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Naturschutzgebiet: Im Krebsbachtal tummeln sich seltene Tiere und Pflanzen

Von Vor 25 Jahren erklärte das Regierungspräsidium eine 84 Hektar große Fläche in Ruppertshain zum Naturschutzgebiet. Kaum ein Flecken im Main-Taunus-Kreis ist blütenreicher.
Die Wiesen im Ruppertshainer Krebsbachtal gehen in buschige Landstriche und Wald über. Die Wiesen im Ruppertshainer Krebsbachtal gehen in buschige Landstriche und Wald über.
Kelkheim. 

Es ist herrlich. Wenn an einem sonnigen Tag der Wind sanft über die Gräser hinweg weht und die Baumkronen berührt, ist ein Abstecher ins blütenreiche Krebsbachtal eindrucksvoll. Ein Ausflug in das Naturschutzgebiet ohne Regen macht besonders viel Spaß. Füchse, Rehe, Wildschweine und Hasen fühlen sich wohl in dem idyllischen Tal. Doch noch spannender ist die Welt der kleinen Bewohner, die dieses seit 25 Jahren streng geschützte Gebiet ihr Zuhause nennen. „Ein Beispiel hierfür ist der Wiesenknopf-Ameisenbläuling“, wissen die Umwelt-Experten des Darmstädter Regierungspräsidiums (RP), das die 84 Hektar große Fläche 1992 zum Naturschutzgebiet erklärt hatte.

Die Groppe wurde erfolgreich im Krebsbach wiederangesiedelt. Bild-Zoom Foto: (NN)
Die Groppe wurde erfolgreich im Krebsbach wiederangesiedelt.

Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous) gilt als eher unscheinbarer Schmetterling mit braunen Flügeln und schwarzen Augenflecken mit weißer Umrandung an seiner Unterseite. Wer sich allzu sehr vom Namen „Bläuling“ leiten lässt und nach einem blauen Flugkünstler Ausschau hält, liegt daneben. „Nur die Oberflügel der Männchen schimmern leicht blau“, klären die HGON-Experten auf. „Bei den Weibchen sind sie unauffällig.“ HGON steht für Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. Ihr Kelkheimer Zweig ist vorbildlich engagiert in Sachen Natur-, Tier- und Umweltschutz, auch und gerade im Ruppertshainer Krebsbachtal.

Rücksichtsvoll mähen

Der Ameisenbläuling ist angewiesen auf die Futterpflanze „Großer Wiesenknopf“, der auf feuchten Wiesen wächst, und auf die Rote Gartenameise. „Der Schmetterling legt seine Eier in die Blütenstände des Wiesenknopfes“, erläutern die Fachleute. „Die Raupen fressen die Blütenstände von innen heraus ab und lassen sich nach der dritten Häutung – nur wenige Millimeter groß – zu Boden fallen.“

Bei den Baumarten sei im Krebsbachtal nahezu alles anzutreffen, was der Wald hierzulande hergibt, da auch Laub- und Nadelwälder dazugehören. „Erwähnen sollte man den Erlensaum am Bach und die Weidengebüsche in den feuchten Wiesen“, teilt Christoph Süß fürs RP mit. „Hybridpappeln und Fichten, die es in der Talaue noch auf Privatgrundstücken gibt und nicht ins Naturschutzgebiet gehören, lassen sich aber nur schwer gegen den Willen der Eigentümer entfernen.“ Auenwälder mit angrenzenden Wiesen säumen den Bach und bieten einen wertvollen Lebensraum für Kleintiere und Insekten.

Der Biologe Matthias Fehlow kennt das Krebsbachtal sehr gut. Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Der Biologe Matthias Fehlow kennt das Krebsbachtal sehr gut.

Ein großartiger Kenner des Krebsbachtals ist der Biologe und HGON-Aktive Matthias Fehlow. Er sagt, es sei im Vergleich zu anderen Schutzgebieten „sehr, sehr gut in Schuss“. Es gehöre zu den blütenreichsten Gebieten im MTK. Dort werde nicht gedüngt. Es gebe vertretbare gute Orchideen-Bestände, und selbst Vögel wie der Neuntöter hätten im Krebsbachtal gute Chancen. Es werde beispielsweise auch so gemäht, dass der Wiesenknopf-Ameisenbläuling nicht seine Futterpflanze verliert. Das Krebsbachtal ist eines der Schutzgebiete, in denen Landwirte einen Ausgleich erhalten, falls Schutzmaßnahmen zu Ertragsausfällen führen. Das funktioniere gut in Ruppertshain.

Aber auch der MTK mischt mit. „Der Main-Taunus-Kreis mit seinen vielen Grünflächen legt großen Wert auf die Erhaltung der Artenvielfalt“, betonen Johannes Latsch, Sprecher des Landratsamtes, und die Naturschutz-Experten des Kreises auf Anfrage. „Dieses Ziel muss aber nach soliden fachlichen Gesichtspunkten verfolgt werden.“ Wiederansiedlungen, so heißt es, werden nur „sehr selten“ durchgeführt: „Das Aussterben von Arten hat immer einen Grund, der vorher beseitigt werden muss; sonst hat das wenig Sinn.

Ein Blauschwarzer Ameisenbläuling auf seiner Futterpflanze, dem Großen Wiesenknopf. Bild-Zoom
Ein Blauschwarzer Ameisenbläuling auf seiner Futterpflanze, dem Großen Wiesenknopf.

Nur wenn die Ursache für das Aussterben nicht mehr vorliegt, hätte eine Wiederansiedlung Aussicht auf Erfolg. Zunächst sollte aber abgewartet werden, ob die Arten von alleine wiederkommen. Daher legt der MTK einen Schwerpunkt auf die Pflege seltener Biotope oder ermöglicht Vogelarten durch Anlegen von potenziellen Brutplätzen die Wiederbesiedlung.“

Storch kehrte zurück

Als eine Ausnahme siedelte der MTK im Krebsbach zwischen Fischbach und Ruppertshain 2011 die geschützte Groppe an. Nach Gewässerverschmutzungen vor einigen Jahrzehnten war diese Fischart ausgestorben. Nach Matthias Fehlows Auskunft fasste die Groppe „gut Fuß“. Nun sei auch der Schwarzstorch wieder anzutreffen.

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