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Falknerei: Helmut Anhäuser aus Petterweil zieht kleine Falken auf

Von Die Falknerei ist die hohe Kunst des Jagens mit einem Greifvogel. Heute sind Falkner in der Regel auch Greifvögelexperten, die sich für den Artenschutz einsetzen. Zu ihnen gehört Helmut Anhäuser aus Karben-Petterweil, der mit viel Geduld und Geschick einen Falken für die Beiz ausgebildet hat.
Der Falke sitzt nach der Jagd wieder auf der Faust, gleich erhält er als „Leckerli“ ein Stück Taubenfleisch. Bilder > Foto: Anne-Rose Dostalek Der Falke sitzt nach der Jagd wieder auf der Faust, gleich erhält er als „Leckerli“ ein Stück Taubenfleisch.
Karben. 

Einen Namen hat der Wanderfalke von Helmut Anhäuser nicht. Schließlich ist es kein Haustier zum Kuscheln. Aber tägliche Aufmerksamkeit braucht der schnelle Jäger der Lüfte dennoch.

„Ich bin mit ihm bei Wind und Wetter draußen“, erklärt Falkner Anhäuser (81) und öffnet die rückwärtige Klappe seines Jeeps. Dort sitzt seelenruhig der Falke, und als Anhäuser ihm die behandschuhte Faust entgegenstreckt, springt er auf den Lederhandschuh. Behutsam hebt Anhäuser den Vogel aus dem Auto und nimmt ihm die Lederhaube ab, die er über den Kopf trägt. „Die hat er nur beim Transport im Auto und in Situationen, die stressig für ihn sein könnten“, erklärt Anhäuser.

Dunkelheit bedeute Ruhezeit für den Falken, der alles durch die Augen wahrnehme und von seinem Ansitz aus sehr gut und weit sehen könne. Anhäuser löst die Fußfessel, die den Falken an ihn bindet, und als er den Arm ausstreckt, löst sich der Falke blitzschnell und streicht im schnellen Flug über das Feld davon. Doch er wird zurück kommen, dessen ist sich Anhäuser sicher, denn er hat ihn sieben Jahre lang ausgebildet.

Im Einsatz für Artenschutz

„Ich habe ihn als Jungtier aus einer Zucht übernommen und ihn für die artgerechte Beiz (Jagd) ausgebildet“, erklärt Anhäuser. Das dürfe er, weil er den Jagdschein habe und auch die vorgeschriebene Falknerprüfung abgelegt habe. Anhäuser ist auch Mitglied im Deutschen Falkenorden, einem Interessenverband von Züchtern und Haltern der gefiederten Flugkünstler.

In Karben ist Anhäuser als Experte für Greifvögel bekannt und als jemand, der sich für den Arten- und Naturschutz einsetzt. In vielen Vorträgen berichtet er über die Lebensweise von Uhu und Kauz, von Bussard, Mauersegler und eben den einheimischen Falken. „Mich haben die Greifvögel schon als Kind interessiert“, berichtet Anhäuser.

In Frankfurt gebührt ihm der Verdienst, 1983 die erste künstliche Kinderstube für Wanderfalken am „Spargel“, dem ehemaligen Fernsehturm, eingerichtet zu haben. Als Berufsfeuerwehrmann hatte er keine Höhenangst und baute von der Steigleiter aus einen Kunsthorst in den Lüftungsschacht des Turmes hinein. „Turmfalken lieben als Felsbrüter die hohen Bauten“, erklärt Anhäuser. Deswegen biete sich Frankfurt mit seinen Hochhäusern und Kühltürmen für den Bau von künstlichen Horten an.

Im letzten Jahr habe es sieben Bruten von Wanderfalken in Frankfurt gegeben und die Falkenpopulation sei stabil. Das habe in den 70er und 80er Jahren noch ganz anders ausgesehen. Damals bedrohte das Insektengift DDT die Vogelbrut, und menschliche Nesträuber taten das Übrige dazu, um den Wanderfalken fast zum Aussterben zu bringen. Strenge Schutzmaßnahmen wurden ergriffen und DDT verboten. Anhäuser gehörte zu den Greifvögelfreunden, die über Jahre Jungfalken aus der Zucht übernommen und erfolgreich ausgewildert und „der Natur übergeben“ haben.

Federspiel mit Lederband

Früher hat Anhäuser auch „Habichte geflogen“ zur Kaninchenjagd. Jetzt ist es der Wanderfalke, den er zu seinem Begleiter bei den täglichen Ausflügen in die Natur gemacht hat. Theoretisch könnte er mit ihm Krähen jagen oder Tauben, doch das praktiziert Anhäuser nicht. „Ich halte auch keine Menagerie an Vögeln, sondern beschäftige mich intensiv mit einem Tier“, unterstreicht Anhäuser.

Die Falknerei ist in seinen Augen eine uralte Jagdkunst, die die Unesco zu Recht in die Liste der immateriellen Kulturgüter aufgenommen hat. Ein Hilfsmittel zur Ausbildung der Falken für die „Beiz“ ist dabei über Jahrhunderte unverändert geblieben: das Federspiel. Anhäuser hat es dabei und steht nun am Rande des Sportplatzes in Petterweil und schwingt es über seinen Kopf. Es ist ein breites und etwa zwei Meter langes Lederband, an dem eine Beute-Attrappe angebracht ist. Anhäuser muss nicht lange warten und das Federspiel schwingen. Pfeilschnell kommt der Falke aus luftiger Höhe herabgestürzt. Doch kurz bevor der Vogel mit seinen gelben Krallen die Beute packen kann, zieht Anhäuser das Federspiel in Flugrichtung weg und der Vogel muss durchstarten für einen zweiten Anlauf. Das Federspiel ist Training und Kommunikation mit dem Vogel. „So kommt er auch immer zu mir zurück“, sagt Anhäuser und gönnt seinem Falken nach erfolgreicher Jagd auf die Beute-Attrappe ein Leckerli. Das ist natürlich bei den Raubvögeln ein Stück Taubenfleisch. „Der Falke begreift schnell, dass es vom Menschen etwas zu fressen gibt im Austausch gegen die erjagte Beute.“

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