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Chefin des Tierschutzvereins über Standort-Lotterie, „Fundkaninchen“ und Liederbachs Pflichten: „Heilfroh, dass es geschafft ist“

Seit gut zwei Jahren ist Rosemarie Hippel Vorsitzende des Tierschutzvereins. Nach der Entscheidung für einen neuen Standort und vor dem Tierheim-Fest hat sie uns einige Fragen beantwortet.
Rosemarie Hippel ist seit 2013 Vorsitzende. Bilder > Foto: Hans Nietner (Hans Nietner) Rosemarie Hippel ist seit 2013 Vorsitzende.

Am Sonntag ist Tag der offenen Tür. Was erhoffen Sie sich von der Veranstaltung, nachdem der neue Standort jetzt klar ist?

ROSEMARIE HIPPEL: Wir waren immer gut besucht und zu so einem Anlass, man kann fast sagen, es ist eine Abschiedsfeier, rechne ich mit vielen Besuchern. Da viele Bürger am Tierschutzverein und am neuen Tierheim interessiert sind, werden wir jedem Rede und Antwort stehen. Ganz bestimmt gibt es Interessenten, die sehr gerne für das neue Tierheim einmal tiefer in die Tasche greifen, um zu spenden. Dafür wären wir dankbar. Ich bin heilfroh, dass diese Hürde jetzt geschafft ist und nicht noch einmal gekämpft werden muss, denn irgendwann geht uns die Puste aus.

Wie geht es mit dem Projekt „Plaul“ nun konkret weiter?

HIPPEL: Die Unterlagen liegen beim Architekten, denn die Gebäude müssen auf dem Lageplan neu eingezeichnet werden. Das dürfte aber in den nächsten Tagen erledigt sein, und dann geht das Ganze mit Bauantrag an das Bauamt. Uns ist bewusst, dass wir noch einen Winter im alten Tierheim überstehen müssen, aber jetzt sehen wir ein großes Licht am Ende des Tunnels. Vielleicht können wir im Frühjahr 2016 mit dem Bau beginnen.

Das Haus soll 280 000 Euro kosten. Die Stadt wird 100 000 Euro beisteuern. Wie will der Verein den Rest finanzieren?

HIPPEL: Der Verein hat Rücklagen dank großzügiger Gönner, die uns im Testament bedacht haben. Auch sonst ist die Spendenbereitschaft groß. Außerdem haben wir sehr gut gewirtschaftet. Auch rechnen wir mit einem beachtlichen Zuschuss der Gemeinde Liederbach. Bürgermeisterin Eva Söllner hat sich noch nicht gemeldet, obwohl dieses Problem auch schon seit Anfang des Jahres besteht. Wir als Tierschutzverein sind für alle Tiere aus Liederbach zuständig. Wir werden zwar jährlich von der Gemeinde bezuschusst, aber das alleine ist nicht ausreichend. Wenn man bedenkt, dass Kelkheim das Grundstück von rund 2000 Quadratmetern zur Verfügung stellt, 100 000 Euro Zuschuss gibt und uns mit einem Betrag jährlich bezuschusst, wünsche ich mir, Liederbach würde sich nicht hartnäckig verhalten, denn auch dort gibt es doch sicherlich tierliebe Bürger. Der Tierschutzverein Sulzbach bekommt für ein neues Hundehaus von einigen Kommunen 100 000 Euro. Wir greifen nicht so hoch. Deshalb müsste es Liederbach doch möglich sein, die von Kelkheim erwähnten 45 000 Euro für den Neubau dem Tierheim zukommen zu lassen.

Die Sommerzeit ist immer eine schwere Zeit für die Tiere. Wie ist die Situation aktuell?

HIPPEL: Ich war immer sehr stolz, dass wir selten ausgesetzte bzw. abgegebene Tiere aufnehmen mussten. In diesem Jahr sieht es etwas anders aus. Vermehrt bekamen wir „Fundkaninchen“. Man sieht den Leuten teilweise schon an, ob sie flunkern, zumal es immer in der Ferienzeit ist. Es gibt auch sehr pflichtbewusste Mitbürger. Sie fragen an, ob sie ihre Nager für die Urlaubszeit bei uns gegen eine Spende unterbringen können. Meistens ist das kein Problem.

Auch haben wir einige Fundkatzen. Sie werden irgendwo auf längere Zeit gefüttert, weil die Leute der Meinung sind, die Katze ist herrenlos. Dann fällt den Leuten ein, dass sie in Urlaub fahren – und dann sind wir gefragt. Natürlich gibt es auch unter den Katzenbesitzern Leute, die uns nach einem Pensionsplatz fragen. Oft können wir auch da behilflich sein. Bei den Hunden ist es nicht so problematisch. Da hatten wir nur einen Abgabehund.

Ein Tag der offenen Tür bietet immer Gelegenheit, für neue Mitstreiter zu werben. Wie sieht es personell im Verein aus?

HIPPEL: Wir haben derzeit rund 60 ehrenamtliche Helfer. Auf den ersten Blick ist das sehr viel, aber trotzdem reichen sie nicht aus. Wenn man bedenkt, dass man für jede Schicht mindestens drei Leute braucht und außerdem für den täglichen GassigehDienst drei Leute, sind das pro Tag neun Helfer. Eng ist es an den Wochenenden. Da werden dringend Ehrenamtliche gesucht. Es ist viel zu tun, denn Tierheimdienst bedeutet nicht, ins Tierheim gehen, ein bisschen füttern und dann Tiere knuddeln, da ist richtig Arbeit angesagt. Man sollte mindestens zwei Stunden am Tag einplanen.

Kritik gab es zuletzt aber am Zickzack-Kurs des Vereins . . .

HIPPEL: Mir ist bekannt, dass uns teilweise die Schuld an diesem Hin und Her gegeben wurde. Das ist Blödsinn. Uns wurde der Platz am Bauhof schmackhaft gemacht. Fanden wir gut, keine Frage. Das nächste war der „Plaul“. Bürgermeister Horn hatte mich auf dieses Grundstück angesprochen und dies als „Sahnestückchen“ bezeichnet. Ich wusste bis dahin davon nichts. Bei der Ortsbegehung im März 2014 kam der „Plaul“ auch ins Gespräch. Es wurde von einigen Leuten abgelehnt. Dann hieß es, das Tierheim wird auf den jetzigen Parkplatz gerückt. Diese Idee fanden wir nicht schlecht, zumal wir 1400 statt bisher 850 Quadratmeter Fläche gehabt hätten. Zum Schluss war es so, dass nach Abzug der Grenzbebauungsflächen 900 Quadratmeter verbleiben. Diese Fläche reicht nicht aus, egal wie wir die Gebäude setzen. Das Problem wurde von Leuten einiger Fraktionen zum Vorwand genommen, uns aufs Korn zu nehmen. Es hieß, wir wollten expandieren, einen Hundezwinger mehr, ein Katzengehege mehr . . . Ich kann nur sagen, dass für den Tierschutzverein alle Objekte in Frage gekommen wären. Denn wichtig ist uns nur, dass wir überhaupt ein Tierheim bauen können. Der jetzige Platz ist optimal, denn wir setzten uns auch für Naturschutz ein – und da werden wir an diesem Ort auch nicht untätig sein.

Offene Türen

Beim Tag der offenen Tür am Sonntag, 6. September, von 10 bis 18 Uhr dürfte neben den Tieren der neue Standort „Plaul“ das Gesprächsthema Nummer eins sein. Treffpunkt ist im Domizil am Zeilsheimer Weg, das die Gäste besichtigen können. Zudem gibt es einen Bücherflohmarkt, Infostände, Kinderschminken und Luftballonkünstler Karlo sowie Essen und Getränke.

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