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Experten setzen auf neue Projekte: Interview mit Stefan Sowade über die Wasserknappheit in "Bergdörfen"

In den „Bergdörfern“ wurde vor einigen Wochen der Wassernotstand ausgerufen. Viele Bürger haben umgehend reagiert und kühles Nass eingespart. Dennoch gab es Gesprächsbedarf, die Stadt lud daher am Mittwochabend zur Informationsveranstaltung mit 150 Besuchern ein. Rund ums Thema Wasser beantworteten Stefan Sowade, Technischer Betriebsleiter der Stadtwerke, und Wassermeister Christian Schmitt Kreisblatt-Redakteur Frank Weiner außerdem noch weitergehende Fragen.
Wassermeister Christian Schmitt im Hochbehälter Rossert bei Eppenhain. Dort hat sich der Wassernotstand bemerkbar gemacht. Foto: Hans Nietner Wassermeister Christian Schmitt im Hochbehälter Rossert bei Eppenhain. Dort hat sich der Wassernotstand bemerkbar gemacht.
Eppenhain/Ruppertshain. 

Wie haben die Menschen in den „Bergdörfern“ die Maßnahmen der Stadt – Sparen beim Wasserverbrauch, Verbot von Tätigkeiten wie Autowäsche oder Gartenbewässerung – denn aufgefasst?

STEFAN SOWADE: Die Bewohner haben sich umgehend an die Durchsagen der Feuerwehr gehalten. Der Wasserverbrauch ist sehr deutlich zurückgegangen. Wir danken der Bevölkerung in Ruppertshain und Eppenhain für das vorbildliche Verhalten und für die Bereitschaft, die notwendigen Einschränkungen bei ihrem Wasserverbrauch vorzunehmen.

CHRISTIAN SCHMITT: Auch uns Kelkheimern kann es nicht egal sein, wenn durch immer höheren Verbrauch die Grundwasserreserven im Vogelsberg oder im Hessischen Ried immer weiter gefährdet sind.

Warum wurde nicht früher zum Wassersparen aufgerufen?

CHRISTIAN SCHMITT: Es erfolgte vorab keine Mitteilung an die betroffenen Bürger, da bis zum besagten Wochenende (4./5. August) alle Trinkwasserversorgungsbrunnen zwar kontinuierlich eine Absenkung des Wasserspiegels von zwei bis drei Zentimetern zu verzeichnen hatten, wegen der Hitzeperiode, jedoch war und ist die Wasserversorgung für den Normalverbrauch sichergestellt.

Wie ist der aktuelle Stand zum Thema? Gelten die Regelungen noch? Werden die Vorgaben aufgehoben?

Stefan Sowade, technischer Betriebsleiter im Wasserwerk. Bild-Zoom Foto: Hans nietner
Stefan Sowade, technischer Betriebsleiter im Wasserwerk.

SOWADE: Bedingt durch den aktuellen Wetterumschwung und die damit verbundene Abkühlung hat sich der Trinkwasserverbrauch „normalisiert“, das heißt, dass sich die kontinuierliche Absenkung des Wasserspiegels stabilisiert hat. Diese Tendenz ist bei allen Trinkwasserversorgungsbrunnen zu erkennen. Von einer Erholung der Grundwasserstände kann zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht gesprochen werden.

SCHMITT: Es sollte daher weiter der gesunde Menschenverstand eingesetzt werden, so dass eine Bewässerung von Rasen und Garten sowie das Auffüllen von Pools nicht erfolgen sollen.

Welche Konsequenzen zieht die Stadt aus dem Wassernotstand? Die zusätzliche Notleitung von Fischbach kann ja wohl keine Dauerlösung sein.

SOWADE: Es gibt eine Reihe von konkreten Maßnahmen für ganz Kelkheim: Aktuell wird für rund 1,2 Millionen Euro eine zweite Wasserkammer an den Hochbehälter Gundelhardt angebaut. Im Zuge einer Interkommunalen Zusammenarbeit mit dem Wasserbeschaffungsverband Hofheim wird von Lorsbach über die Gaststätte Gundelhardt zum Hochbehälter Gundelhardt eine neue Verbindungsleitung gelegt. Für die Überbohrung eines bestehenden Brunnens in den Krautgärten in Münster wurden Mittel von 350 000 Euro für das Haushaltsjahr 2019 angemeldet. Geplant ist auch die Verlegung einer Verbindungsleitung vom Zauberberg zur Entsäuerungsanlage Ruppertshain in der Hochzone.

SCHMITT: Nicht zu vergessen Gespräche mit Zeitzeugen, um deren Kenntnisse zur Wasserversorgung zu nutzten. Bei der Durchsicht von Altunterlagen mit der Prüfung von bestehenden Bauwerken kann geschaut werden, ob eventuell einige wieder aktiviert werden, um mehr Fördermöglichkeiten im Bereich von Eppenhain zu bekommen.

SOWADE: Und es sollen Fachgespräche mit einem Ingenieurbüro für Hydrologie zeitnah erfolgen. Eventuell schon im Zuge der geplanten Überbohrung des Brunnens „Krautgärten II“.

Kelkheim ist beim Wasser keine „Insel“, auch andere Kommunen sind betroffen. Worin besteht Ihrer Ansicht nach das Hauptproblem?

SOWADE: Das Problem ist, dass jahrzehntelang die Wasserversorgung nur „unterhalten“ worden ist und notwendige Investitionen nicht durchgeführt worden sind. Ähnlich wie bei Brückensanierungen: Es war erst 40 Jahre Stillstand, dann kommt alles auf einmal.

Auch wenn die Hitze wohl so langsam vorbei ist – Wassersparen ist ein Dauerthema. Welche Ratschläge geben Sie den Menschen, nicht nur in Kelkheim, für den Umgang mit dem kostbaren Nass mit auf den Weg?

SCHMITT: Dass das Bewusstsein für den Umgang mit Trinkwasser dazu führt, dass insgesamt die Verbräuche stabilisiert werden.

Müsste sich vielleicht auch etwas an den Rahmenbedingungen ändern, damit die Kommunen mehr Sicherheit oder Möglichkeiten bekommen?

SOWADE: Auch hier ist Gesprächsbedarf im Hinblick auf Genehmigungsverfahren. Hier ist die Landesregierung gefordert, um den Wasserversorgern die Möglichkeit zu geben, Neuanlagen ohne unnötige Auflagen zu errichten.

Zum Abschluss: Wie gehen Sie privat mit dem Thema um? Wie sparen Sie Wasser?

SOWADE: Ich beschränke mich auf ein notwendiges Maß beim Wasserverbrauch, zum Beispiel beim Gießen der Rasenflächen oder dem restlichen Garten.

SCHMITT: Eine gute Sache, denn auch ein ausgetrockneter Rasen wird im Normalfall wieder grün.

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