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Schwerpunkt liegt auf Medizin: Hochschule Gießen weiht Justus-Liebig-Hörsaal ein

Von Bad Nauheim ist ab sofort Universitätsstandort. Hintergrund ist die Eröffnung des neuen „Campus Kerckhoff“ der Justus-Liebig-Uni in Gießen. Vor vollem Haus hat der hessische Minister Boris Rhein (CDU) gestern Glückwünsche überbracht.
Boris Rhein, der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, überbringt seine Glückwünsche. Foto: Petra Ihm-Fahle Boris Rhein, der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, überbringt seine Glückwünsche.
Bad Nauheim. 

Ein Mann in schwarzem Anzug steht mit konzentrierter Miene vor der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. Er wartet wohl auf die Limousine des hessischen Ministers Boris Rhein (CDU), der zur Eröffnung des Campus Kerckhoff der Justus-Liebig-Universität Gießen kommen wird. Für Bad Nauheim ist dies ein bedeutsamer Akt, denn die Kommune wird durch das
Zusammengehen von Klinik
und Hochschule zum Universitätsstandort.

In der Cafeteria des Krankenhauses stehen zahlreiche weitere Herrschaften in Anzug oder Kostüm, sie halten Getränke und können sich an einem Buffet bedienen. Wohin man schaut und geht, sind Gesichter aus der regionalen Spitzenmedizin und Forschung zu sehen. Auch Dr. Lutz Ehnert ist zugegen, der als internistischer Hausarzt um die Ecke praktiziert und sich als Vorsitzender des hiesigen Kneipp-Vereines intensiv um das Fortkommen Bad Nauheims bemüht. Er strahlt. „Als Lehrarzt der Uni Gießen finde ich es hervorragend, dass der studierende Nachwuchs direkt hier mit den neuesten Erkenntnissen aus Forschung und High-Tech-Medizin in Kontakt kommt.“

Es sei ein weiterer Mosaikstein, setzt er eins drauf, den Ruf Bad Nauheims als Gesundheitsstadt zu verstärken. Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) ist ebenfalls angetan, „es ist eine Freude und eine Ehre“, unterstreicht er. Nun geht es in den Kristallsaal im Untergeschoss, der künftig Justus-Liebig-Saal heißen wird.

Selbst promovieren

In diesem Raum werden die Studenten Vorlesungen zu Spezialthemen des Krankenhauses hören, wie Prof. Ardeschir Ghofrani (Geschäftsführung Klinik) dieser Zeitung erläutert. Aber auch Unterricht am Krankenbett ist für die jungen Leute vorgesehen. Sukzessive werden die Abteilungsdirektoren der Klinik zu Professoren ernannt, die es dort teilweise schon gibt.

Für deutsche Spitzenmediziner auf Arbeitsplatzsuche, so freut sich Ghofrani, dürfte die Kerckhoff-Klinik dadurch noch interessanter werden. „Und die vielen Doktoranden und Habilitanden, die wir bei uns haben, können wir nun selbst promovieren und habilitieren.“

Bis auf den letzten Platz ist der Saal gefüllt, als Ghofrani, ein Fachmann für Lungenhochdruckforschung, die Gäste begrüßt. Es habe, bevor nun dieser „große Tag“ begangen wird, bereits früher Brückenköpfe zu dem universitären Gebiet gegeben. Er schildert: „Wir hatten vor Ort schon Strukturen, uns Campus Kerckhoff zu nennen.“ Gemeint sind das Max-Planck-Institut, das Franz-Groedel-Institut, und beispielsweise die Implementierung des ärztlichen Direktors Prof. Dr. Christian Hamm als Direktor der universitären Kardiologie in Gießen.

„Dieser Tag kann gar nicht hoch genug bewertet werden“, bekräftigt denn auch Universitätspräsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee. Er bekennt, gerade den Traum eines jeden Uni-Präsidenten zu erleben, einen neuen Campus zu eröffnen. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) habe ihn 2010 aufgefordert: „Schaut, dass ihr zusammen was macht.“ Laut Koalitionsvertrag sollte Mittelhessen als Medizin- und Gesundheitsregion gestärkt werden, „und in der Medizin und auch in anderen Fächern hat uns das Land unterstützt“, sagt Mukherjee.

„Ein bedeutender Tag“

Der Dekan für Medizin in Gießen, Prof. Dr. Wolfgang Weidner, beschreibt, welche weiteren Professuren in der Kerckhoff-Klinik etabliert werden sollen: Herz- und Thoraxchirurgie sowie Anästhesiologie sind Beispiele. „Wir profitieren beide von der gegenseitigen Exzellenz“, lobt er die Effekte des Zusammengehens.

Während Dr. Walter Arnold (Gesellschafterversammlung Kerckhoff-Klinik) an die Verdienste des Stifters William G. Kerckhoff erinnert, hebt Prof. Dr. Werner Seeger (Direktor Max-Planck-Institut) das Wirken von Prof. Dr. Friedrich Grimminger hervor, der sich für die Schaffung medizinischer Verbände stark eingesetzt hat – so auch an dieser Stelle. Und bevor die Gesellschaft nun das Schild „Campus Kerckhoff“ enthüllt, spricht der hessische Minister Boris Rhein: „Es ist in der Tat ein bedeutender Tag, ich will ganz außergewöhnlich gratulieren.“ Für das Land sei es von großem Interesse, dass ein Uni-Standort eröffnet wird: „Es ist vorbildhaft.“

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