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Notlandung: Doppeldecker landet im Rübenacker

Von So etwas hat die Region auch selten erlebt: Eine kleine Staffel mit historischen Flugzeugen ist auf dem Weg zur nächsten Flugshow in Frankreich. Über dem Rettershof bekommt ein Pilot Probleme, muss notlanden und wird von einem Kelkheimer aufgenommen.
Da stand der Doppeldecker noch mitten im Feld: Auf diesem Acker zwischen Fischbacher Friedhof und Rettershof ist der Pilot notgelandet. Dass die Maschine einen französischen Eigentümer hat, ist an der Heckklappe sowie den blau-weiß-roten Kreiszeichen, den Kokarden, zu sehen. Bilder > Da stand der Doppeldecker noch mitten im Feld: Auf diesem Acker zwischen Fischbacher Friedhof und Rettershof ist der Pilot notgelandet. Dass die Maschine einen französischen Eigentümer hat, ist an der Heckklappe sowie den blau-weiß-roten Kreiszeichen, den Kokarden, zu sehen.
Fischbach. 

Es ist Freitagabend, nach 17 Uhr. Vier historische Doppeldecker-Flugzeuge kreisen kurz über dem Rettershof. Ob das wohl ein besonderes Schmankerl für eine Hochzeitsfeier am Schlosshotel ist? Keinesfalls, denn plötzlich sind nur noch drei Maschinen am Himmel zu sehen. Wo ist der vierte alte Flieger geblieben? Während sich die anderen Doppeldecker bald trollen, weil sie natürlich hier auf den Feldern rund um das Hofgut nicht landen können, wird klar: Der Pilot eines historischen englischen Flugzeugs Typ Sopwith Camel ist auf einem Rübenacker notgelandet. Und er bleibt mit der die Replik einer Maschine aus dem Ersten Weltkrieg dank seiner herausragenden Fähigkeiten sowie offensichtlich eines Schutzengels „auf dem Notsitz“ unverletzt. Vermutlich hatte der eigentlich noch recht neue Motor ausgesetzt.

Es ist schon ein kurioses Ereignis, das sich da am Freitagabend bei Fischbach abgespielt hat. Bürgermeister Albrecht Kündiger ist auch zwei Tage danach am Sonntagmorgen noch ganz beeindruckt von dieser ungewöhnlichen Geschichte. Gemeinsam mit Thomas Alisch, Geschäftsführer der Rettershof GmbH, schaut er sich den Flieger noch einmal genauer an. Das rot-weiße Flatterband am Feldweg macht Joggern und Radfahrern deutlich: der Acker ist abgesperrt, das Flugzeug nichts für Schaulustige. „Das hätte viel, viel schlimmer ausgehen können“, sagt Alisch. Der Pilot muss ein exzellenter Könner sein, glaubt Kündiger. Das Flugzeug habe sich nicht überschlagen oder Feuer gefangen.

Öl ausgelaufen

Allerdings hat die Stadt noch ein bisschen Arbeit mit dem Fall, denn mitten im Feld ist Öl ausgelaufen, weshalb nun die Erde an der Notlandestelle ausgebuddelt werden muss. Der Doppeldecker indes steht am Rande des Feldes. Ein Team um den Eigentümer aus Frankreich hat erste Sicherungsmaßnahmen betrieben und ihn dorthin geschoben. Unter dem Motor liegt ein Pappkarton, der auslaufendes Öl auffangen soll. Der Sitz des Piloten, der Notsitz und die Maschinengewehr-Attrappe sind mit einem Tuch abgedeckt. Auf einem Zettel am Flieger steht: „Alles in Ordnung. Rettungsmannschaft ist informiert.“

Quartier bei Kelkheimer

Geschrieben hat das ein engagierter Kelkheimer, der allerdings nicht mit seinem Namen in der Zeitung auftauchen möchte. Er ist Mitglied der Modellflugvereins Rossert in Ruppertshain und erzählt dem Kreisblatt von seiner ungewöhnlichen Geschichte. Es sei am Freitagnachmittag im Feld zwischen Ruppertshain und Fischbach unterwegs gewesen, als er gleich vier alte Flugzeuge am Himmel erspähte: zwei Sopwith-Doppeldecker, einen Eindecker und gar einen Dreidecker mit drei Tragflächen von der deutschen Firma Fokker. Auf einmal seien es nur noch drei gewesen, er habe zuvor auch Rauch am Motor einer Maschine gesehen, erzählt der Beobachter. Zu Fuß eilte er in die Richtung der Flieger und entdeckte schließlich den Piloten mit seiner Sopwith auf einem Rübenacker. „Ich müsse ja schauen, ob alles in Ordnung ist“, sagt er. Das war es, denn der Flieger hatte keinerlei Verletzungen. Der Kelkheimer Flugzeug-Fan nahm den Engländer zwei Tage bei sich zu Hause auf, erlebte die ganzen folgenden Maßnahmen mit.

Es handele es sich um einen 65 Jahre alten Piloten aus England, der dort eine Flugschule für Oldtimer habe. Quasi als freier Mitarbeiter sei er in Flugshows unterwegs. Die Staffel mit den vier Fliegern sei zuletzt in Tschechien in Aktion und am Freitag auf dem Weg zu einer weiteren Vorführung in Frankreich gewesen. Dabei fliegen sie ohne Instrumente „auf Sicht“ – mit einer Reichweite von bis zu 350 Kilometern. Es wäre also mindestens noch ein Tankstopp nötig gewesen, weiß der Helfer. Das Team des Piloten habe dann erst einmal den Vorfall der Luftaufsicht mitgeteilt, denn ein solcher Überflug sei natürlich meldepflichtig. Zunächst sei der Plan gewesen, mit der Maschine dort wieder zu starten – was aber die Behörden untersagten. So rückten die Kameraden des Engländers am späten Samstagabend an und rollten die Sopwith an den Feldrand. Bald soll sie dann mit einem Tieflader abgeholt werden, die Tragflächen würden abmontiert. Der Kelkheimer Unterstützer ist vor allem begeistert von der Flugkunst des Engländers: Es sei eine „Meisterleistung“ gewesen, dort zu landen.

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