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Kreisstadt will für einen Haltepunkt kämpfen: Kein Bahnhof für Wallau

Von Die Deutsche Bahn möchte an der Wallauer Spange keinen Haltepunkt bauen. Ob die Stadt Hofheim noch etwas erreichen kann?
ICE-Strecke Köln-Frankfurt im Wallauer Norden: Links und rechts der Haupttrasse zweigen die Gleise Richtung Wiesbaden ab. Links fahren die Züge, von Köln anrollend, in die Landeshauptstadt, rechts fädeln sie sich von Wiesbaden zurückkommend nach Köln ein. Die Autobahn ist die A 3. Foto: Maik Reuß ICE-Strecke Köln-Frankfurt im Wallauer Norden: Links und rechts der Haupttrasse zweigen die Gleise Richtung Wiesbaden ab. Links fahren die Züge, von Köln anrollend, in die Landeshauptstadt, rechts fädeln sie sich von Wiesbaden zurückkommend nach Köln ein. Die Autobahn ist die A 3.
Hofheim. 

Die Wallauer hätten gerne einen Haltepunkt, Wiesbaden möchte einen Bahnanschluss für Delkenheim, nach einer älteren Machbarkeitsstudie wäre ein Bahnhof in Massenheim aber sinnvoller. Im dortigen Ortsbeirat ist auch schon die Hoffnung aufgekeimt, bei der Gelegenheit könne der lange geforderte Radweg nach Wallau gleich mit gebaut werden.

Die Rede ist von der Wallauer Spange, einer Querverbindung der beiden nach Wiesbaden und Frankfurt führenden Äste der Schnellbahnstrecke aus Köln. Gebaut werden soll die, grob gesagt, südlich des Wiesbadener Kreuzes. Das Projekt elektrisiert die Kommunalpolitiker. Das Hofheimer Viererbündnis aus CDU, SPD, FWG und FDP im Stadtparlament zum Beispiel hat die Unterstützung für die Wallauer Spange in seine Kooperationsvereinbarung aufgenommen.

Zeichnung aus dem Jahre 1890: Der Kommentar unter dem Bildchen lautete: „Diese Wallauer Bäuerin wartet bis heute auf den Zug durchs Ländchen.“
Der alte Traum von der Ländchesbahn

Ein Bahnhof für Wallau - das ist keine neue Idee. Anfang der 1870er Jahre wurde über Pläne zum Bau einer Bahnstrecke etwa auf der heutigen Trasse der A 66 gesprochen, treibende Kraft war die Handwerkskammer Wiesbaden.

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Allerdings sieht es für die Idee nicht gut aus. „Ein Bahnhof oder Haltepunkt sind dort nicht vorgesehen und werden von uns derzeit auch nicht geplant“, erklärte eine Sprecherin der Deutschen Bahn Netz AG. Sie weist darauf hin, dass die Wallauer Spange im Bundesverkehrswegeplan steht. Als der erarbeitet wurde, habe es ein umfangreiches Beteiligungsverfahren gegeben. Das kann man so verstehen, dass keiner sich ausreichend stark gemacht hat für einen Haltepunkt an dem Gleis.

Dass es gebaut wird, ist sicher. Denn die Wallauer Spange ist Bestandteil einer neuen Bahnstrecke vom Rhein-Main-Gebiet ins den Rhein-Neckar-Raum. Die Strecke verstärkt die Kapazitäten der Verbindung aus den Niederlanden und dem Ruhrgebiet hinunter in die Schweiz, nach Italien und Südfrankreich. Die Wallauer Spange dient dazu, Wiesbaden an das System anzuschließen. Die ICE können bei Wallau bisher nur aus Richtung Köln in die Landeshauptstadt abzweigen. Zurück geht es dann nur in Richtung Köln, da die Verbindung Richtung Frankfurter Flughafen – eben die Spange – noch fehlt.

Im Prinzip wäre ein Halt in Wallau nur ein ganz kleiner Nebenaspekt. Aber wer sich für das Projekt interessiert, wird ernüchtert feststellen, dass an einen solchen Bahnhof nicht gedacht ist. In einem speziellen Internetauftritt der Bahn zu der Neubaustrecke ist jedenfalls an keiner Stelle davon die Rede. Im öffentlich zugänglichen Pressebereich gibt es sogar eine Videoanimation der ganzen Spange. Der Film wartet mit vielen konkreten Informationen auf – was nicht zu sehen ist, ist ein Bahnhof.

Hofheims Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU) will allerdings nicht die Flinte ins Korn werfen. Ein Wallauer Bahnhof könne parallele Verkehrswege entlasten, so Exner unlängst im Ortsbeirat. Ganz klar: Kommt man mit der Bahn schnell nach Wiesbaden oder zum Flughafen, ist die Neigung groß, auf die Fahrt mit dem Auto über die stark befahrene A 66 zu verzichten. Interessant wäre ein Haltepunkt dort auch für die Nachbarorte Diedenbergen, Delkenheim und Massenheim. Er sei auch wichtig für die Akzeptanz des Gesamtprojektes. Hofheim und Hochheim würden heftig dafür kämpfen, dass er gebaut werde, kündigte er an.

Einen genaueren Zeitplan konnte Exner dem Ortsbeirat nicht nennen, und tatsächlich gibt es den auch noch nicht. Nach Aussage der Sprecherin hat die Bahn gerade mit den Vorplanungen für die Wallauer Spange begonnen. Völlig unkalkulierbar ist überdies, wie das Genehmigungsverfahren läuft. Da braucht man schon etwas Zuversicht, um wie Exner im Ortsbeirat unter Berufung auf die Bahn zu erklären, mit dem Bau könne zügig begonnen werden. „Nicht vor Mitte der 2020er Jahre“ sei der Baubeginn für die Gesamtstrecke möglich, heißt es bei der Bahn. Ob im Vorgriff die Wallauer Spange realisiert werden könnte, ist unklar.

Die Hoffnungen der Kommunen haben sich natürlich nicht auf den Fernverkehr gerichtet, der die Wallauer Spange nutzen soll. Die ICE-Züge halten nur an größeren Städten, zwischen Frankfurt und Köln beispielsweise höchstens drei mal. Anders sind die kurzen Fahrzeiten gar nicht zu erreichen.

Ganz ähnlich gilt dies aber auch für den so genannten Hessen-Express. Das ist ein Zug, der von Wiesbaden über die Wallauer Spange zum Flughafen und später auch noch nach Darmstadt fahren soll. Aus der Landeshauptstadt wird man dann in 15 statt bisher 30 Minuten zum Flughafen fahren, nach Darmstadt sind es 30 statt 45 Minuten. Die Züge sollen im Halbstundentakt verkehren – das ist zweifellos eine attraktive Verbesserung für viele Bahn-Kunden.

Nur: Wenn der Hessen-Express in Wallau hält, dann werden möglicherweise eine ganze Reihe anderer Kommunen fordern, dass der Zug auch dort Station macht. Dann aber wäre die Attraktivität als schnelle Verbindung gefährdet. Hofheim muss sich schon gute Argumente überlegen, um für diesen Stadtteil noch etwas zu erreichen. Ob es ganz aussichtslos ist? „Derzeit“ werde in Wallau ein Bahnhof nicht geplant, erklärte die Bahn-Sprecherin. Das lässt sprachlogisch zumindest zu, dass es zu einem späteren Zeitpunkt anders sein könnte.

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