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Stolpersteine auch für behinderte Menschen, die von den Nazis ermordet wurden: Claus-Günther Kunzmann erinnert an unklare Schicksale

Die Stolpersteine in der Bad Vilbeler Innenstadt fallen auf und das sollen sie auch. Drei Verlege-Aktionen hat es schon gegeben, um Juden zu gedenken, die in der Frankfurter Straße gelebt haben und von den Nazis verschleppt wurden. Doch sind in dieser dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte bekanntlich nicht nur Juden in Konzentrationslagern systematisch umgebracht worden, sondern auch Personen, die als „nicht lebenswert“ galten, wie körperlich oder geistig behinderte Menschen. Wären auch für diese Opfer der Nazi-Diktatur Stolpersteine möglich, fragt der Leiter des Kulturamtes, Claus-Günther Kunzmann.
Claus-Günther Kunzmann würde gerne auch den Vilbeler Opfern der Euthanasie mit Stolpersteinen gedenken. Claus-Günther Kunzmann würde gerne auch den Vilbeler Opfern der Euthanasie mit Stolpersteinen gedenken.
Bad Vilbel. 

„Wir mussten uns damals in das System erst einmal hineinfuchsen“, erinnert sich Claus-Günther Kunzmann, Leiter des Bad Vilbeler Kulturamts, an die vergangenen drei Verlege-Aktionen. Diese liegen bereits zehn Jahre und mehr zurück. „Wir mussten nicht nur unser Konzept finden, sondern auch überlegen, was genau auf den Steinen stehen soll“, beschreibt Kunzmann. Ein weiteres Problem seien die unklaren Schicksale einiger der damaligen jüdischen Bewohner gewesen.

Die Tochter des jüdischen Bad Vilbeler Schulleiters Albert Chambré habe beispielsweise geheiratet und sei ins Baltikum gegangen. Ob sie dort umkam, ist unklar. „Wir hatten also viele unbekannte Variablen“, erinnert sich Kunzmann. Weiterhin habe man die Stolpersteine am letzten freiwilligen Wohnort der verschleppten Juden verlegen wollen, doch war der letzte Wohnort noch freiwillig?

Folgen einer Inhaftierung

„Wir wollten einen gewissen Kenntnisstand über eine Person erreichen, uns aber auch nicht im Detail verlieren“, so Kunzmann. Auch der Sozialdemokrat Martin Reck, der nicht jüdisch war, ist an den Folgen einer Inhaftierung im Konzentrationslager gestorben, weiß Kunzmann. Reck sei einer der Initiatoren des Kurhausbaus gewesen. Ihn habe man ebenfalls durch einen Stolperstein geehrt.

Euthanasie-Morde

Im Zuge der Ausstellung „Legalisierter Raub“, die 2014 in Bad Vilbel zu sehen war, referierte der Historiker Götz Aly zum Thema „Euthanasie-Morde“. Zwischen 1939 und 1945 hätten die Nazis 200 000

clearing

„Was die Verlegung der Stolpersteine angeht, bewegen wir uns ja auf öffentlichem Raum“, so Kunzmann weiter. „Wir haben die Anwohner vorher entsprechend informiert“. Viele der Häuser, die ehemals jüdischen Familien gehört oder in denen Juden gelebt haben, seien durch Enteignung an ihre neuen Besitzer gekommen, nachdem die jüdischen Bewohner fort waren. „Wir haben klar gemacht, dass die Verlegung eines Steins vor der Haustür keine Anklage gegen die Personen sein soll, die heute darin wohnen“, betont Claus-Günther Kunzmann. Doch sei der legalisierte Raub, der damals praktiziert worden ist, ein Thema, dem man sich stellen müsse, findet er und verweist auf die Ausstellung mit selbigem Titel, die vor wenigen Jahren in Bad Vilbel zu sehen war.

Nachricht vom Tod

Im vergangenen November hatten Schüler des Bad Vilbeler Georg-Büchner-Gymnasiums die Stolpersteine gepflegt und geputzt. Damals hatte Kunzmann den Wunsch nach weiteren Stolpersteinen geäußert – und zwar für Euthanasieopfer. Denn auch geistig und körperlich behinderte Menschen wurden von den Nazis verschleppt und ermordet.

„Die Verlegung von Stolpersteinen könnte beim Thema Euthanasie sehr schwierig werden“, denkt Kunzmann heute. Schließlich seien die Euthanasie-Opfer häufig mit dem Versprechen von Pflege in einer entsprechenden Einrichtung aus den Familien geholt worden. „Es hat dann erst so ausgesehen, als wäre das Familienmitglied in Pflege, dann kam irgendwann die Nachricht vom Tod“. Hier sei natürlich eine verschleiernde Todesursache genannt worden. „Die Dinge wurden in den Familien schöngeredet und verdrängt. Da müssen wir ausgesprochen sensibel mit umgehen“, bedauert Kunzmann. Dennoch würde er das Thema gerne zum Gesamtabschluss bringen. „Was unsere Kenntnisse angeht, wissen wir von fünf Euthanasieopfern in Bad Vilbel.“

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