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Planung gefordert: Burgfestspiele sind "on tour" – nicht nur in Hessen

Die Bad Vilbeler Burgfestspiele sind überregional bekannt: Jedes Jahr steigen die Zuschauerzahlen. Doch nicht jede Aufführung findet in dem mittelalterlichen Gemäuer an der Nidda statt. Neben dem Hauptspielort finden an vier Spielstätten anderen ebenfalls Vorstellungen statt. Burgfestspiele-Intendant Claus-Günther Kunzmann spricht über die besonderen Herausforderungen bei den Gastspielen.
Erfahrene Burg-Besucher sehen sofort, dass diese Inszenierung nicht in der Bad Vilbeler Wasserburg stattfand: Die Darsteller zeigten „Charleys Tante“ bei den Burgfestspielen Eppstein. Archivfoto: Privat Erfahrene Burg-Besucher sehen sofort, dass diese Inszenierung nicht in der Bad Vilbeler Wasserburg stattfand: Die Darsteller zeigten „Charleys Tante“ bei den Burgfestspielen Eppstein. Archivfoto: Privat
Bad Vilbel. 

Claus-Günther Kunzmann blickt auf „seine“ Burg nahe der Nidda. Die kennt er sozusagen wie seine Westentasche, die Vorstellungen sind eingespielt, Probleme gibt es wenige. Bei den Vorstellungen anderenorts sieht es da anders aus. „Es ist etwas Besonderes. Hier hat alles ein System, das sich im Laufe des Jahres einspielt. Da wir bei den Außenvorstellungen weniger präsent sind, kann es zu Problemen kommen“, weiß er. Dieses Jahr geben die Burgfestspiele unter anderem in Neuwied, Dreieich und Eppstein Gastvorstellungen. Bei den meisten der Städte sind die Burgfestspiele ein regelmäßiger Gast.

Burgfestspiel-Intendant Claus-Günther Kunzmann Bild-Zoom
Burgfestspiel-Intendant Claus-Günther Kunzmann

Dabei hat jeder Ort seinen ganz eigenen Charme, ist Kunzmann überzeugt. „Neuwied ist ein toller Ort zum Spielen, eine alte Klosteranlage. In Dreieich ist es eine Burgruine, ähnlich wie in Vilbel. Dadurch entstehen aber auch Probleme bei der Inszenierung. Die Dramaturgie und die Schauspieler sind auf die Maße unserer Bühne eingestellt, die dortigen haben andere Maße. So ist die in Neuwied ein Stück größer. Die ganze Inszenierung muss auf die dortigen Verhältnisse angepasst werden, ohne die Grundstruktur zu sehr zu verändern. Für alle Teilnehmenden ist das eine Herausforderung.“ Dazu gehören besonders Bühnendekoration und die Laufwege der Schauspieler.

Ruhepause für die Darsteller

Im letzten Jahr waren die Burgfestspiele mit dem „Namen der Rose“ unterwegs, geklappt hat alles gut. „Das Stück ist gut angekommen und das ist die Hauptsache“, meint Kunzmann. Auch mit den Darstellern habe es keine Probleme gegeben. „Die meisten sind an das Reisen gewöhnt, außerdem sind die Strecken nicht übermäßig weit. Manchmal kommt es natürlich zum Stau, dann kann es ganz schön knapp werden.“ Vor Ort wird das Stück dann noch schnell durchgegangen, für ein ganzes Probespiel fehlt meistens die Zeit. „Auf manchen Bühnen geht es aber nicht anders, da sich viel verändert. Die Schauspieler sind natürlich Profis und stellen sich auf diese Situationen schnell ein.“

Probleme gibt es jedoch trotzdem immer mal wieder, so wurde zum Beispiel einmal der Schlagzeuger vergessen, erinnert sich Kunzmann. „Er wurde im Dunkeln einfach übersehen und der Bus ist ohne ihn abgefahren, so musste er per Taxi nachgeholt werden. Aber so etwas passiert einfach manchmal.“ Auch die Ruhepausen für Schauspieler können zum Problem werden, denn wenn sie abends eine Vorstellung haben und erst spät wieder zurück in der Quellenstadt sind, dürfen sie am nächsten Tag keine Vorstellung geben, erklärt der Intendant.

„Das mag erstmal wie ein kleines Problemchen klingen, aber viele Darsteller spielen in zwei oder gar mehr Stücken mit, so gibt es Überschneidungen. Dann muss sorgfältig ausgewählt werden, welche Stücke in Bad Vilbel und welche außerhalb gespielt werden, damit es keine Überschneidungen gibt. Aus diesem Grund planen wir bereits im September des vorhergehenden Jahres alle Auftritte, damit wir nicht vor einem Problem stehen.“

Aufwendige Vorbereitung

Eine besondere Herausforderung stellt sich bei den Gastspielen für die Bühnentechnik. „Das fängt schon bei kleinen Dingen an. Wenn hier etwas fehlt, geht man schnell ins Lager und holt es. Das funktioniert bei den Gastspielen nicht. Es muss schon beim Packen penibel darauf geachtet werden, dass nicht vergessen wird. Ein großer Planungsaufwand“, sagt Kunzmann. „Bei einer Vorstellung um 18 Uhr fährt das Bühnenteam um 6 Uhr in Bad Vilbel los, am Tag zuvor muss alles sorgfältig vorbereitet werden. Bei besonders aufwendigen Vorbereitungen fahren wir sogar einen Tag früher los.“

Sollte etwas vergessen worden sein, kann das heikel werden. „Manchmal hat man das Glück, dass der Bus mit den Darstellern noch nicht abgefahren ist und vielleicht noch kleine Teile mitnehmen kann. Ansonsten wird es kompliziert“, erklärt Kunzmann. „Außerdem darf die Sicherheit der Mitarbeiter und Requisiten beim Aufbau trotz des Zeitdrucks nicht zu kurz kommen – nicht, dass es am Ende zu einem Unfall kommt. Es gilt, genau die richtige Balance zwischen Schnelligkeit und Sicherheit zu finden, damit am Ende alles klappt.“

Trotzdem beurteilt Kunzmann die Gastspiele der Burgfestspiele positiv. „Die Außenvorstellungen stellen uns zwar vor Herausforderungen. Diese können jedoch wieder aufgewogen werden. Die Kreativprozesse durch die Anpassungen an die Gegebenheiten vor Ort sind gut für unser Team, vor allem ermöglichen sie jedoch Leuten aus diesen Orten, die Burgfestspiele zu erleben und dort bekannt zu machen“, verdeutlicht Kunzmann. Ein Spaziergang seien diese Gastvorstellungen also nicht – sondern harte Arbeit.

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