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Ausstellung in Rüsselsheim: Widerstand hat viele Gesichter: Wie Frauen dem Naziterror trotzten

„Nichts war vergeblich“ heißt eine Plakatausstellung in der Stadtbücherei, die Frauen im Widerstand gegen die Nazis Respekt zollt. Jahrzehnte kamen diese couragierten Frauen in der Geschichtsaufarbeitung nicht vor. Gudrun Schmidt sprach zur Eröffnung.
Gudrun Schmidt referierte zu couragierten Lebenswegen „widerständischer“ Frauen. Foto: (Charlotte Martin) Gudrun Schmidt referierte zu couragierten Lebenswegen „widerständischer“ Frauen.
Rüsselsheim. 

Sie haben sich nicht geduckt, nicht angepasst, waren couragiert und „widerständisch“: Gudrun Schmidt vom Frankfurter Studienkreis „Deutscher Widerstand 1933-1945“ eröffnete zur Pogromnacht (9.) die 2016 erarbeitete, deutschlandweit tourende Ausstellung über Frauen im Widerstand gegen den Naziterror. Flankiert wird die Schau mit dem Titel „Nichts war vergeblich“ durch in Gefängnissen gefertigte, kreative Utensilien der Widerständlerinnen, die in einer Vitrine der Stadtbücherei zu sehen sind.

Pavel Mozgovoy spielte jüdische Lieder auf der Klarinette. Bild-Zoom Foto: (Charlotte Martin)
Pavel Mozgovoy spielte jüdische Lieder auf der Klarinette.

„Als Widerstand galt der offiziellen Geschichtsschreibung Jahrzehnte lang lediglich der politische, organisierte Kampf gegen die Nazis. Diese Ausstellung trägt dazu bei, den Begriff des Widerstands zu korrigieren“, führte Gudrun Schmidt aus. Widerstand von Frauen nämlich setzte mitten im Leben an, kam aus dem Alltag heraus, äußerte sich im Mut zur unmittelbaren Tat. „Die 18 Frauen, deren Lebenswege wir nachzeichnen, haben aus ihrem Gewissen und ihrer Anschauung heraus so gehandelt, wie sie handeln mussten: widerständisch“, betonte Schmidt, die zu den Mitautoren der Ausstellung über die aufrechten Frauen gehört. Vor großem Publikum, das zur Eröffnung am Gedenktag zur Reichspogromnacht (9.) in die Bücherei gekommen war, zollte sie den durchweg bis heute unbekannt gebliebenen Frauen Respekt.

In die Freiheit lotsen

Schmidt erzählte davon, wie einige standhaft den Hitlergruß verweigerten, andere den Zwangsarbeitern unter Lebensgefahr ein Päckchen Zigaretten, ein Butterbrot oder Seife zusteckten. Sie erzählte von Frauen, die sich zusammentaten und lautstark für die Freilassung ihrer inhaftierten Männer demonstrierten („Ihr Mörder! Ihr Feiglinge!“) und so deren Deportation ins KZ verhinderten, von Frauen, die als Kuriere Flugblätter transportierten oder heimlich auslegten. Sie berichtete dem beeindruckten Publikum von Frauen, die politisch Verfolgte beherbergten, mit Lebensnotwendigem versorgten oder sie über gewagte Grenzrouten in die Freiheit lotsten: So etwa Lisa Fittko, die Fluchthilfe über die Pyrenäen nach Spanien leistete, etwa auch dem Philosophen Walter Benjamin, nach dem heute der einstige Fluchtweg („F-Route“) nach Portbou benannt ist.

Das Emblem der Ausstellung: Ein im Zuchthaus gefertigter Schmetterling als Symbol der Freiheit. Bild-Zoom Foto: (Charlotte Martin)
Das Emblem der Ausstellung: Ein im Zuchthaus gefertigter Schmetterling als Symbol der Freiheit.

Erika Mann, die Tochter des Schriftstellers Thomas Mann, die aus dem Exil heraus als Autorin und Berichterstatterin Aufklärungsarbeit über Hitler-Deutschland leistete, ist sicher die bekannteste der Frauen, die vorgestellt werden. Wer aber kennt etwa Carola Karg, die ab 1933 gegen Hitler im Untergrund arbeitete, ohne festen Wohnsitz lebte, um, ausstaffiert wie eine Schwangere, Flugschriften zu verteilen und unterschiedlichste Regimegegner – darunter auch Katholiken – zusammenzuführen, um den Widerstand zu stärken? 1934 wurde sie verhaftet, des Hochverrats angeklagt und zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Mehr als 150 Verhöre der Nazischergen bestand Carola Karg, ohne ihre Gesinnungsfreunde zu verraten. Dass sie überlebte, scheint ein Wunder.

Puppen aus Brotkrumen

„Carola Karg gehörte zu den Frauen, von denen kreative Zeugnisse – darunter eine Rose und ein Gedicht – erhalten sind. In Vitrinen zeigt unsere Ausstellung kleine, heimlich aus Brotkrumen gefertigte Spielpüppchen, aus Stofffetzen genähte und gestickte Dinge, die in Widerstand und Haft den Mut zum Leben stärkten“, so Gudrun Schmidt. Der bunte Schmetterling, das Emblem der Ausstellung, stammt ebenfalls von Carola Karg, ist Symbol der Freiheit und der Schönheit des Lebens. Einfühlsam umrahmte der Musiker und Förderstipendiat der Stadt (2011), Pavel Mozgovoy, die Ausstellungseröffnung auf der Klarinette. Mit dem jüdischen Lied „Bei mir bistu shein“ („Bei mir bist du schön“) verneigte er sich vor den Frauen, die beherzt Widerstand leisteten.

 

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