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Vogelstimmen-Spaziergang: Hessische Rotkehlchen singen Dialekt

Die Amsel ist der Meistersänger unter den Vögeln, auch die Singdrossel ist talentiert: Wer wissen möchte, welche musikalischen Qualitäten die gefiederten Waldbewohner haben und in welchem Dialekt sie singen, sollte mal mit dem Kelkheimer Hobbyornithologen Wolfgang Konzack durch die Natur spazieren.
Schwarze Knopfaugen, rotes Brustgefider und ein „tickernder“ Gesang: Wer dem Rotkehlchen zuhören möchte, sollte früh aus den Federn. Foto: imago stock&people (imago stock&people) Schwarze Knopfaugen, rotes Brustgefider und ein „tickernder“ Gesang: Wer dem Rotkehlchen zuhören möchte, sollte früh aus den Federn.
Kelkheim. 

Früh morgens ist der Gesang im Wald am schönsten: Wenn man sich gut auskennt, kann man die Vögel an ihren Stimmen unterscheiden. Besonders versiert ist Wolfgang Konzack von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, (SDW) in Kelkheim. Vögel sind seine Passion. Gemeinsam mit den SDW-Kollegen Willi Dorn, Vorsitzender des Vereins, und Helmut Krause lädt er immer wieder zur Vogelstimmenwanderung ein.

„Da mussten wir natürlich dabei sein, denn wir beobachten gerne Vögel und mögen ihren Gesang“, erklärt Vogelliebhaberin Sigrid Schöllhorn aus Kelkheim. Sie hat sich gemeinsam mit Mann und Fernglas zu den anderen Naturfreunden gesellt. Konzack kommt, mit einem DVD-Player und diversen Büchern bepackt, den Waldweg entlang.

„Vögel sind schon immer meine große Leidenschaft. Ich habe mal einige Hörbeispiele mitgebracht, die es uns im Anschluss leichter machen sollen, die Vogelarten im Wald zu identifizieren“, erklärt er.

Sie machen Appetit auf den Wald

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, kurz SDW, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1947 gegründet und setzt sich für den Wald und den Schutz der Landschaft ein.

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Bereits vor und während seines Biologiestudiums habe er sich immer mit dem Verhalten der Vögel, den Kennzeichen des Federkleids, aber besonders mit den Gesangsgewohnheiten beschäftigt. Positiv beeinflusst wurde er dabei von seinem damaligen Universitätsprofessor, der ihn motivierte und selbst Hobby-Ornithologe war. Er gibt zu: „Von ihm habe ich viel gelernt. Mit einigen anderen Studis haben wir uns damals gemeinsam auf die Spuren und Singgewohnheiten der Vögel begeben.“

Monotones Gurren

Seither hätte ihn das „Phänomen Vogel“ nicht mehr losgelassen. „Ich kenne mich zwar auch beim Thema Bodenkultur, Waldbeschaffenheit und anderen Naturschutzthemen aus, aber die Vögel mag ich am meisten.“ Als ehemaliger Lehrer begeisterte er seine Schüler für die musikalischen Waldbewohner. Seine Liebe zu Amsel, Buntspecht, Kohlmeise und Sperling waren der Grund, weshalb er vor über 30 Jahren in die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald eingetreten ist.

Sein Lieblingsvogel? „Die Singdrossel kann sehr lange und ganz unterschiedliche Melodien singen.“ Daher mag er auch besonders die Stimmung der Abendstunden, in denen die Singdrossel besonders aktiv wird. Im Lauf der Zeit hat er gelernt, dass die Vögel in unterschiedlichen Dialekten singen. „Der Buchfink in Norddeutschland singt beispielsweise anders als der im Süden. Überhaupt wird der Gesang der Vögel von Faktoren, wie dem angeborenen Gesang, dem Dialekt und den Gesängen der im Umfeld ansässigen Vogelarten, beeinflusst.“

Begabte Vögel wie Amsel oder Drossel könnten aus einem breiten Repertoire schöpfen. Der Gesang sei ausgiebig und abwechslungsreich. Das Trommeln des Spechts oder das monotone Gurren der Tauben klingt für ihn vergleichsweise langweilig, könnten diese beiden Vögel doch nur wenige Singmotive und kaum Melodien.

Sylvia und Heinz Braun wohnen in Waldnähe und beobachten gerne die Piepmätze, die ihren Garten beleben. Mit einer Videokamera ausgestattet hoffen sie einige Vogelarten aufzuspüren und den Gesang der Tiere kennenzulernen. An Wolfgang Konzack gerichtet erklärt die Kelkheimerin, dass sie bereits einige Male einen kleinen Singvogel im Garten zu Besuch hatte, dessen Namen sie nur zu gerne wüsste.

Konzack macht auf ein anderes Thema aufmerksam: „Wussten Sie, dass Vögel unterschiedlich begabt sind?“, fragt er und erklärt: „Die junge Amsel kann fünf bis sechs Melodien. Dies steigert sich im Laufe der Zeit auf ungefähr 15 bis 30 Motive.“ Ohnehin sei die Amsel einer der besten Sänger unter den heimischen Vogelarten. Während Konzacks Studentenzeit in den 70er-Jahren seien Amseln noch bevorzugt im Wald ansässig gewesen. Mit einer Fluchtdistanz von etwa 100 Metern hätten sie sich nicht gerne in der Nähe von Menschen aufgehalten. Heute habe sich die Amsel der Urbanisierung angepasst und sei in die Gärten eingezogen.

Nicht so der Sperling, der sich in diesen Breitengraden deutlich dezimiert hat. Der Profi weiß: „Diese Vogelart findet hier nicht mehr genug Brut- und Nistplätze. Dies ist auch übrigens bei der Schwalbe so. Neu errichtete Häuser bieten kaum noch Nischen und Löcher, in denen die Vögel nisten können.“

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