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Beratung: Pro Familia in Rüsselsheim: „Aufklärung läuft heute anders“

Was tun bei ungewollter Schwangerschaft? Bei sexuellen Übergriffen? Bei häuslicher Gewalt? Die Beratungsstelle Pro Familia hat ein offenes Ohr und hilft.
Die Rüsselsheimer Beratungsstelle von Pro Familia hat arbeitsintensive Monate hinter sich. Foto: Z6466 Britta Pedersen (dpa) Die Rüsselsheimer Beratungsstelle von Pro Familia hat arbeitsintensive Monate hinter sich.
Rüsselsheim. 

Durchatmen ist angesagt. Sozialpädagogin Andrea Gürke sitzt in ihrem Büro in der Lahnstraße 30. Kaffee steht auf dem Schreibtisch, durch das Fenster scheint die Herbstsonne. „Es liegen bewegende, arbeitsintensive Monate hinter uns“, sagt sie. Just hat sie den Jahresbericht für 2016 vorgelegt, aus dem hervorgeht, dass 196 Personen in der Schwangerschaft, 143 nach der Geburt zu sozialrechtlichen und psychosozialen Fragen beraten wurden. So schwarz auf weiß liest sich das harmlos, doch sind die Geschichten, die hinter einer Beratung stehen, oft erschütternd.

Andrea Gürke Bild-Zoom Foto: INA MARTELLA
Andrea Gürke

Gürke und ihre Kollegen haben es mit Minderjährigen zu tun, die gewollt oder ungewollt schwanger wurden. Sie beraten Frauen, die vergewaltigt wurden, und Frauen, die auf ihrer Flucht oder in ihrem Herkunftsland massiver Gewalt ausgesetzt waren. Darunter sind Geschichten, die man nicht so leicht vergessen kann.

„Gesicht bewahren“

Andrea Gürke berichtet etwa von jungen Frauen, die bei Pro Familia nachfragen, ob man das Jungfernhäutchen wiederherstellen könnte. Die Frauen haben Angst vor ihrer Familie, vor ihrem zukünftigen Ehemann. „Das Gesicht der Familie soll bewahrt werden“, heißt es. Sie wissen von einer Geschichte, da begleitete die Mutter ihre Tochter zum Gynäkologe, um vom Arzt zu hören, wie es um die Tochter bestellt sei. Für die jungen Frauen seien das oft unerträgliche Situationen, sagt Andrea Gürke.

Rüsselsheim habe einen „Multikulti-Charakter“, sagt sie. „Hier kommen viele Nationalitäten zusammen, das Zuzugsgebiet sei groß, dazu gebe es viele Geringverdiener. „Eine bunte Welt, die viele verschiedene Konflikte, Potentiale aber auch Schwierigkeiten in sich trägt.“

Im vergangenen Jahr führten die Pädagogen 358 Gespräche zum Thema Schwangerschaftskonflikt. Andrea Gürke sagt: „Die Gründe, die zum Erwägen eines Schwangerschaftsabbruchs führen, sind vielfältig. Nicht selten ist aus Sicht der Frau ein ganzes Bündel an Problemen mit der Schwangerschaft verbunden.“ Häufig gebe es eklatante Schwierigkeiten in der Partnerbeziehung oder eine Trennung wegen der Schwangerschaft. Beratungen zu Methoden und Risiken bei Schwangerschaftsabbruch erfolgen auf Wunsch: „In frühen Schwangerschaftsphasen setzen sich Frauen oft mit den Vorteilen und Risiken eines medikamentösen Abbruchs auseinander, die Zahl der Frauen, die planen, diesen Abbruch durchführen zu lassen, nimmt zu“, sagt Andrea Gürke.

Kein Dr. Sommer mehr

Und noch etwas beobachten die Mitarbeiter von Pro Familia zunehmend: „Die Aufklärung Jugendlicher hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert“, so die Sozialpädagogin. Der berühmte Dr. Sommer sei unlängst in Rente gegangen: „Aufklärung läuft heute anders.“ Die Jugendlichen würden im Internet alles anschauen können, was mit Sexualität, Kontakt zum anderen Geschlecht, aber auch Pornografie zu tun hat. Doch erlebt sie, dass die Jugendlichen „im richtigen Leben“ zunehmend Probleme hätten, aufeinander zuzugehen: „Bevor Jugendliche eigene Erfahrungen gemacht haben, sehen sie viele Dinge. Sie bauen ein Pseudowissen auf, wissen aber nicht, wie sie darüber sprechen sollen.“

Die Mitarbeiter von Pro Familia sprechen regelmäßig auf Elternabenden über Sexualaufklärung. „Wer glaubt, sein Kind hätte in der sechsten oder siebten Klasse noch keine Berührung mit Pornografie gehabt, der liegt leider oft falsch“, sagt Gürke. Die Pädagogen empfehlen den Eltern etwa, entsprechende Seiten im Internet-Browser zu sperren.

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