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Wetterkapriolen haben den Reben zugesetzt: Verzettelte Vegetation in den Wingerten

Von Am 10. und 11. Juni laden die Winzer zu Weinverkostungen und Gesprächen entlang des Weinerlebnisweges Oberer Rheingau ein. Die Wetterlage ist dann entscheidend, wie viele Weinfreunde teilnehmen. Zu hohe Temperaturen sind ebenso schlecht wie Regenwetter.
Weinberg-Fest-Werber (v. l): Christine Schreiber, Johannes Wirschinger, Antonie Pietsch, Thorsten Dienst, Thomas Preis und Wilhelm Hück. Foto: Hans Nietner Weinberg-Fest-Werber (v. l): Christine Schreiber, Johannes Wirschinger, Antonie Pietsch, Thorsten Dienst, Thomas Preis und Wilhelm Hück.
Wicker/Hochheim. 

Der Schauplatz des Erlebniswegfestes erstreckt sich mitten durch die grünen Weinberge zwischen Massenheim und Kostheim. Momentan fällt es schwer, sich vorzustellen, dass die Reben vor einigen Wochen noch unter verspätetem Frost litten. Doch der Schaden ist real – da hilft auch das momentane hochsommerliche Sonnenwetter nicht mehr viel. Wenn die Festbesucher in acht Tagen durch die Weinberge schlendern, werden sie vor weniger blühenden Pflanzen stehen als in den vergangenen Jahren. Wilhelm Hück, Vorsitzender des Wickerer Winzervereins, schätzt, dass 40 Prozente der Triebe aufgrund der Kälteeinbrüche fehlen. Die Stimmung an den 20 Ständen entlang des Erlebnisweges soll unter den Folgen der Wetterkapriolen allerdings nicht leiden.

Im „D-Zug-Tempo“

Wilhelm Hück erläutert, dass der wahre Schaden ohnehin erst kurz vor der Ernte absehbar sei. Die Froststarre der Pflanzen sei lang gewesen, durch die momentane Hitze gehe die Entwicklung der verbliebenen Früchte aber „im D-Zug-Tempo“ voran. Sonniges Wetter bedeutet jedoch nicht automatisch Entwarnung. Derzeit lauern Gefahren wie der echte Mehltau, und auch in Bezug auf Schädlinge wie die Kirschessigfliege ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Er hoffe, dass der Pflanzenschutz greift und die Kirschessigfliege sich nicht ausbreitet, sagt Wilhelm Hück. „Wir sind Berufsoptimisten.“

Durch den Frost sind manche Weinbergslagen in der Entwicklung zurückgefallen. Während sich ein Teil der Rebflächen in der Blüte befinde, dauere es beim Rest noch etwa eine Woche länger, berichtet Rebschutzwart Thorsten Dienst. Der Hochheimer spricht von einer „etwas verzettelten Vegetation“ und verrät, dass diese den Winzern mehr Arbeit abverlangt. So müsse der Pflanzenschutz beispielsweise gestaffelt aufgetragen werden. Außerdem wirke sich das unterschiedliche Wachstum auf die Weinlese aus. Vielleicht sei es in diesem Jahr nicht möglich, einfach mit dem automatischen Vollernter durch die Weinberge zu fahren, erläutert Dienst. Die Winzer müssten dann einen wesentlich größeren Teil der Ernte per Hand erledigen. „Wir jammern nicht gerne“, sagt der Hochheimer Rebschutzwart. Aber man müsse auch mal sehen, dass es die Realität den Haupterwerbswinzern nicht immer leicht mache.

Weniger Stände

Sicher werden solche Sorgen auch an den Ständen des Weinerlebniswegfestes ein Thema sein. Doch die Winzer haben sich noch wesentlich mehr überlegt, um einen Ausflug entlang der Route lohnenswert zu machen. Der nördlichste bewirtete Fleck ist der Wickerer Weinprobierstand am Tor zum Rheingau. Dort soll der Rebsaft erstmals im Rahmen eines Weinmarktes ausgeschenkt werden. Die Weingüter Peter Flick, Sören Venino, Ralf und Jasminka Langer sowie die Weidenmühle haben sich zusammengetan und wollen ihre Buden auf dem Platz vor dem Weinprobierstand aufbauen. Dafür wird es in den Wickerer Weinbergen weniger Stände geben. Wilhelm Hück bewirtet den König-Wilhelmsberg am Ortseingang aus Richtung Hochheim. Darüber hinaus ist Alexander Venino erstmals mit einem Weinstand in der Nähe der Flörsheimer Warte vertreten.

Die Strecke des 16 Kilometer lange Weinerlebnisweges oberer Rheingau verläuft weiter durch den Ortsteil Keramag-Falkenberg sowie in die Hochheimer Weinberge. Die momentanen Bauarbeiten an der S-Bahnlinie unterhalb der Weinberge haben, laut Wilhelm Hück, keine negativen Auswirkungen auf das Fest. An den Ständen in den Hochheimer Weinbergen wird unter anderem Pizza gebacken, gegrillt und musiziert.

Hessentag-Konkurrenz

Die Weingüter Schäfer und Schreiber haben den Liedermacher Heribert Schlosser eingeladen, der ein neues Lied zum Weinerlebnisweg komponiert hat. Es heißt „Heh, geh unsern Woi erlebe“. Der südlichste Punkt des Weges ist der Weinprobierstand in Kostheim, wo das Fest am Samstag, 10. Juni, um 13.30 Uhr eröffnet wird.

Das Fest der Winzer konkurriert mit dem ersten Wochenende des Hessentages in Rüsselsheim. Wilhelm Hück ist jedoch zuversichtlich, dass sich die Leute ihre Zeit einteilen und das Großereignis auf der anderen Mainseite etwas später besuchen. „Wir hoffen, dass die Mundpropaganda funktioniert“, betont der Wickerer Winzerchef. Für Weinfreunde hat der Hessentag nicht oberste Priorität.

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