E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Homburg 20°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Harmonic Brass: Quintett serviert besondere „Delicatessen“

Sich Appetit holen oder satt hören – das war die Devise für die Besucher beim Konzert von Harmonic Brass am Samstagabend und ihrem Programm „Delicatessen“. Ihre Fans in der Musikgemeinde konnten kaum genug kriegen.
Wohl temperiert ist die musikalische Kost, die das Münchener Quintett „Harmonic Brass“ mit seinem Programm „Delicatessen“ in der evangelischen Kirche serviert. Foto: (Rainer Beutel) Wohl temperiert ist die musikalische Kost, die das Münchener Quintett „Harmonic Brass“ mit seinem Programm „Delicatessen“ in der evangelischen Kirche serviert.
NAUHEIM. 

„Sydney, Kapstadt, New York und jetzt Nauheim.“ Pfarrerin Birgit Schlegel bringt es auf den Punkt: Das Quintett Harmonic Brass tourt seit vielen Jahren durch die Welt, kennt die großen Bühnen und mag ebenso die kuschelige Atmosphäre in einer kleinen Kirche der Musikgemeinde.

Für den Sprecher und Moderator der Münchener Gruppe sind diese Wechsel nicht ungewöhnlich. „Wir spielen oft und gerne in kleinen Kirchen, weil wir dann näher dran sind an unserem Publikum“, erklärt der Hornist vor dem Gastspiel am Samstagabend. Die Kirche in Alt-Nauheim füllt sich zu diesem Zeitpunkt so sehr, dass Besucher auf die Galerie ausweichen müssen. Und nehmen dabei in Kauf, von den Musikern vor dem Altar nichts oder nur wenig zu sehen.

Telemann bis Mozart

Die weit gereisten Blechbläser, die sogar schon in der Carnegie Hall in New York City gespielt haben, präsentieren ihr Programm „Delicatessen“. Ihre Stücke von Telemann über Mozart bis Rossini greifen Melodien auf, die sich in einen Zusammenhang mit gutem Essen bringen oder zumindest als landestypisches Beispiel für stimmungsvollen Genuss interpretieren lassen. Als Hauptgericht gibt es ein überaus abwechslungsreiches „Harmonic Brass-Menü“ mit fünf Gängen samt Nachschlag. Die Atmosphäre wechselt von „Gänsehaut“ bei Joaquin Rodrigos schwermütigem „Concierto de Aranjuez“ bis „heiter“ beim beschwingten, fröhlichen Medley mit Hits von Udo Jürgens.

Offenbar hat die Band ein Stammpublikum mitgebracht, dem es nach mehr gelüstet. Die ortsfremden Kennzeichen, die rund um das Gotteshaus parken, beweisen das. „Ja, es gibt einige, die folgen uns“, verweist Andreas Binder auf Anhänger, die musikalisch auf hohem Niveau umgarnt werden wollen. In der Pause mischen sich die Chefköche unter ihr Publikum, haken nach, wollen wissen, wie ihre Kost mundet. „Wir sind keine abgehobenen Stars“, bekräftigt der 48 Jahre alte Musiker aus Rosenheim, der wie seine Kollegen Manfred Häberlein (Tuba), Hans Zellner (Trompete), Thomas Lux (Posaune) und Trompeterin Elisabeth Fessler eine profunde Ausbildung an Konservatorien, staatlichen Hochschulen und bei renommierten Musikern absolvierte.

Drei Sekunden hallt es

Dass der Prophet gewöhnlich im eigenen Land nichts zählt, sei auch bei Harmonic Brass so, bedauert der Musiker allerdings. „Wir spielen öfters in Amerika als in München“, erklärt er. Das hänge mit den vielen Workshops zusammen.

In einer Kirche wie in Nauheim zu spielen – die Band tritt auch am Meeresstrand auf oder unter freiem Himmel bei einer Landesgartenschau – habe indes immer etwas Besonderes. Binder lobt die sehr gute Akustik in Nauheim. Dazu gehöre ein Hall von drei bis vier Sekunden, der es erlaube, dass sich bei „Delicatessen“ das Aroma angenehm entfalte.

Dass die Fans aus Nauheim kein Fast Food vorgesetzt bekommen und sich mit großem Appetit an den Stücken satthören können, lässt sich nicht nur am starken Applaus ablesen, sondern schon vor dem Auftritt. „Wir reisen vor unseren Konzerten stets fünf Stunden vorher an, machen einen langen Soundcheck, testen immer wieder verschiedene Positionen, von wo wir spielen und von wo es für Blechbläser am besten klingt“, sagt Binder.

Im Konzert ist das zu erkennen, weil die Musiker fast ständig ihre Plätze tauschen. „Wir geben in der kleinen Kirche akustisch nicht Vollgas“, so Binder. Sie kredenzen stattdessen ein ausgeklügeltes Menü voller Genüsse, bringen sogar einen von Hans Zeller arrangierten „Eintopf“ zu Gehör und halten es mit Richard Strauss: „Wer ein richtiger Musiker sein will, der muss auch eine Speisekarte komponieren können.“

 

Zur Startseite Mehr aus Rüsselsheim

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen