war Dominik Forster fest im Drogenkonsum. „Drogen zu nehmen, ist erst einmal wahnsinnig toll. Sonst würden es nicht so viele machen. Nur was danach kommt, daran denken die Süchtigen nicht.“ Es folgten zweieinhalb Jahre Jugendhaft, Selbstmordgedanken und schließlich Therapie. Aber eine erfolgreiche Resozialisierung? Fehlanzeige. „Nur Wenige überleben das erste Jahr nach der Entlassung“, sagt der Nürnberger, denn: Mit Vorstrafe kein Job, ergo kein Geld, keine Wohnung, keine Möglichkeit auf Hartz IV – was bleibt sei die Obdachlosigkeit und so oft der Rückweg in der Verbrecherszene. Er selbst habe Glück gehabt, bekam einen Job und traf einen Sozialarbeiter, der ihm einen Ausweg aus dem Teufelskreis aufzeigte.

Seine Erfahrungen verarbeitete er schließlich in zwei Büchern („Mein Leben als Junkie, Dealer, Häftling“, “#klarkommen“) und sagt: „Manchmal kann ich nicht glauben, was in dem Buch steht, obwohl ich es eigenhändig geschrieben habe.“ Dabei sind ihm drei Worte ganz besonders wichtig: Beruf, Beziehungen, Leidenschaft. „Diese Dinge geben einem einen festen Halt im Leben“, weiß er nun und fügt hinzu: „Ich bin froh, heute noch am Leben zu sein.“ Diese Chance wolle er nutzen, um andere vor denselben Fehlern zu bewahren, sein Stichwort: Drogenprävention.

Als Erwachsener wolle man die Kinder bewahren, dringe aber oft nicht zu ihnen durch, sagt Schulsozialarbeiterin Silvia Schönherr. Aus diesem Grund wollte das Privatgymnasium Dr. Richter das heikle Thema mal ganz anders angehen – mit Erfolg: „Die Veranstaltung kam bei den Schülern super an! Dominik Forster ist tatsächlich zu den Kindern durchgedrungen“, sagt sie begeistert. Sie wolle die Veranstaltung daher auch ihren Kollegen von anderen Schulen weiterempfehlen. „Das hier ist schon sehr außergewöhnlich“, sagt Lehrerin Carolin Mechtel und meint damit das rege Fragestellen der Schüler, die auch nach der Veranstaltung den Referenten wie eine Traube umgeben und sich sein Buch bestellen.

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