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Künstler: Thomas Wissler: „Ich weiß vorher genau, was es werden soll“

Der Rüsselsheimer Thomas Wissler schafft unverwechselbare Skulpturen. Wir haben mit ihm über seine Arbeit und seine Inspiration gesprochen.
Arbeiten auf kleinem Raum: Thomas Wissler in seinem Atelier. Bilder > Foto: (Stella Lorenz) Arbeiten auf kleinem Raum: Thomas Wissler in seinem Atelier.
Rüsselsheim. 

Da steht sie, die Herde: Eindrucksvolle Hörner zieren die schweren Schädel, eine stoische Ruhe umgibt sie. „Die Gehörnten“ nennt sie Thomas Wissler liebevoll. Er hat sie kreiert aus Beton, Stahl und Wachs. Der Rüsselsheimer erschafft Skulpturen und stellt sie nicht mehr nur im eigenen Heim aus.

„Mit den Gehörnten hat alles angefangen“, erzählt er. Damals, vor rund fünf Jahren, seien es hauptsächlich Stiere und Kühe gewesen, die ihn fasziniert haben. Die Sanftmut und die gewaltige Kraft, die die Tiere ausstrahlten, haben ihm gefallen. Nach und nach nimmt er andere Tiere mit Hörnern ins Repertoire auf, aber auch Fische und abstrakte, menschlich anmutende Figuren.

In Schichten bespachtelt

„Ich weiß vorher genau, was es werden soll“, sagt der Künstler. „Nur noch nicht genau, wie es aussieht.“ Das entstehe dann im Schaffensprozess. Er arbeitet an mehreren Skulpturen gleichzeitig; sechs bis acht Wochen dauert die Fertigstellung eines Werks in der Regel. Dabei verwendet Wissler eine Beton-Aufbautechnik, bei der eine stählerne Unterkonstruktion in Schichten mit Beton bespachtelt wird. Manchmal kommen noch Schweißarbeiten hinzu, oder ein Teil wird zusätzlich angeschraubt. Die fertigen Skulpturen haben etwas Rohes, Ursprüngliches, und jede ist natürlich ein Unikat.

Thomas Wissler ist von Haus aus Architekt, für die Stadt Rüsselsheim hat er einige Projekte realisiert. Die bildende Kunst sei allerdings schon immer ein Thema für ihn gewesen, auch schon während des Studiums. „Parallel habe ich immer gemalt, und Skulpturen fand ich seit jeher spannend“, erzählt er. Jetzt endlich habe Wissler, dessen Vorbild der Aktionskünstler Joseph Beuys ist, genug Zeit für seine Kunst.

„Nach Möglichkeit arbeite ich draußen“, so Wissler. Seine Arbeiten brauchen Raum, aber Beton mag es trocken. Deshalb stehen im acht Quadratmeter kleinen Atelier viele aktuelle Projekte. Der Werktisch ist aufgeräumt. Alles steht und hängt an seinem Platz. „Es geht auch nicht anders“, erklärt Wissler. Die Größe der Werkstatt erlaube keine Unordnung.

Statik der Skulpturen

An seiner Arbeit schätzt er die Freiheit, das umzusetzen, was ihm in den Sinn kommt. Aus seinem Architektur-Hintergrund kommt ihm das Materialwissen zugute: Er weiß, welche Kräfte die einzelnen Bestandteile entwickeln: „Beton übernimmt die Druck-, Stahl die Zugkräfte.“ Im Prinzip funktioniere die Statik der Skulpturen wie eine tragende Stahl-Beton-Decke. Durch eine spezielle Versiegelung sind die Werke witterungsbeständig.

Im Sommer 2017 ermutigt ihn sein Sohn, beim Kunsthandwerkermarkt auszustellen. Wissler findet die Idee gut, bewirbt sich und zeigt seine Werke Anfang Dezember an der Festung auf dem winterlichen Markt. Die Resonanz sei groß gewesen, seine Webseite konnte im Nachklang einen hohen Besucheranstieg verzeichnen. Auch im Sommer will er wieder beim Markt dabei sein, im Herbst 2018 plant er einen Tag des offenen Ateliers.

Neben den Gehörnten werden dann auch viele neue Wesen den Garten des Künstlers bevölkern. „Gerade arbeite ich an der Umsetzung eines Rabens“, erzählt Wissler und zeigt auf Tierfotografien als Vorlage. Vor dem Atelier wartet eine Ratte auf ihre Fertigstellung. Wie sie am Schluss aussehen, weiß Wissler erst am Ende der Fertigung. „Man kann nicht jeden Tag gleich gut gestalten“, so der Künstler. Aber dass er gestalten will, steht für ihn außer Frage.

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