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Biotope besser schützen: Massenheimer kümmern sich um Lebensraum für Tiere und Pflanzen

Von Das Massenheimer Ried ist ökologisch wertvoll, es bietet vielen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum.
Rund eine halbe Tonne Müll im Jahr entfernt Jäger Ingo Hummel von Wegen und aus Hecken. Die Bandbreite reicht von Gefahrstoffen über Autoteile und Computer bis zu Bierdosen. Foto: Christine Fauerbach Rund eine halbe Tonne Müll im Jahr entfernt Jäger Ingo Hummel von Wegen und aus Hecken. Die Bandbreite reicht von Gefahrstoffen über Autoteile und Computer bis zu Bierdosen.
Bad Vilbel. 

Vögel zwitschern, Insekten brummen, Schmetterlinge fliegen durch die Luft, Hagebuttenrosen, aber auch Bäume wie weiß blühende Akazien oder Kirschen, Holunderbüsche sowie Wildkräuter haben ihre Blüten geöffnet. Rebhühner, Fasane, Feldlerchen, Nachtigallen, Singdrosseln, Kuckucke, Reiher, Wildtauben, aber auch Rehwild, Hasen und ab und zu Wildschweine haben das Massenheimer Ried erobert. Innerhalb von rund 25 Jahren ist in der Gemarkung auf einem ursprünglich zum Lärmschutz angelegten Erdwall und einem vorgelagerten Oberbodenlager eine bedeutende Grünachse für Fauna und Flora entstanden. Der breite, geschlossene Gehölzsaum mit Bäumen, Büschen und Wildkräutern umschließt Wildackerflächen, Lichtungen und eine Wasserfläche.

Aus Zufall entstanden

Auf dem heutigen Gelände des Massenheimer Rieds sollte vor fast 25 Jahren ein Golfplatz entstehen. Um die Golfer vor dem Verkehrslärm der B 3 und Bahnlinie zu schützen, ließ die Massenheimer

clearing

In dieser urwaldähnlichen Biotopverbundfläche legen sich Rehe zur Geburt ihrer Kitze ab, ziehen Hasen ihren Nachwuchs groß, brüten Vögel, teils bedrohte Arten wie die Singdrossel und das auf der Roten Liste stark gefährdeter Tierarten stehende Rebhuhn. „Die ökologische Wertigkeit des Massenheimer Rieds mit seinem großen Artenreichtum steht dem Bad Vilbeler Stadtwald oder dem Wingert in nichts nach“, sagt Peter Paul vom örtlichen „Initiativkreis Ökologie der Lokalen Agenda 21“. Ihm stimmen Ingo Hummel, Jäger im Massenheimer Revier, und Wirt, Landwirt sowie Jagdgenosse Lutz Weyland zu.

Futterstellen

„Das Gebiet gehört zum Rebhuhn-Hegering Wetterau, dessen Gründer Andreas Mohr, weitere Jäger und Jagdpächter sind. Grund für den Artenrückgang bei Vögeln, Insekten, Wildbienen und Säugern sind fehlende Nahrungsangebote und Habitate. Deshalb stehen an den Hecken und in der Feldgemarkung kleine, weiße Eimer mit Futter, welche die Hegeringmitglieder selbst finanzieren“, informiert Jäger Hummel. Das in den Eimern trocken bleibende Futter werde nicht nur über die am Boden angebrachte Spirale von Fasanen, sondern auch Tauben oder Mäusen genutzt. Gleich hinter dem Futtereimer befindet sich eine Schütte (Überdachung), die Vögeln einen trockenen Platz für ihre Nester gibt.

Wegwerfgesellschaft: Bierdosen einfach in der Natur „entsorgt“. Bild-Zoom Foto: Christine Fauerbach
Wegwerfgesellschaft: Bierdosen einfach in der Natur „entsorgt“.

Eine weitere wichtige Nahrungsquelle inmitten der ausgeräumten Kulturlandschaft sind die 9500 Quadratmeter großen Wildäcker, die den Jägern teils von der Firma Hassia Mineralbrunnen zur Verfügung gestellt werden. „Wildäcker sind die Apotheke der Hasen. Sie benötigen zur Aufrechterhaltung ihres Immunsystems 50 verschiedene Pflanzen. Darüber hinaus bieten die Äcker vielen Tieren nicht nur Nahrung, sondern auch Schutz vor Beutegreifern und sie störenden Menschen“, sagt Hummel. Er appelliert an Spaziergänger, Sportler und Hundebesitzer, die Wege nicht zu verlassen und die Hunde anzuleinen. „Die Felder sind Rückzugsgebiet und Lebensraum für Wildtiere.“

Hasenreiches Revier

Gerade hat der Jäger auf den Äckern wieder eine Wildkräutermischung ausgesät. Der Erfolg seiner Bemühungen wurde von Wissenschaftlern der Universität in Gießen überprüft. „Das Massenheimer Ried ist eins der hasenreichsten Reviere in der Wetterau.“ Es grenzt im Westen ans bereits unter Naturschutz stehende Harheimer Ried an. Im Süden donnern über dem Ried Autos auf der B 3 und Züge vorbei. Mitten im Gehölz des Massenheimer Rieds steht ein sehr seltener, heimischer Elsbeerbaum. „Er wurde im April 2011 als „Ökumene Baum“ auf dem Schnittpunkt der Linie der Kirch-türme beider Konfessionen Massenheims von den Naturfreunden gepflanzt“, informiert Peter Paul. An anderen Stellen sind Büsche und eine Traubenkirsche von der Gespinstmotte befallen. Die große Wasserfläche im Massenheimer Ried wird durch eine Quelle und Niederschlagswasser gespeist. „Gäbe es in der Gemarkung mehr solcher einem grünen Band vergleichbarer Flächen, wäre das Artensterben aufzuhalten“, sagt Paul.

Das Massenheimer Trio will bei Bürgern und Kommunalpolitikern das Bewusstsein für den Schutz dieser und anderer Flächen wecken. Das ist nötig, denn Jäger Hummel holt jährlich eine halbe Tonne Müll aus den Hecken.

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