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Schließungen: Diese vier Sparkassen-Filialen im Kreis Groß-Gerau machen dicht

Geld ziehen ja, persönliches Gespräch nein. Die Kreissparkasse schließt vier weitere Filialen. Bereits im März hatten fünf Außenstellen dicht gemacht.
Eine der vier betroffenen Filialen ist in Astheim. Foto: (Peter Mikolajczyk) Eine der vier betroffenen Filialen ist in Astheim.
Kreis Groß-Gerau. 

Am Freitag, 19. Januar 2018, ist es so weit: Dann gehen in vier Filialen der Kreissparkasse Groß-Gerau die Lichter aus. Betroffen sind Gustavsburg, die Rüsselsheimer Böllensee-Siedlung, Trebur-Astheim und der Groß-Gerauer Stadtteil Auf Esch. Danach wird es im Kreis nur noch 23 Sparkassen-Filialen geben, in denen Personal auf die Kundschaft wartet.

Jahrelange Entwicklung

Bei der Sparkasse regt dies niemanden auf. Im Gegenteil: Vorstandsvorsitzender Norbert Kleinle sieht darin den Vollzug einer Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet. „Fast jeder trägt heute seine Sparkasse in der Hosentasche mit sich herum“, zeichnet er das Bild des digitalen Zeitalters. In der Tat: Überwiegend werden zwischenzeitlich weitaus mehr Bankgeschäfte mit einem Smartphone oder einem Tablet getätigt als am Bankschalter.

Groß-Gerau Bild-Zoom Foto: (Peter Mikolajczyk)
Groß-Gerau

Deshalb befindet sich die Sparkasse auf gleicher Linie mit ihrem Wettbewerber im Kreis, den Volksbanken. Die sehen sich vor denselben Problemen. Mitunter werden Geldautomaten bereits gemeinsam betrieben, wie beispielsweise im neuen Globus-Mark in Bischofsheim. Doch beide Geldinstitute behalten die Hoheit in der Fläche, die die Großbanken schon längst aufgegeben haben. Kleinle sagt: „Wir werden unserem Auftrag zur Versorgung der breiten Bevölkerung nach wie vor gerecht.

Denn: Dort, wo die Filialen aufgegeben werden, wird es weiterhin SB-Stationen (Selbstbedienungs-Stationen) geben, so auch in Gustavsburg, der Böllenseesiedlung, Astheim und Auf Esch. Heißt: Dort kann an Automaten Geld abgehoben, können Kontoauszüge gedruckt werden. Mehr wolle und brauche der Kunde in aller Regel auch nicht. „Natürlich beobachten wir die Situation seit Jahren genau“, so Kleinle. Im Schnitt habe jeder Kunde 200-mal mit seinem Handy und 100-mal im Internet Kontakt mit seiner Sparkasse pro Jahr. Dagegen besuche er seine Filiale nur zweimal im Monat. Zu einem Gespräch erschienen Kunden mir ein einziges Mal pro Jahr.

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Kommentar

Ohne Handy und PC geht heute nichts mehr: Wer Online-Banking ablehnt oder schlicht nicht mobil ist, der ist auf eine Bankfiliale in der Nähe angewiesen.

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Das bedeute im Grunde nichts anders als eine „Abstimmung mit Füßen“ gegen die Filiale, so Kleinle. Er hat offenbar nicht Unrecht: Der Echo-Reporter zählte am Dienstag beim Fototermin zwischen 14 und 14.30 Uhr lediglich vier Personen mit reichlich Lebenserfahrung, die die Filiale in Astheim aufgesucht haben.

Notfalls Geld per Post

Womit das Problem älterer Menschen angesprochen ist, die nicht mehr mobil sind und die über kein Internet verfügen. Für diesen Personenkreis aber ändere die Filialschließung nur Unwesentliches. Sie kämen in der SB-Station weiterhin an ihr Geld.

In der Böllensee-Siedlung in Rüsselsheim... Bild-Zoom
In der Böllensee-Siedlung in Rüsselsheim...

Zudem biete die Sparkasse die Möglichkeit an, dass ein Mitarbeiter nach Terminabsprache ins Haus kommt. Und es gebe einen weiteren Ausweg, wenn gar nichts anderes mehr gehe: Den Postversand von Bargeld im neutralen Briefumschlag. „Aber viel öfter stellen wir fest, dass Angehörige in diesen Fällen einspringen“, sagt der Direktor.

Bundesweit nimmt der Trend zur Ausdünnung von Bankfilialen immer mehr an Fahrt auf. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat errechnet, dass seit 2000 insgesamt 10 200 Filialen geschlossen worden sind, davon in den letzten beiden Jahren alleine 2200.

Sorgen um ihren Arbeitsplatz müsse sich nach wie vor kein Sparkassen-Mitarbeiter machen. Es werde keine Entlassungen geben. Filial-Mitarbeiter fänden in den Hauptstellen Groß-Gerau und Rüsselsheim oder den größeren Niederlassungen Beschäftigung. Zwar werde die Gesamtzahl des Personales geringfügig zurückgefahren, dies aber nur auf Grund der Digitalisierung und mit natürlicher Fluktuation.

Sparkasse Gustavsburg. Bild-Zoom Foto: (Ralph Keim)
Sparkasse Gustavsburg.

„Die Sparkassen können sich einer Entwicklung nicht entziehen, die das weltweite Wirtschaftssystem prägt“, sagt Kleinle. Das wirft die Frage nach der Zukunft auf. Zweifellos werde es weitere Schließungen geben, deren Zeitpunkt aber noch ungewiss sei. Spannend sei die Frage, wie sich die Geldausgabe an den Automaten entwickle. Immer stärker zeichne sich der Trend ab, dass man Geld beim Einkauf in Supermärkten ziehen kann. Dort zahlen Kassiererinnen mancherorts schon aus.

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