E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Homburg 21°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Rettershof: Nach Großbrand: Katastrophentourismus und ein verseuchter Rettersbach

Von Auch am Tag nach dem großen Feuer gibt es noch keine Erkenntnisse zur Ursache des Brandes auf dem Rettershof. Offenbar ist der betroffene Gebäudeteil komplett zerstört. Die Stadt hat den Wiederaufbau angekündigt. Aktuell darf kein Wasser aus dem Rettersbach entnommen werden.
Einem Trümmerfeld gleicht der Innenhof des Rettershofs. Gestern war das Technische Hilfswerk dort mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Einem Trümmerfeld gleicht der Innenhof des Rettershofs. Gestern war das Technische Hilfswerk dort mit Aufräumarbeiten beschäftigt.
Kelkheim. 

Es handelte sich zwar um einen Fehlalarm, als gestern in Kelkheim gegen 8 Uhr am Morgen die Sirenen heulten. Aber über dem Rettershof stieg auch an diesem Tag noch Rauch auf, und die Feuerwehr hatte noch allerlei zu tun. Bis zum Abend waren die Einsatzkräfte damit beschäftigt, glimmende Heuballen aus dem abgebrannten Stallgebäude zu holen.

Bilderstrecke Großbrand Rettershof: Zwei Pferde tot
Ein Großbrand ist in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch auf dem Rettershof in Kelkheim-Fischbach ausgebrochen.Noch den ganzen Vormittag über löschten Feuerwehrmänner aus der Region die Flammen.Die Scheune wurde komplett zerstört. Als das Feuer ausbrach schliefen dort zwei Kinder im Stroh, die nicht verletzt wurden.

"Das Löschwasser reicht"

Die wurden auf einen Acker an der Straße nach Ruppertshain geschafft und dort abgelöscht. Parallel liefen die Aufräumungsarbeiten, Feuerwehrleute bauten am Vormittag die nach Fischbach gelegte doppelte Schlauchleitung ab. „Das Wasser aus dem Löschteich reicht“, so Stadtbrandinspektor Alexander Kolata.

Mit einer Drehleiter versuchten die Wehrleute von oben die Reste des Feuers in dem schon verkohlten Dachstuhl zu löschen.
Kinder gerettet Brand auf dem Rettershof: Zwei Pferde sterben auf der Flucht

Der Brand auf dem Rettershof hat weit über das historische Hofgut hinaus für Aufregung gesorgt. 40 Tiere können gerettet werden.

clearing

In der Nacht zum Mittwoch war in einem Gebäudetrakt des historischen Hofgutes, Feuer ausgebrochen. Zwei Mitarbeiter des Reitbetriebes verletzten sich leicht, als sie die rund 40 Pferde aus dem Erdgeschoss holten. Die Tiere rannten in Panik zum Teil bis nach Königstein und Eppstein, zwei kamen durch Zusammenstöße mit Feuerwehrautos um. Zwei Kinder, die im Heu übernachtet hatten, gelangten rechtzeitig ins Freie, zwei Wohnungen in einem angrenzenden Trakt wurden evakuiert.

Ursache noch unklar

Brandermittler nahmen bereits am Mittwoch die Arbeit auf, aber auch gestern war die Ursache des Feuers noch unklar. „Das ist langwierig“, glaubt Polizeisprecher Johannes Neumann nicht an schnelle Ergebnisse. Bislang gebe es aber keine Hinweise auf Brandstiftung. Auch die beiden Kinder, zehn und zwölf Jahre alt, hätten wohl mit der Entstehung des Feuers nichts zu tun. Die beiden sollen aber in Kürze nochmals befragt werden.

Katastrophentourismus

Nicht nur die Rettungskräfte sorgten dafür, dass auch gestern Hochbetrieb herrschte am Brandort. „Wir hatten ausreichend Katastrophentourismus“, so Stadtbrandinspektor Kolata. Jetzt, nach dem Frühstück, kämen wieder die ganzen Rentner, um sich alles anzuschauen. Da standen gegen 10 Uhr tatsächlich die ersten vor der Toreinfahrt des Hofgutes. „Gut, dass es nicht auf die Nachbargebäude übergegriffen hat“, erkannte ein Kelkheimer, was für die Feuerwehrleute in der Brandnacht die zentrale Herausforderung gewesen war. „Jammerschade, hoffentlich wird alles wieder aufgebaut“, so eine Fischbacherin, die mit dem Fahrrad gekommen war.

Genau das hat die Stadt Kelkheim, Eigentümer des Hofgutes, inzwischen auch angekündigt. Auch die G&G Reitsport GmbH, die den Reitbetrieb dort organisiert, möchte auf dem Rettershof weitermachen. Neben Brandermittlern besichtigten gestern gemeinsam mit Vertretern der Stadt auch Statiker und Versicherungsmitarbeiter den Rettershof. Sie sprechen sicher ein gewichtiges Wort darüber mit, wie es weitergeht.

Bach verschmutzt

Deutlich wurde gestern, dass der Schaden wohl höher ausfallen dürfte als die zunächst geschätzten rund 500 000 Euro. Anfänglich war sogar die Hoffnung geäußert worden, die Pferdeboxen im Erdgeschoss bald wieder nutzen zu können. Danach sah es gestern aber gar nicht mehr aus. Brennende und glimmende Strohballen waren ins Erdgeschoss gefallen, die Reste der Zwischendecke sind baufällig. Für die Einsatzleitung kam es nicht in Frage, Feuerwehrleute unter diesen Bedingungen zu den Boxen zu schicken.

Auch Obergeschoss schwer beschädigt

In solchen Fällen ist der Verlust von Bausubstanz immer das kleinere Übel. Die Fachwerkaußenwand des Obergeschosses hatte zwar die Brandnacht überstanden, musste aber eingerissen werden, damit mit einem großen Bagger Material aus dem Gebäudeinnern geholt werden konnte.

Bereits am Vormittag klaffte auch in der massiven Erdgeschossmauer ein großes Loch, und es hieß, dass ein zweites notwendig sei. Spätestens damit war klar, dass nur ein vollständiger Neubau dieses Gebäudetraktes in Frage kommen kann. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt hatte die Feuerwehr, um die Einsatzkräfte vor herabstürzendem Material zu schützen, eine Giebelwand einreißen müssen.

Unbekannte Substanz im Wasser

Nach Informationen dieser Zeitung ist es durch die Löscharbeiten auch zu einer erheblichen Verschmutzung des Retterser Baches gekommen. Eine bislang unbekannte Substanz hatte das Wasser zu einer roten und stinkenden Brühe gemacht.

Eine Bewässerung ihrer Beete war für die abwärts gelegenen Gartenbesitzer vorerst nicht mehr möglich – dass das Regierungspräsidium am 3. Juli die Entnahme von Wasser aus allen Bächen des Main-Taunus-Kreises wegen der Trockenheit verboten hat, dürfte den wenigsten Grundbesitzern bekannt sein. Die Feuerwehr soll gestern morgen dafür gesorgt haben, dass das Löschwasser nicht mehr in den Retterser Bach läuft.

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen