E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Homburg 15°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Gründlich reinigen: Beim Quellenfest lebt die mittelalterliche Badekultur wieder auf

Im Mittelalter gab es eine lebendige, doch mittlerweile fast vergessene Badekultur. Am Quellenfest konnten Interessierte einmal ausprobieren, welche Badesitten einst herrschten.
Badchefin Marita Wolff und Besucherin Marita Bauer lassen es sich im warmen Wasser gut gehen, während „Zuberknecht“ Matthis auf die nächsten Besucher wartet. Badchefin Marita Wolff und Besucherin Marita Bauer lassen es sich im warmen Wasser gut gehen, während „Zuberknecht“ Matthis auf die nächsten Besucher wartet.
Bad Vilbel. 

Dreckig, stinkend. So stellen viele sich das Mittelalter vor. Fast vergessen geht dabei, dass es lange Zeit eine rege Badekultur gab. „Das Baden war im Mittelalter für viele ein Erlebnis“, weiß Badezeltbetreiberin Marita Wolff. Angefangen hat es mit den Römern. „Bis zum Limes wurden Bäder gebaut und das Baden hatte in der römischen Kultur einen hohen Stellenwert“, erklärt Wolff. „Im frühen Mittelalter ging jedoch vieles verloren, viele Bäder wurden verlassen. Dies änderte sich erst mit den Kreuzzügen. Die Ritter brachten vieles mit, darunter auch die Idee, dass regelmäßiges Waschen Krankheiten vorbeuge.“

Schnell etablierte sich das Baden zu einer regelmäßigen Angelegenheit. „Das hing auch alles vom Geldbeutel ab“, sagt Wolff. „Reiche konnten es sich leisten zweimal die Woche zu baden, bei ärmeren Leuten war das seltener.“ Doch auch diese kamen in den Genuss des Wassers: „Der Badetaler gehörte bei vielen Knechten und Mägden mit zum Lohn“, weiß Wolff.

„Vor hohen Feiertagen waren sie angehalten, sich zu waschen. Ganz uneigennützig war das nicht: Schließlich mussten die Reichen mit den Armen in einer Kirche sitzen, da wollte man nicht, dass diese unangenehm riechen. Also bezahlte man ihnen davor lieber einen Aufenthalt im Badehaus.“

Wasser aus dem Fluss

Auch die Art des Badens Unterschied sich von heute. „Man wusch sich, bevor man in den Holzzuber mit warmen Wasser stieg. Es gab schließlich keine Filteranlagen und das Wasser war aus dem nächsten Brunnen oder Fluss, also alles andere als sauber.“ Der größte Unterschied war jedoch vor allem eines: „Das Baden war damals keinesfalls ein eher individuelles Erlebnis, sondern ein Ereignis“, erklärt die Badnerin. „Viele Menschen passten in einen damaligen Holzzuber, in unserem hier waren auch schon mal 15 Leute drin, damals gab es weit größere.“ Das Baden war damals ein Erlebnis. „Der ganze Tag wurde dem gewidmet. Man saß dort im Zuber und redete. Reisende Sänger trugen Geschichten vor oder man horchte Nachrichten vom Königshof. Nebenbei wurden Essen und Getränke gebracht.“

Keime verbreitet

Vom mittelalterlichen Baden hat übrigens auch die Redewendung „etwas ausbaden“ ihren Ursprung: Nach Hochzeiten ging es mit der Festgesellschaft als Abschluss ins Bad. Die Kultur brach in den Wirren der Pest zusammen. „Manche gaben sogar dem Baden die Schuld, angeblich wurden dort Keime verbreitet, was in manchen Fällen auch zutraf“, sagt Wolff.

In der Renaissance gab es so etwas dann gar nicht mehr. Puder und Parfum ersetzten das Baden. Richtige Bäder entstanden dann erst wieder ab 1750, ausgehend von Frankreich. Hierher kommt auch unsere moderne Badekultur: Es ist eben eine private Angelegenheit.

Zur Startseite Mehr aus Wetterau/Main-Kinzig

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen