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Widerstand: Kelkheim: Tennisspieler wehren sich gegen Abriss am Rettershof

Die Betreiber des Schlosshotel am Rettershof haben große Pläne und hoffen bis Ende August auf grünes Licht. Doch es regt sich auch zarter Widerstand einer Gruppe von Freizeitsportlern.
Thomas Trautmann, Mathias Berg und Armin Gehrig (von links) spielen regelmäßig Tennis am Rettershof. Doch es gibt Pläne, den Platz und das Haus darunter abzureißen und neu zu bauen. Was den Hobbysportlern allerdings nicht schmeckt. Foto: Hans Nietner Thomas Trautmann, Mathias Berg und Armin Gehrig (von links) spielen regelmäßig Tennis am Rettershof. Doch es gibt Pläne, den Platz und das Haus darunter abzureißen und neu zu bauen. Was den Hobbysportlern allerdings nicht schmeckt.
Kelkheim. 

Sie haben schon fast eine Stunde gespielt, doch Armin Gehrig und Thomas Trautmann liefern sich weiter schnelle Ballwechsel. Flach saust die Filzkugel über das Netz, während es leicht dämmert. Doch der Blick hier oben vom Rettershof über die Felder bis Ruppertshain ist noch immer grandios. Tennis spielen in einer Idylle – am Fuße des Schlosshotels geht das. Noch.

Denn Trautmann und Gehrig sowie Mathias Berg, der an diesem Abend nur Zuschauer ist, fürchten das Ende der Sportanlage. Im Kreisblatt haben sie gelesen, dass der Tennisplatz und das alte Häuschen nebenan abgerissen werden sollen. Die Betreiber des Hotels, Daniela Schwarz und Hans-Jürgen Laumeister, planen in Kooperation mit der Stadt als Eigentümerin ein besonderes Projekt: Hier soll ein Neubau für eine Kochschule mit einem Restaurant für deutsche, österreichische und böhmische Küche entstehen. Zudem möchte die Kommune am Park eine feste Bühne installieren, damit der ständige Auf- und Abbau für die Veranstaltungen beim Kultursommer ein Ende hat.

Anlage aufwerten

Pläne, die den Tennisspielern nicht schmecken. Sie haben jetzt Bürgermeister Albrecht Kündiger einen Brief geschrieben. „Wir spielen seit Jahren auf dem Platz, der sich in einem hervorragenden Zustand befindet“, schreiben sie und heben die naturnahe Lage hervor. Sie machen Vorschläge, den Platz besser zu vermarkten und die Gebühr anzuheben, damit es kein Zuschussgeschäft bleibt. Sie können sich vorstellen, dass Tennisplatz und Neubau auch nebeneinander genug Raum hier oben hätten.

Doch ihre Chancen, das Projekt zu stoppen, sind gering. Die Verantwortlichen im Aufsichtsrat der Rettershof GmbH sehen das Vorhaben durchaus positiv, darunter Bürgermeister Kündiger. Er betont, dass auf dem Platz kaum gespielt werde und es ausreichend Kapazitäten in anderen Tennisclubs gebe. Dass hier nichts los ist, da sind sich die Spieler um Trautmann nicht so sicher. Mittwochs und sonntags, wenn sie Bälle schlagen, seien drumherum immer andere Sportler im Einsatz. Ihnen sei es einfach wichtig, mal jenseits eines Vereinslebens Sport machen zu können.

Blick in Belegungsplan

Die Zahlen bestätigen die Aussage der Stadt. Gleich nach dem Ortstermin auf dem Tennisplatz schaut das Kreisblatt an der Rezeption des Schlosshotels vorbei – und trifft Chef Laumeister. Der erklärt, es seien selten Hotelgäste auf dem Platz. Die ziehen das Restaurant, die Sauna oder den Spaziergang im Taunus vor. Den Frust der privaten Spieler kann er verstehen und gewährt gerne einen Blick in den Belegungsplan. Da sind unter der Woche jede Menge Lücken, nur abends ab und zu Einträge. Und der Sonntag ist in der Datei gut belegt. In der Praxis sehe er da aber nicht den ganzen Tag Sportler, berichtet Laumeister.

In seinen Augen sei der Platz „absolut verzichtbar“. Und er bittet die Hobbysportler, auch die wirtschaftlichen Interessen des Hotels sowie der Stadt zu sehen. Laumeister und Schwarz haben den Betrieb aus den Niederungen nach oben geholt. „Wir sind eines der 500 besten Hotels in Deutschland, und da steht eine baufällige Scheune“, betont Laumeister. Auf diesen Zustand haben ihn einige Gäste angesprochen. Bei den Trauungen im Schlosshotel ist das Haus mit seinen 50 Mitarbeitern schon bis 2019 ausgebucht. Und das vertrage sich nicht immer mit Tennis – wenn sich ein Paar im Park gerade das „Ja-Wort“ geben will und unterhalb das „Plopp“ der Bälle zu hören ist.

Für Laumeister ist klar: Das neue Projekt sollte kommen, um den weiteren Bedarf zu decken. Denn neben der Kochschule soll das Restaurant mit bis zu 75 Plätzen innen und 80 außen auf der Terrasse mit Ausblick ein neuer Magnet für Kelkheim werden. Bis Ende Oktober rechnet er mit einer Entscheidung, im Herbst 2018 könnte Baubeginn, 2019 dann Eröffnung sein, hofft er. Der Denkmalschutz habe schon grünes Licht für den Abriss des Häuschens gegeben. Über eine Anpassung der Pacht soll sich das Projekt schnell amortisieren, ist Laumeister überzeugt. Die Investitionskosten liegen mindestens hoch im sechsstelligen Bereich, auch wenn keiner darüber reden mag.

Die Tennisspieler interessieren sich für solche Zahlen allerdings weniger. Sie möchten die Pläne schon gerne gestoppt sehen – aber nicht um jeden Preis. Den Klageweg schließen sie dann doch aus. Und vielleicht finden sie ja ein festes Plätzchen in einem der Tennisclubs der Stadt, sollte das Gastronomie-Projekt kommen.

(wein)
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