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„Sunset Boulevard“: Burgfestspiel-Statist Dieter Hombach: Der wichtige Mann im Hintergrund

Als Statist steht Dieter Hombach nicht bloß auf der Burgfestspielbühne herum. Er muss sich um die Drehbühne kümmern und die Kulissen arrangieren. Doch Hombach hat in Maintal selbst ein Amateurtheater – und die Zeit bei den Burgfestspielen ist für ihn wie ein kostenloser viermonatiger Workshop. Da geht es auch darum, wie viel künstlerische Freiheit man sich erlauben kann.
Bei den Burgfestspielen ist Dieter Hombach als Statist mitten im Geschehen – als Regisseur und Schauspieler in einem Maintaler Amateurtheater ist diese Zeit für ihn wertvoll. Bei den Burgfestspielen ist Dieter Hombach als Statist mitten im Geschehen – als Regisseur und Schauspieler in einem Maintaler Amateurtheater ist diese Zeit für ihn wertvoll.
Bad Vilbel. 

„Ich hab’ den Theatervirus in mir“, bekennt Dieter Hombach. Seit sechs Jahren ist der 63-jährige Maintaler bei den Burgfestspielen aktiv, als Regieassistent und Statist. Und das neben seinem Beruf als selbstständiger Diplom-Ingenieur. Aktuell steht er bei „Sunset Boulevard“ auf der Bühne. Doch nicht, um eine Szene mit Hintergrundfiguren aufzufüllen.

„Statisten haben die Aufgabe, im Laufe des Spiels etwas einzurichten“, erläutert er. Etwa, die rote Filmsessel-Couch hinein- und herauszutragen – oder den Leichensack mit dem toten Affen. Oder unter der Drehbühne diese zu bewegen, um einen anderen Raum zu bespielen. Dann steht von den vier Statisten ein Kollege in einem Holzkämmerchen unterhalb der Bühne, dreht diese auf Zuruf der Abendspielleiterin oder einem Stichwort des Dialogs weiter.

Hombach nimmt diese Aufgaben sehr ernst. Selbst, als es um den Oberlippenbart ging, den er 40 Jahre lang trug. Der passt überhaupt nicht in die Zeit, in der „Sunset“ spielt, dem Hollywood von 1949, beschied ihm die Ausstatterin – und schon war der Bart ab.

Viele Gemeinsamkeiten

„Man sieht uns immer“, erzählt er. Auch deswegen ist große Konzentration erforderlich. So wie vor zwei Jahren bei der „Päpstin“. Da hatte Hombach die Aufgabe, die Hauptdarstellerin auf der Bühne aus- und anzukleiden. Das sei schon eine „Aufgabe für Leute, die es mögen, auf der Bühne zu stehen“, bekennt er.

Denn das Theater ist seine Leidenschaft. In Maintal-Bischofsheim ist er seit 25 Jahren bei der „Spielgemeinschaft Haus der Begegnung“ aktiv – als Schauspieler und Regisseur. „Aber die Burgfestspiele sind eine ganz andere Hausnummer“, meint er respektvoll. Da möchte er Statist bleiben und sich gar nicht nicht als verkannter Schauspieler in Szene setzen. Zwar hätten die Profi- und die Amateurbühne vieles gemeinsam, die Anspannung und die intensiven Proben, die Vorfreude auf die Premiere etwa.

Aber es gebe einen entscheidenden Unterschied: Bei den Amateuren wird geschaut, für welche Rolle, welches Stück sich die Mitglieder eignen. Bei der Profibühne steht erst das Stück fest, dann die Darsteller. Bereits im April geht es für Hombach los mit der Regie-Assistenz, als Statist wird er erst zwei Wochen vor der Premiere angefragt, wenn schon mit der richtigen Bühne geprobt werden kann.

Tipps von den Profis

Als langjähriger Mitarbeiter muss er sich nicht mehr dem Bewerbungsgespräch stellen. Dafür beginnt dann seine Arbeit mit dem Terminkalender. In einer Woche hatte er vier „Sunset“-Aufführungen – und tagsüber als Diplom-Ingenieur beruflich im Odenwald zu tun. Da ging der Tag um 7.30 Uhr los und endete eine halbe Stunde vor Mitternacht. „Entspannen ist da nicht mehr möglich“, meint er. Doch auch seiner Frau ist er für deren Verständnis dankbar, dass vier Monate kaum noch Freizeit bleibt. Viel Spaß ist dabei, „da geht es keinem ums Geld“, auch wenn die gesamte Saison immerhin einen 450-Euro-Job ergibt.

Doch viel wertvoller ist für Hombach ein anderer, künstlerischer Ertrag seiner Burgfestspielzeit: Die ist ihm nämlich„ein vier Monate durchgehender kostenloser Workshop“ ohne Routine. Für seine eigene Regiearbeit habe er sehr viel gelernt, vor allem in Sachen künstlerische Freiheit. Etwa, wie sich auch ohne Elektromotor ein Bühnenvorhang bewegen lasse. Indem etwa zwei Schauspieler aufeinander zugehen und ihn im vorübergehen ziehen.

Beim Inszenieren eigener Stücke wie der Sommerkomödie „Keine Leiche ohne Lilly“ habe ihm die Bühnenpraxis Sicherheit gegeben, eigene künstlerische Ideen zu entwickeln. Und nebenbei kann Hombach seine Profi-Kollegen auch um Tipps fragen – wenn es etwa um neue Bühnenscheinwerfer geht.

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