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Albert-von-Reinach-Schule: Im Ruhestand geht sie in die Luft

Mit Musik, Sport und Reden hat die Grundschule ihre Chefin verabschiedet. Die Nachfolge ist längst geregelt.
Bunter Abschied: Die Kinder der Albert-von-Reinach-Schule ließen für Barbara Cleff-Pfauntsch jede Menge Luftballons fliegen. Foto: Knapp Bunter Abschied: Die Kinder der Albert-von-Reinach-Schule ließen für Barbara Cleff-Pfauntsch jede Menge Luftballons fliegen.
Fischbach. 

Dass diese Frau bis zu ihrem letzten Arbeitstag – der heute ist – für „ihre“ Albert-von-Reinach-Schule lebt, es ist bei der Verabschiedung am Montagvormittag nicht zu übersehen. Immer dann, wenn ein Redebeitrag oder eine Aufführung der jeweiligen Jahrgänge der Grundschule enden, steht Noch-Schulleiterin Barbara Ckeff-Pfauntsch auf, herzt die Vortragenden und bedankt sich artig. Als beim ersten Lied vom Chor die Box ihren Dienst versagt, ruft sie zweideutig in die Menge von Schülern, Lehrerin und Eltern: „Wir brauchen hier unbedingt etwas Neues.“

Info: Neue Schule seit Jahren Thema

Schon seit gut zehn Jahren sei ein Neubau ein Thema an der Albert-von-Reinach-Schule, weiß Barbara Cleff-Pfauntsch. Auch in ihrer Abschiedsrede sparte sie die für sie schon ärgerliche Sache nicht aus.

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Michael Köhler folgt ihr

Mit dieser offenen Art kam die gebürtige Dortmunderin schnell an in Fischbach. Entsprechend bunt fällt das Lob der Weggefährten zum Abschied von Barbara Cleff-Pfauntsch aus, die von Michael Köhler von der Hofheimer Pestalozzi-Schule beerbt wird: „Du hast vieles und viele bewegt. Mit klaren Vorstellungen, aber nicht kompromisslos“, sagt Konrektorin Marion Engler. Es werde „merkwürdig“ sein, wenn die Chefin morgens nicht mehr reinkomme und über das Wetter oder die Müllabfuhr grantele.

Die Schüler nehmen das Lob auf. Die Zweitklässler singen lautstark: „Du sagst jetzt hier ade in diesem Schulbetrieb – alle diese Jahre warst du immer lieb.“ Dass sie die Schule „großartig gesteuert“ habe, dieses Zeugnis stellt ihr Erster Kreisbeigeordneter Wolfgang Kollmeier aus, vergibt gemeinsam mit den 220 Schülern die Note „Eins“ und betont: „Hier geht schon ein ganzes Stück Erfahrung.“ Kollmeier zieht den Hut vor der 65-Jährigen, die am Tag vor der Abschiedsfeier Geburtstag hatte.

Sie hat an sechs Schulen im Kreis unterrichtet – Westerbach-, Süd-West- und Kleist-Schule (mit Hausunterricht eines erkrankten Schülers) in Eschborn, Wichern-Schule in Hofheim, Weinberg-Schule in Hochheim und Georg-Kerschensteiner-Schule in Schwalbach. Nach zwei Jahren an einer Heim-Sonderschule in Kirchheimbolanden wurde sie 1997 Konrektorin in Fischbach. Sieben Jahre später übernahm sie den Chefposten von Petra Lueken. Nach dieser Lehrzeit habe sie gedacht: „Okay, das kannst du auch“, sagt sie im Kreisblatt-Gespräch.

In der Tat: Sie blickt auf erfolgreiche 20 Jahre zurück, hebt vor allem die erfolgreich bestandenen Schulinspektionen hervor – beim zweiten Mal mit Bestnoten. Stolz ist Barbara Cleff-Pfauntsch auf den Umgang mit neuen Medien und das Prädikat „Gesundheitsfördernde Schule“ mit vier Teilzertifikaten. Eines davon ist der Sport – und den demonstrieren die vierten Klassen zum Finale. Seilspringen, Kastenhüpfen, Purzelbäume, Räder, Skateboard-Runden: „Da hat man ja wohl gesehen, dass dieses Zertifikat berechtigt war“, schwärmt sie von der Vorstellung der Kinder – die noch Plakate mit dem Satz „Bleib gesund und munter“ hochhalten.

Das wird Barbara Cleff-Pfauntsch sicherlich. Sie freue sich auf „Freizeit, Freizeit, Freizeit“. Drei Urlaube seien gebucht, zudem spielt die Zeilsheimerin gerne Tennis und Golf. Das Privatleben habe in ihrer Karriere gelitten. Als sie ihre Abschiedsrede zu Hause geübt habe, da seien ihr die Tränen gekommen. Da kommt das große Taschentuch ihrer Stellvertreterin gerade recht. „Ich bin gerne Lehrerin und Schulleiterin gewesen. Wir waren ein gutes Team. Mit der Mannschaft kann das Schiff jede Flaute, jeden Sturm überstehen. Wir haben gemeinsam gekämpft, gelacht und geweint.“ Wieder ist sie den Tränen nah, findet aber schnell zu deutlichen Worten zurück. Schade findet sie, dass es mit einem neuen Schulhaus nicht geklappt hat (siehe „Info“). Dem Kreisblatt sagt sie: „Ich hätte gerne mehr bewegt, etwa bei der Inklusion. Aber dafür fehlen uns Räume und das Personal.“ Auch seien immer mehr Verwaltungsaufgaben hinzugekommen. „Das ist ein Manager-Job“, weiß sie längst.

„Immer gut gelaunt“

Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger kann von den engen Verhältnissen an Schule und Betreuung ebenso ein Lied singen. Die Zusammenarbeit sei trotz aller Hürden aber „vorbildlich“ – und Barbara Cleff-Pfauntsch „eigentlich immer gut gelaunt“ gewesen. Dieses Lob habe er auch von allen aktuellen oder ehemaligen Schülern gehört. Elternbeiratsvorsitzende Simone Boscheinen hebt noch „das große Vertrauen, das wir in die Schule haben“, hervor: „Das haben wir Ihnen zu verdanken.“ Und Melanie Reichardt vom Personalrat betont: „Du hast uns das Gefühl gegeben, dass unsere Arbeit wichtig ist.“

Zum Dank darf Barbara Cleff-Pfauntsch in die Luft gehen. Einen Gutschein für eine Fahrt mit dem Heißluftballon gibt’s – und passend dazu lassen die Schüler der 11 Klassen und die 13 Lehrer bunte Ballons in den Himmel steigen. Sicher verbunden mit allerlei Wünschen. Einen wird die scheidende Schulleiterin ihrem Fischbacher Team allemal erfüllen: „Ich werde euch ganz sicher oft besuchen.“

(wein)
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