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20-Meter-Darm mit Charme: Riesenmodell vor dem Landratsamt soll über Gefahren von Krebs aufklären

Darmkrebs ist heilbar? Unter dieser Überschrift informierten Ärzte des Kreisklinikums Groß-Gerau am Samstag über Vorsorge und Heilungsmöglichkeiten der Erkrankung. Highlight war dabei ein begehbares Darmmodell vor dem Eingang zum Landratsamt.
Interessierte können durch den Darm laufen. Dort gibt es Informationen über Polypen als Vorstufen von Darmkerbs – und wie sie einfach während einer Darmspiegelung entfernt werden können. Bilder > Interessierte können durch den Darm laufen. Dort gibt es Informationen über Polypen als Vorstufen von Darmkerbs – und wie sie einfach während einer Darmspiegelung entfernt werden können.
GROß-GERAU. 

Wie ein riesiger, rosafarbener Wurm liegt der aufblasbare Darm vor dem Eingang zum Landratsamt der Kreisstadt. Er ist 20 Meter lang und hoch genug, dass ein erwachsener Mensch ohne Probleme hindurchschreiten kann. Zwei Eingänge hat das Gebilde, das auf den zweiten Blick wie eine Attraktion auf einem Kinderspielplatz wirkt.

Doch dass der Darm dort liegt, hat einen ernsten Hintergrund. Er soll auf spielerische und verständliche Weise über Funktion und Aufgaben informieren, aber auch über die Gefahren und Risiken aufklären, an Darmkrebs zu erkranken. Dabei steht vor allem der Aufruf, Vorsorgemöglichkeiten wahr zu nehmen, im Vordergrund.

Viele Infotafeln

Nach wenigen Schritten in das Innere des Darms ist auch schon eine von vielen Infotafeln zu sehen. Auf den Tafeln ist jeweils eingezeichnet, wo sich der Besucher im menschlichen Darm gerade aufhält. „Beim erwachsenen Menschen ist der Darm acht Meter lang. Die Darmoberfläche beträgt in ausgebreiteter Form etwa 400 bis 500 Quadratmeter“, heißt es auf einer der Tafeln.

Außerdem sei der Darm „die Gesundheitspolizei des menschlichen Körpers“. Denn durch die mehreren hundert Billionen Bakterien, die die Darmwand besiedeln, hat das Organ eine wichtige Funktion in der körpereigenen Immunabwehr. Auch das „bestimmte Gefühl im Bauch“ wird im Verlauf des Gangs angesprochen. Der Darm habe einen entscheidenden Einfluss auf unsere Intuition und fungiere als Zweithirn im Körper, das über seine sensiblen Nervenzellen Informationen aus den anderen Bereichen des Organismus aufnimmt.

In der Mitte des Darms sind basketballgroße, runde Gebilde dargestellt. Dies seien Wucherungen der Darmschleimhaut (Polypen), erklärt die neben den Formen hängende Tafel. Obwohl zuerst gutartig, stellten diese Wucherungen und Ausstülpungen Vorstufen von Darmkrebs dar.

Jeder dritte Erwachsene ab 50 Jahren habe diese Polypen, die an der Darmwand auftreten können. „Wenn sie nicht entfernt werden, kann daraus in wenigen Jahren tödlicher Darmkrebs entstehen“, mahnt die Infotafel. Mit Hilfe einer Darmspiegelung, die von der Krankenkasse ab dem 55. Lebensjahr bezahlt werde, könnten diese Polypen entdeckt und entfernt werden. Auch wenn man sich gut fühle, sei das keine Garantie dafür, dass man keinen Darmkrebs habe, erklärt der Text weiter. Und es heißt deutlich: „Weil man ihn erst spürt, wenn es bereits zu spät ist.“

Massiver Tumor

Wenige Meter neben den noch gutartigen Polypen wird dann ein Tumor am oberen Teil des Darms sichtbar. Aggressiv rot und massiv ist er dargestellt. Auch ein Laie erkennt sofort: Da kann etwas nicht stimmen.

Der begehbare Darm ist nur ein Teil der ersten, von Thomas Schumann, Chefarzt der Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie des Kreisklinikums Groß-Gerau, initiierten Informationsveranstaltung, unter dem Titel „Ist Darmkerbs heilbar?“ Das Event lockt am Samstag viele Interessierte in das Landratsamt. Im Obergeschoss klären fünf Ärzte aus dem Klinikum mit Hilfe mehrere Vorträge über Früherkennung, operative und medikamentöse Therapiemöglichkeiten sowie Heilungschancen bei einer Erkrankung auf.

Vor dem Vortragssaal führen Andreas Drott und Holger Martin anhand eines Modells die Methode der endoskopischen Operation am Darm vor. Oberärztin Afsaneh Ghaemi-Tehrani verteilt Kits für Stuhluntersuchungen an die Besucher der Veranstaltung.

Tabu-Thema

„Dies ist ein Informationstag zu einem Thema, das mit einem Tabu besetzt ist“, sagt Landrat Thomas Will. Pro Jahr erkrankten 70 000Menschen bundesweit an dieser Krebsform. Im Kreis seien es etwa 200 Menschen. Es sei die zweithäufigste Krebserkrankung im Kreis. „Die Vorsorge ist sehr wichtig“, mahnt der Landrat und fügt hinzu: „Ich kann verstehen, dass man davor Angst hat. Doch ich kann aus eigener Erfahrung sagen, die Darmspiegelung ist schon wieder vorbei, bevor sie angefangen hat.“

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